Verfahren
Mann wollte Ex-Freundin mit Pfeil und Bogen töten
Ein 36 Jahre alter Friesoyther muss sich seit Dienstag wegen versuchten Totschlags verantworten. Der Mann wollte seine Ex-Freundin mit Pfeil und Bogen töten.
Friesoythe/Oldenburg - Weil er am 20. Januar diesen Jahres versucht haben soll, seine Ex-Lebensgefährtin mit Pfeil und Bogen zu töten, muss sich seit Dienstag ein 36 Jahre alter Mann aus Friesoythe wegen versuchten Totschlags vor der Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichtes verantworten.
Der Angeklagte, der nach eigenen Angaben drogenabhängig ist, war gegenüber seiner Frau im Vorfeld der Tat handgreiflich geworden. Deswegen musste er das ehemals gemeinsam bewohnte Haus in Friesoythe verlassen. Dort leben auch die Kinder. Drogen und Kinder passen nach einer Anordnung des Jugendamtes nicht zusammen – Gewalttätigkeiten auch nicht. Am Tatabend schlich sich der Angeklagte aber wieder heimlich ins Haus. Im Schlafzimmer traf er auf seine Ex-Frau, die sofort die Flucht ergriff. Der Angeklagte soll noch gerufen haben, er werde sie und die Kinder töten, dann tat er so, als verlasse er das Haus wieder.
Der Angeklagte saß auf einer Bank, Pfeil und Bogen im Anschlag.
Was dann passierte, glich einem Horrorfilm. Die Ex-Lebensgefährtin des Angeklagten machte vor Gericht deutlich, dass sie kontrollieren wollte, ob der Angeklagte das Haus wirklich verlassen habe. Sie beschrieb in der Verhandlung die Situation: Leise sei sie durchs Haus geschlichen, habe vorsichtig in jeden Raum geschaut. Sie näherte sich dann einem zweiten Wohnzimmer. Vorsichtig tastend schaute sie nun in diesen Raum. Da saß der Angeklagte dann auf einer Bank, Pfeil und Bogen im Anschlag.
Als er seine Ex-Frau erblickte, schoss er laut Aussage von Oberstaatsanwalt Thomas Sander sofort gezielt auf den Kopf der Frau. Der Pfeil aus Metall verfehlte den Kopf der Frau nur um 20 Zentimeter und durchbohrte anschließend das Türblatt. Der Angeklagte verfügte über ein ganzes Waffenarsenal. Langbogen mit Pfeil, Dolche, Stahlruten, ein Schwert, Pistolen und Buschmessser: Das meiste davon benötige er fürs Angeln, sagte der Angeklagte am Dienstag. Nachdem er damals das Haus habe verlassen müssen, sei er obdachlos gewesen. Am Tattag habe er viel Alkohol getrunken und sei dann auf die Idee gekommen, seine restlichen Sachen aus dem Haus zu holen.
Aus Wut ein Loch in die Wand geschlagen
Im zweiten Wohnzimmer sei er dann über die Gesamtsituation sehr wütend geworden, zumal er seine Ex-Lebensgefährtin zusammen mit Nachbarn lachen gehört habe. Aus Wut habe er dann ein Loch in die Wand geschlagen und das Schwert in den Fußboden gerammt. Dann habe er aus Wut mit Pfeil und Bogen auf die Tür geschossen. Er habe nicht gesehen, dass seine Ex-Lebensgefährtin dort gestanden habe, beteuerte der Angeklagte.
Die Kammer unter Vorsitz von Richter Sebastian Bührmann hat einen Psychiater zum Verfahren geladen, der Auskunft über die Schuldfähigkeit des Angeklagten geben soll. Der Prozess wird fortgesetzt.