Leer
Großes Entsetzen über „peinlichen“ Impfstoffmangel
Eine Inventur brachte es ans Licht: Es fehlt an Impfstoff, sagt Gesundheitsminister Karl Lauterbach. Er will jetzt Biontech nachkaufen. In Ostfriesland bleiben Impftermine erstmal erhalten.
Berlin/Ostfriesland - Die Nachfrage nach einer Corona-Impfung ist derzeit riesengroß – und mittenrein platzt die Hiobsbotschaft, das für Anfang 2022 ein Mangel an Impfstoff droht. Dieses Ergebnis seiner Corona-Impfstoffinventur hat nach Angaben des Bundesgesundheitsministers Karl Lauterbach viele überrascht. „Mich auch“, sagte der SPD-Politiker am Dienstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Er arbeitet nach eigenen Worten bereits daran, den Mangel zu beseitigen und will für 2,2 Milliarden Euro Impfstoffe nachkaufen. Davon sollen 80 Millionen Dosen von Biontech über EU-Verträge sowie 12 Millionen Dosen direkt beschafft werden, wie sein Ministerium am Mittwoch mitteilte. „Für schnelle Booster-Impfungen und mögliche Omikron-Impfungen benötigen wir schnell mehr Impfstoff“, so Lauterbach.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hatte sich zuvor fassungslos über den im nächsten Jahr absehbaren Mangel an Corona-Impfstoff für die Auffrischungskampagne gezeigt. „Wenn man das hört, bleibt einem der Mund offen stehen“, sagte Reinhardt am Mittwoch im Deutschlandfunk. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sprach von einem fatalen Signal an alle, die mit vollem Einsatz die Pandemie bekämpften. „Es ist niemandem zu erklären, dass im Land der Impfstoffentwicklung zu wenig Impfstoff gekauft wurde“, sagte er der „Bild“. Die Union hingegen betont, es stehe genug Impfstoff zur Verfügung. „Karl Lauterbach ruft Feuer, um dann Feuerwehr zu spielen – obwohl er weiß, dass es gar nicht brennt“, heißt es in dem Schreiben des gesundheitspolitischen Sprechers Tino Sorge (CDU).
Lieferung von Impfstoff ein „Glücksspiel“
Tatsächlich läuft die lange stockende Impfkampagne derzeit auf Rekordtempo von zuletzt mehr als sechs Millionen Impfungen in einer Woche. In Ostfrieslands Praxen sind bereits viele Impftermine für Anfang 2022 vergeben. „Wir haben etwa für den 11.Januar 100 Impfdosen bestellt – mal sehen, was kommt“, sagt Dr. Harm Diddens. Der Urologe aus Leer impft pro Woche 60 bis 100 Patienten. Schon jetzt sei die Lieferung der Impfdosen ein Glücksspiel. „60 Impfdosen haben wir für letzte Woche geordert – 30 sind angekommen“, sagt der Arzt.
„Es ist schon ziemlich peinlich, dass man nicht in der Lage war, genügend Impfstoff bei den Herstellern zu bestellen“, findet er. Schließlich habe man in den zuständigen Gremien ja gewusst, wie viele Dosen man jetzt allein für den Booster brauchen werde. „Das ist einfache Mathematik.“
Klinikum stockt Termine weiter auf
Das Klinikum Leer lässt sich durch die schlechten Nachrichten aus Berlin nicht beirren und weitet seine Impftermine für Januar sogar aus. „Man muss zwar von Woche zu Woche neu bestellen, aber bisher haben wir genug Dosen bekommen“, sagt Klinik-Geschäftsführer Holger Glienke. 400 Dosen Moderna kamen bisher pro Woche an, 600 weitere habe man jetzt für die Klinik in Weener bestellt. „Die wollen wir zwischen den Jahren verimpfen.“ So der Plan. Glienke hofft auf einen Anteil aus dem Sonderkontingent von 300.000 Dosen Biontech, die Niedersachsen bekommt. Anfang Januar wolle man auch mit den Kinder-Impfungen beginnen.
An der Kinderklinik der Ubbo-Emmius-Klinik in Aurich gibt es die schon jetzt. „Für diese Termine ist der Impfstoff bereits vorhanden. Die Vorbereitung weiterer Impfungen in der Kinderklinik läuft derzeit“, teilt Johannes Booken von der Trägergesellschaft der Kliniken Aurich-Emden-Norden mit.
Lauterbach will sich an diesem Donnerstag erneut zu der Impfstofflücke und dem weiteren Vorgehen äußern.
Mit Material von DPA
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