Pandemie
Impfende Apotheker: Verband hofft auf Start im Februar
Die Fresena-Apotheke in Hinte und weitere Betriebe möchten Menschen gegen Corona impfen. Bis zum Jahresende müssen aber noch Fragen geklärt werden und dann könnten weitere Probleme folgen.
Hinte/Norden - Möglichst bald sollen auch Apotheker, Zahn- und Tierärzte Menschen gegen das Corona-Virus impfen dürfen. Ein Beispiel dafür ist die Fresena-Apotheke in Hinte. „Wir stehen in den Startlöchern“, schreibt Andrea Eertmoed auf Nachfrage unserer Zeitung. Derzeit baue man zwar erst einmal die eigene Corona-Teststation aus, die hoffentlich zu Weihnachten den Betrieb aufnehmen kann. Aber auch den dann folgenden Schritt haben sie und ihre Kollegin fest im Blick, wie Eertmoed deutlich macht. Der Gesetzgeber habe bereits das Infektionsschutzgesetz entsprechend angepasst. Die Genehmigung soll bis Ende nächsten Jahres gültig bleiben.
Was und warum
Darum geht es: Möglichst bald sollen auch Apotheken, Zahn- und Tierarztpraxen gegen das Corona-Virus impfen. Der Vorstandsvorsitzende des Landes-Apothekerverbands gibt uns dazu eine Einschätzung.
Vor allem interessant für: Menschen, die sich in den nächsten Wochen eine Corona-Impfung abholen wollen
Deshalb berichten wir: Die Fresena-Apotheke in Hinte hatte uns von ihren Plänen berichtet. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Die Apothekerin zeigt sich auch deswegen zuversichtlich, weil sie im Rahmen des Modellprojekts Grippeschutzimpfung schon eine Schulung der AOK Niedersachsen absolviert hat. Damit wurde ein möglichst niederschwelliges Angebot geschaffen, um die Influenza-Impfquote zu erhöhen – und diese Schulung stelle auch eine gute Ausgangslage für das jetzt geplante Corona-Impfprojekt dar, macht sie deutlich. „Sobald alles zur Abrechnung, Bestellung der Impfstoffe und der Meldeweg für die erfolgten Impfungen steht, werden wir auch mit impfen“, kündigt Eertmoed an. „Wir wollen uns hauptsächlich auf das Boostern mit dem mRNA-Impfstoff von Moderna konzentrieren.“
Wie hoch ist das Interesse in der Branche?
Berend Groeneveld von der Rats-Apotheke aus Norden ist der Vorstandsvorsitzende des Landesapothekerverbands Niedersachsen. Laut ihm handelt es sich bei den Kollegen in Hinte um zwei von landesweit 500 aus 160 Apotheken, die schon gegen die Grippe impfen dürfen. Ob und inwieweit die Qualifikationen, die sie bei den Lehrgängen erlangt haben, auch für die Corona-Impfungen angerechnet werden, müsse aber noch geklärt werden. Bis zum Jahreswechsel sollen die Bundesapotheker- und die Bundesärztekammer noch Fragen zu diesem und weiteren Themen klären, kündigt er an. Von Vorteil sei auf jeden Fall, dass die Grippe-Impfpraxen vermutlich schon die räumlichen Voraussetzungen erfüllen, denn auch die Anti-Influenza-Spritzen dürfe man nicht vor versammelter Kundschaft setzen.
Laut Groeneveld sind Tages- und Wochenendfortbildungen mit Theorie- und Praxisteil für die Grippe-Impf-Qualifikationen angeboten worden. Allerdings sei es derzeit schwierig, wegen der vielen Corona-Fälle größere Schulungen anzubieten. Dazu komme noch, dass Niedersachsen ein Flächenland sei und die Seminarteilnehmer nicht nur für den Unterricht, sondern auch für die Fahrwege Zeit einplanen müssen, die sie eigentlich nicht haben. Schon jetzt, gerade in der kalten Jahreszeit, stünden viele Kollegen an der Grenze der Belastbarkeit oder hätten sie auch schon überschritten. Dazu kämen die anderen Zusatzaufgaben, die mit der Pandemie zu tun haben: das Ausstellen von digitalen Corona-Impfzertifikaten, die Durchführung von Tests und der Verkauf von Masken, Schutzhandschuhen und mehr. Auch stehe noch nicht fest, wie viel für die Betriebe pro Erst-, Zweit- oder Booster-Impfung herausspringen wird.
Wie groß also ist überhaupt das Interesse in der Branche? Laut dem Vorstandsvorsitzenden gibt es eine Umfrage, laut der jede zweite Apotheke mitmachen würde. „Aus Erfahrung nehmen aber immer auch gerade diejenigen an Umfragen teil, die sich für das jeweilige Thema interessieren.“ Darüber hinaus sei noch unklar, wie viel Impfstoff zur Verfügung stehen wird, denn Groenevelds Einschätzung zufolge wird es noch mindestens bis Anfang Februar dauern, bis es in den ersten Apotheken losgehen kann. Derzeit sei es das Ziel der Regierung, bis zum Jahresende 30 Millionen Menschen zu boostern, aber dafür werde auch auf Reserven zurückgegriffen, die eigentlich erst im neuen Jahr angebrochen werden sollten. Nun müsse sich zeigen, ob es dem neuen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) gelinge, rechtzeitig nachzubestellen.