Einzelhandel
Vor jedem Einkauf steht ein Taschenwühlstopp
Seit Montag müssen die meisten Geschäftsleute in der Auricher Innenstadt den Impfstatus der Kunden kontrollieren. Kurzzeitig gab es Hoffnung auf ein Bändchen-System. Doch die erfüllte sich nicht.
Aurich - Bettina Rademaker ist auf Zack. Während eine Kundin am Dienstag in Rademakers Geschäft „Wohnkooje“ noch den Impfnachweis aus der Handtasche kramt, hat die Geschäftsfrau ihr Handy bereits gezückt. Die Auricherin hat sich eine App heruntergeladen, die einen 2G-Check der digitalen Daten ermöglicht. Sie liest den QR-Code ein, bekommt die Meldung, dass alles seine Gültigkeit hat und wie die Kundin heißt. „Darf ich bitte noch Ihren Personalausweis sehen?“, fragt Bettina Rademaker. „Sie sind aber ordentlich“, entgegnet die Kundin mehr anerkennend als kritisch. In drei Geschäften sei sie an diesem Vormittag nicht nach diesem Dokument gefragt worden. „Dann bringt die ganze Kontrolle auch nichts.“
Wer im Einzelhandel in Niedersachsen einkaufen will, muss seit vergangenem Montag einen 2G-Nachweis erbringen. Für die Einzelhändler ist diese Kontrolle zeitaufwendig und mühsam. Weil am Montagvormittag sehr viel zu tun war, sei sie fast Amok gelaufen, sagt Bettina Rademaker. In ihren Augen wäre eine Vereinfachung des Kontrollsystems zu begrüßen. In der Stadt Oldenburg gibt es beispielsweise ein Bändchen-System: An drei zentralen Stellen in der Innenstadt können sich Besucher mit 2G-Nachweis ein tagesaktuelles Bändchen fürs Handgelenk abholen. Das müssen sie dann in den Geschäften nur vorzeigen. Das lästige Suchen des Impfausweises oder des Smartphones inklusive des Personalausweises entfällt. Außerdem gibt es in Oldenburg auch Dauerbändchen, die als längerfristiger 2G-Nachweis gelten und bei mehrmaligen Besuchen der Innenstadt verwendet werden können.
Hütten hätten abgebaut sein sollen
Beim Auricher Stadtmarketing und beim Kaufmännischen Verein (KV) hat man am Dienstag ebenfalls darüber nachgedacht, ein solches oder ein ähnliches System einzuführen. Bedingung wäre gewesen, dass es sich „um eine unverwechselbare und nicht übertragbare Kennzeichnung“ handelt, wie es im Corona-Verordnungstext heißt. Man hätte die Bändchen an Buden ausgeben können, die am Sonnabend bei der XXL-Einkaufsnacht auch der Herausgabe von Bändchen für den Weihnachtszauber gedient hatten. Diese Hütten sollten eigentlich schon abgebaut worden sein. Damit hatte man aber gewartet, weil nicht klar war, ob sie nicht noch benötigt würden.
„Wir haben uns dagegen entschieden, diese Extra-Bändchen einzuführen“, sagte der KV-Vorsitzende Udo Hippen auf Anfrage dieser Zeitung. Er selbst habe sich am Montag bei einem Streifzug durch die Fußgängerzone davon überzeugt, dass das gegenwärtige System gut und reibungslos umgesetzt werde. Der KV werde sich jetzt auf das Ende des Weihnachtszaubers konzentrieren und in den kommenden Tagen besondere Aktionen in der Innenstadt initiieren. Ganz vom Tisch ist das Bändchen-System allerdings noch nicht. Vielleicht denke man im nächsten Jahr erneut darüber nach, hieß es vonseiten des KV.
Überall hängen 2G-Hinweise
Eine Stippvisite der Redaktion am Dienstagvormittag in der Innenstadt hat gezeigt, dass fast alle Geschäfte gut auf die veränderte Situation vorbereitet sind. An allen Türen hängen Hinweise darauf, dass 2G-Kontrollen erforderlich sind. Bis auf ganz wenige Ausnahmen fingern Kunden schon vor dem Eintritt in das Geschäft nach dem Smartphone und dem Personalausweis. In manchen Geschäften steht ein Pult im Eingang, um die Überprüfung besser abwickeln zu können. Viele Ladeninhaber haben sich durch zusätzliches Personal darauf eingestellt, die Kontrollen durchführen zu können. Lediglich bei einigen Filialisten fällt auf, dass sie keine Sonderregelungen im Hinblick auf mehr Mitarbeiter getroffen haben. So musste die Kassiererin im Ein-Euro-Shop an der Osterstraße sich förmlich zerteilen, um ihren Aufgaben gerecht werden zu können.
Manche Passanten musterten das Schauspiel der Kontrollen von außen. Sie flanierten durch die Fußgängerzone, blickten in die Geschäfte, gingen aber nicht hinein. Da habe sie keine Lust drauf, ließ Helga Davids durchblicken. Sie hatte sich wie jede Woche mit ihrer Freundin in der Innenstadt getroffen. Nach Shoppen stand den beiden allerdings nicht der Sinn. „Erst die Kontrollen, dann muss man sich mit beschlagener Brille und Maske irgendwohin tasten. Nee, ohne mich“, sagte die Auricherin und zog eine FFP2-Maske aus der Tasche. Ach ja, das komme ja noch hinzu. Die müsse sie ja jetzt tragen, wenn sie den Weihnachtszauber besuchen wolle, so Helga Davids. In diesen Tagen muss man als Verbraucher schon ziemlich gut organisiert sein.