Auf die Straße

„Zunehmend werden die Corona-Proteste von rechten Strukturen genutzt“

| | 17.12.2021 18:46 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zuletzt wurden bei den Impfgegner-Demonstrationen wiederholt Schilder gezeigt, die verschwörungsideologisch waren. Foto: Hock/Archiv
Zuletzt wurden bei den Impfgegner-Demonstrationen wiederholt Schilder gezeigt, die verschwörungsideologisch waren. Foto: Hock/Archiv
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Am Sonnabend findet in Emden eine Impfgegner-Demo statt. Kurzfristig hat sich dazu eine Gegenbewegung formiert. Wir haben mit Maike Richtler von der „AG gegen Rechts“ gesprochen. Sie warnt.

Emden - Unter dem Titel „Für Demokratie und Wissenschaft - Solidarisch aus der Krise“ soll an diesem Sonnabend ein Demonstrationszug mit Kundgebung in Emden stattfinden. Angemeldet hat diesen Maike Richtler, Studentin an der Hochschule Emden/Leer und Mitglied der „AG gegen Rechts“. Vor ihrer Aktion sollen in der Innenstadt die „Eltern gegen Rechts und für freie Impfentscheidung“ zusammenkommen. Im Gespräch mit dieser Zeitung erzählt die 33-jährige Richtler, warum sie jetzt insbesondere laut werden wollen.

Maike Richtler hat die Gegendemonstration in Emden angemeldet. Foto: Privat
Maike Richtler hat die Gegendemonstration in Emden angemeldet. Foto: Privat

Frage: Querdenker-Demos gibt es schon fast in der ganzen Pandemiezeit und das auch in Ostfriesland: Warum setzen Sie sich jetzt (erst) mit der geplanten Aktion dagegen?

Maike Richtler: Es gab vorher schon kleinere Aktionen, so zum Beispiel eine Mahnwache. Aus Rücksicht vor der Corona-Situation wollten wir eigentlich nichts Großes machen. Wir haben aber jetzt das Gefühl, dass das Vorherige nicht ausreichend war. Wir müssen ein Zeichen setzen.

Frage: Warum?

Richtler: Zunehmend werden die Corona-Proteste von rechten Strukturen genutzt. Wir beobachten schon länger, was auf den Schildern steht und welche zum Beispiel verschwörungsideologische Aussagen gemacht werden. Wir finden das sehr bedenklich. Einige Akteure sind auch aus der rechten Szene bekannt.

Frage: Sie wollen also über die Teilnehmer der Querdenker-Demos aufklären?

Richtler: Wir wollen klar daraufhinweisen: Es hat keinen Sinn, gegen das Impfen zu demonstrieren, wenn die Rechten dabei sind. Auf einigen Flyern der jetzt sogenannten „Eltern gegen Rechts“ steht, dass sie keinen Unterschied zwischen links und rechts machen. Rechts und links kann man aber einfach nicht gleichsetzen.

Frage: Das heißt, es geht für Sie gar nicht ums Impfen?

Richtler: Wir finden, Impfen ist sinnvoll und einige Teilnehmer*innen werden bei unserer Kundgebung auch darüber sprechen. Aber wir wollen niemanden dazu zwingen. Es muss jeder für sich selbst entscheiden.

Frage: Fast zeitgleich wird ja eine Querdenker-Demo in Emden stattfinden. Wie ist man darauf vorbereitet? Fühlt man sich sicher?

Richtler: Wir haben das mit der Polizei abgesprochen. Es wird ein größeres Ordneraufgebot geben. Wir werden auch darauf achten, wer bei uns mitläuft. Wenn dort Menschen mit Schildern anderer Absicht auftauchen, unsere Veranstaltung also stören, werden wir sie bitten, zu gehen.

Frage: Mit wie vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern rechnen Sie?

Richtler: Mit 150 bis 200. Wir haben viel Zuspruch bekommen, aber viele trauen sich unter den derzeitigen Bedingungen nicht. Viele haben begrüßt, dass wir das jetzt machen und uns engagieren. Dass wir ein klares Zeichen setzen. Beispielsweise haben alle demokratischen Parteien in Emden ihr Kommen angekündigt.

Frage: Warum ist es Ihnen persönlich wichtig, sich derart zu engagieren?

Richtler: Ich habe die Veranstaltung angemeldet. Aber wir machen das als Bündnis AG gegen Rechts, Tegenkrabben und Der Linken. Die Menschen sollen sich ohne Angst vor rechter Gewalt äußern dürfen. Es stört mich sehr, dass zum Beispiel die AfD meint, sie werde in ihrer Meinung eingeschränkt, aber sie schränkt andere Meinungen massiv ein. Hass gegen Menschen, egal welcher Herkunft, ist keine Meinung.

Frage: Und Sie sind eine Studentin an der Hochschule mit einem AfD-Professor.

Richtler: Das ist nicht nur ein Problem unserer Hochschule. Wir haben uns mit der Studentin solidarisiert [Anmerkung der Redaktion: Professor Reiner Osbild verklagt derzeit seine ehemalige Studentin Bjeen Alhassan wegen Rufmords. Sie hatte ihm Rassismus im Umgang mit ihr vorgeworfen]. Der AfD-Professor geht auch die AG gegen Rechts an. Wir werden das aber nicht hinnehmen.

→ Die Veranstaltung unter dem Titel „Für Demokratie und Wissenschaft - Solidarisch aus der Krise“ beginnt um 15 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz in Emden. Dort soll es Begrüßungsworte und Kundgebungen geben. Danach startet der Demonstrationszug durch die Innenstadt, der wieder beim Bahnhof endet. Um 18 Uhr soll die Aktion beendet sein.

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