OZ-Weihnachtsaktion

Darum ist die Vereinsarbeit für Kinder so wichtig

 | 17.12.2021 19:48 Uhr  | 0 Kommentare  | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Viele Kinder entwickeln bei der Kinderfeuerwehr Stärken, die sie auch später noch brauchen. Foto: Ortgies
Viele Kinder entwickeln bei der Kinderfeuerwehr Stärken, die sie auch später noch brauchen. Foto: Ortgies
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In diesem Jahr können die Leser im Rahmen der OZ-Weihnachtsaktion die Kinderfeuerwehren mit ihren Spenden unterstützen. Ein Psychologie-Professor erklärt, warum Vereine wie diese so wichtig sind.

Ostfriesland - Die Kinderfeuerwehren in Ostfriesland sind stets darum bemüht, ihren Nachwuchs zu fördern. Das hat zum einen den Grund, dass es ohne neue Feuerwehrleute irgendwann keine Feuerwehr mehr geben würde. Auf der anderen Seite lernen die Kinder in Vereinen wie diesen wichtige Dinge, von denen sie im besten Fall ihr Leben lang profitieren.

Die Kinderfeuerwehren bitten OZ-Leser um Hilfe

Die ostfriesischen Kinderfeuerwehren brauchen Ihre Spenden. Pressesprecher Manuel Goldenstein erklärt, warum das so wichtig ist:

In den vergangenen Monaten haben die Feuerwehren in Ostfriesland unzählige Spenden gesammelt für die Leidenden der Flutkatastrophe. Zudem werden jedes Jahr Spenden für das Blindenhilfswerk und viele andere Aktionen gesammelt. Für sich selbst sammeln die Feuerwehren fast nie und geben sich mit dem zufrieden, was sie haben. Große Ressourcen gibt es leider für die Kinderfeuerwehren nicht. Sie sind ein wichtiger Baustein, um den Brandschutz aufrechtzuerhalten.

Mehr als 22.000 freiwillige Feuerwehren und nur rund 100 Berufsfeuerwehren gibt es in Deutschland. Ohne die Freiwillige Feuerwehr geht es also nicht. Die Kinderfeuerwehren sorgen für die Sicherung von späteren Feuerwehrleuten. Zudem lernen die Kinder dort lebensrettende Maßnahmen, zum Beispiel einen Notruf abzusetzen, altersgerecht Erste Hilfe zu leisten und sich richtig bei Feuer zu verhalten.

Erwin Reiners trägt seine Einsatzkleidung. Er ist nicht nur Präsident und Regierungsbrandmeister, sondern auch immer noch "normale" Einsatzkraft. Foto: Kreisfeuerwehrverband Aurich
Erwin Reiners trägt seine Einsatzkleidung. Er ist nicht nur Präsident und Regierungsbrandmeister, sondern auch immer noch "normale" Einsatzkraft. Foto: Kreisfeuerwehrverband Aurich

„Wir müssen bei den Jüngsten beginnen, um auch noch in 20 Jahren effektive Hilfe bei Notfällen zu leisten. Das System der Freiwilligen Feuerwehr bröckelt überall. In Ostfriesland glücklicherweise bislang nur gering. Darum brauchen wir Unterstützer, damit es bleibt, wie es ist“, betont Erwin Reiners, Präsident des Feuerwehrverbands Ostfriesland.

Prof. Dr. Sören Schmidt ist seit diesem Jahr Professor an der Hochschule Emden/Leer. Sein Fachgebiet dort ist Psychologie in der Sozialen Arbeit. Mit uns hat er darüber gesprochen, wie wichtig es für Kinder ist, sich schon früh in Vereinen wie beispielsweise der Kinderfeuerwehr zu engagieren.

Selbstbewusstsein und Teamgeist fördern

Professor Schmidt erklärt: „Den Vorteil von Vereinen sehe ich ganz klar. Für Kinder ist es meiner Meinung nach immer gut, wenn sie schon früh Engagement zeigen. Durch den Kontakt zu anderen Kindern in Gruppen lernen sie zum Beispiel Teamfähigkeit.“ Das sei in seinen Augen eine wichtige Stärke, die die Sozialkompetenz fördere und auch in der weiteren Entwicklung eine große Rolle spiele. „Man kann davon ausgehen, dass die Kinder sich auch später in Gruppen deutlich leichter zurechtfinden. Sie lernen Zusammenarbeit und in diesem Zusammenhang auch, dass man die Meinung anderer Kinder respektieren sollte, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen“, sagt der Psychologe.

Sören Schmidt ist Professor für Psychologie in der Sozialen Arbeit an der Hochschule Emden/Leer. Foto: Hochschule Emden/Leer
Sören Schmidt ist Professor für Psychologie in der Sozialen Arbeit an der Hochschule Emden/Leer. Foto: Hochschule Emden/Leer

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Schmidt, dass die Kinder in den Vereinen auch mit Aufgaben konfrontiert sind, die sie aus eigener Kraft bewältigen müssen. „Dadurch merken sie: ‚Ich schaffe das!‘, und das ist für die Wahrnehmung ihrer Selbstwirksamkeit entscheidend. Sie lernen, dass sie auch schwierige Situationen selbst meistern und etwas verändern können“, erklärt er. Das sei in den Augen des Psychologen gerade in Hinblick auf die Kinderfeuerwehr eine große Stärke: „Dieses Selbstbewusstsein spielt später ja eine ganz wichtige Rolle. Bei der Feuerwehr kommt man schließlich oft in brenzlige Situationen.“ Doch nicht nur aus psychologischer Sicht ist das Engagement laut Schmidt für Kinder eine positive Erfahrung. „Ich bin mir sicher, dass es den Kindern auch einfach super viel Spaß macht“, glaubt der Experte. „In den Vereinen sammeln sie tolle Erfahrungen, treffen viele Gleichaltrige und schließen vielleicht neue Freundschaften. Sich zu engagieren, ist in meinen Augen also immer eine tolle Sache. Aber natürlich nur, wenn sich die Kinder in der Gruppe auch insgesamt wohlfühlen.“

Einfluss auf die weitere Entwicklung

Engagiert man sich schon als Kind in Vereinen, wie beispielsweise der Kinderfeuerwehr, könne das laut Schmidt auch einen Einfluss auf das Verhalten als Erwachsener haben. „Wenn Engagement schon im Kindesalter mit positiven Erfahrungen einhergeht, dann erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, das Engagement im Erwachsenenalter beizubehalten“, sagt der Professor.

Gerade bei ehrenamtlichen Tätigkeiten wie der Feuerwehr sei das zu erwarten. „Wenn man etwas von klein auf kennenlernt und es einem dann auch noch Spaß macht, bleibt man eher dabei. Als Erwachsener würde wohl kaum jemand – ohne eine Verbindung dazu zu haben – auf die Idee kommen, auf einmal der Feuerwehr beizutreten“, so Schmidt.

Wenn die Routine wegfällt

Zurzeit können sich viele Vereine, wie auch die Kinderfeuerwehren, wegen der Corona-Pandemie nicht mehr treffen. Was macht das mit den jungen Menschen? „Günstig ist es sicherlich selten, aber eine pauschale Antwort darauf, welche Auswirkungen es hat, die gibt es nicht“, sagt der Psychologe. Es komme entscheidend darauf an, wie das Kind während eines Lockdowns familiär und sozial eingebunden ist und darüber Halt bekäme, erklärt Schmidt. „Das ist immer sehr individuell und von Kind zu Kind unterschiedlich.

Wächst das Kind in einem familiären Umfeld auf, in dem es eine enge Beziehung und Unterstützung in der Familie gibt, kann das Belastungen abpuffern. Auch sind dabei die Möglichkeiten entscheidend, die eine Familie hat. Sind die Beziehungen untereinander problematisch oder können die Eltern aufgrund eigener Belastung in einem Lockdown eine solche Unterstützung nicht leisten, dann können auch die psychischen Folgen der Isolation schwerwiegender sein“, erklärt Schmidt. Kinder und Jugendliche, die aus eher ungünstigen Bedingungen kommen, haben es demnach oft auch während eines Lockdowns schwerer. Aber auch Kinder und Jugendliche, die vor der Pandemie nicht belastet waren, leiden laut Schmidt vermehrt unter sozialen Einschränkungen. Das hätten laut dem Experten mittlerweile sogar einige Studien gezeigt.

Was die Vereine alles leisten

Vereine bieten laut Schmidt Struktur, Gemeinschaftserleben und einen Entwicklungsraum ganz unabhängig vom Elternhaus. Daher sei es wichtig ein Angebot der Vereine so lange wie möglich aufrechtzuhalten, so der Professor. „Vereine können aber auch einiges tun, um einen Lockdown aufzufangen“, sagt er.

„Die Betreuer könnten beispielsweise den Kindern, so lange keine Treffen stattfinden können, kleine Aufgaben geben. Oder man trifft sich virtuell über Videochats“, schlägt der Psychologe vor. „Denn dann erhält man noch mehr den Zusammenhalt und das Gefühl von ‚Wir sind eine Gruppe‘“, sagt er. Videochats beispielsweise funktionieren laut dem Experten allerdings auch nur, wenn alle Kinder auch die Möglichkeit dazu haben. „Auch hier sind wieder diejenigen im Nachteil, deren Familien eh schon weniger Geld haben und sich zum Beispiel keine Laptops leisten können“, gibt Schmidt zu bedenken.

So können Sie den Kinderfeuerwehren helfen

Jeder Euro hilft den Kinderfeuerwehren in Ostfriesland. Wer spenden möchte, kann dies per Überweisung unter dem Stichwort „Kinder-Feuerwehren in Ostfriesland“ tun. Die Bankverbindung lautet: Ein Herz für Ostfriesland gGmbH, IBAN DE98 2859 0075 0011 1112 02, Ostfriesische Volksbank eG

Es kann außerdem via Paypal gespendet werden. Alle Informationen gibt es auch auf der Website von „ Ein Herz für Ostfriesland “.

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