Berlin
Lauterbach: Zu wenig Impfstoff für Booster-Kampagne 2022
Gesundheitsminister Karl Lauterbach kommt nach der Impfstoff-Inventur zu einem verheerenden Ergebnis.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ist der Ansicht, dass die Vorgängerregierung zu wenig Impfstoff für das erste Quartal 2022 bestellt habe. „Die Mengen reichen nicht, um die Booster-Impfkampagne zu fahren“, sagte Lauterbach laut dem „Spiegel“ am Dienstag zu seinen Ministerkollegen. Im Januar rechne er mit knappen Impfstoffmengen, auch im Februar und März sei die Situation „nicht besser“.
Video: Lauterbachs Impfstoffinventur: Nicht genug Booster da?
Lauterbach sieht Versäumnis bei Jens Spahn
Lauterbach verweist auf die Inventur, die er nach Amtsantritt veranlasst habe: „Ich habe ja meinen Vorgänger immer gelobt. Aber wir haben einen erheblichen Impfstoffmangel im kommenden Jahr.“
In den ARD-„Tagesthemen am Dienstagabend wiederholte er die Erkenntnis nach der Inventur, die auch ihn überrascht habe. „Wir haben einen Impfstoffmangel für das erste Quartal“, sagte Lauterbach. Er arbeitet nach eigenen Worten bereits daran, den Mangel zu beseitigen. „Ich hoffe, dass ich da in den nächsten Tagen eine positive Botschaft übermitteln kann.“ Bemühungen liefen über alle Kanäle, auch direkt zu Unternehmen, es müsse alles EU-konform sein. „Wir müssen hier Geschwindigkeit gewinnen.“
Die Länder hätten den Bund bestärkt, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um mehr Impfstoff zu beschaffen - gerade auch für das erste Quartal 2022, sagte Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) am Dienstagabend vor Journalisten. Er kündigte für Montag ein erneutes Gesundheitsministertreffen an.
Viertel der Deutschen schon geboostert
Laut dem „Spiegel“ stehen im Januar pro Woche 3,6 Millionen Booster-Dosen zur Verfügung. Derzeit werden mehr als eine halbe Million Menschen täglich geimpft.
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Den vollständigen Impfschutz mit der meist nötigen zweiten Spritze haben laut Robert Koch-Institut (RKI) nun knapp 58 Millionen Menschen oder 69,7 Prozent der Bevölkerung. 20,5 Millionen Menschen (24,7 Prozent) sind den Angaben zufolge geboostert.
Kritik der Bundesärztekammer
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat sich fassungslos über den absehbaren Mangel gezeigt. „Wenn man das hört, bleibt einem der Mund offen stehen“, sagte Reinhardt am Mittwoch im Deutschlandfunk. Es sei völlig unvorstellbar, dass die Logistik in einem Land wie Deutschland nicht funktioniere. „Ich bin etwas sprachlos angesichts der Nachricht.“
Reinhardt räumte ein, dass sich die Empfehlungen zu den Impfabständen zuletzt mehrfach verkürzt hätten, so dass mehr Impfstoff in kürzerer Zeit gebraucht werde. Trotzdem sei es völlig unverständlich, dass man nach so vielen Monaten der Pandemie nicht in der Lage gewesen sei, genügend Impfstoff auf Halde zu legen. Man könne sich eigentlich nicht vorstellen, dass der frühere Bundesgesundheitsminister Jens Spahn davon nichts gewusst habe. Spahn hatte allerdings bereits angekündigt, mit Biontech/Pfizer in Verhandlungen über eine Vergrößerung der Liefermenge zu sein.
(mit dpa)