Festzeit

Weihnachten klingt wie bei Mama

Nikola Nording
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Von Nikola Nording
| 19.12.2021 19:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Wie klingt eigentlich Weihnachten? Die traditionellen Weihnachtslieder gehören oft dazu. Foto: bidaya - stock.adobe.com
Wie klingt eigentlich Weihnachten? Die traditionellen Weihnachtslieder gehören oft dazu. Foto: bidaya - stock.adobe.com
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Die Weihnachtszeit ist erfüllt von Musik. Doch auf die Frage, wie klingt Weihnachten eigentlich, wurde gefragte Musikerinnen und Musiker erstmal still. Dann antworteten sie aber sehr rührend.

Landkreis Leer - „Kling Glöckchen, klingelingeling“ Es gibt keine andere Zeit im Jahr, die so voller Musik und Klänge ist, wie die Weihnachtszeit. Für die einen ist erst Weihnachten, wenn sie die drei Paukenschläge zu Beginn des „Weihnachtsoratoriums“ von Johann Sebastian Bach gehört haben. Andere bekommen nur weihnachtliche Gefühle, wenn im Weihnachtsgottesdienst der Zimbelstern zu „Oh du fröhliche“ erklungen ist. Auch soll es Menschen geben, die panische Angst davor haben, „gewhamt“ zu werden – also plötzlich und unerwartet den Weihnachtsklassiker „Last Christmas“ der britischen Popgruppe Wham! zu hören zu bekommen.

Was und warum

Darum geht es: Weihnachten mit allen Sinnen. Doch wie hört sich das Fest eigentlich an? Musikerinnen und Musiker haben geantwortet. Weihnachten klingt für sie noch heute wie in ihrer Kindheit.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich für Musik interessieren oder Weihnachtslieder-Fans sind.

Deshalb berichten wir: Weihnachten steht vor der Tür. Wir lenken den Fokus weg von den Geschenken auf die Sinne.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

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Was und warum

Darum geht es: Weihnachten mit allen Sinnen. Doch wie hört sich das Fest eigentlich an? Musikerinnen und Musiker haben geantwortet. Weihnachten klingt für sie noch heute wie in ihrer Kindheit.

Vor allem interessant für: Menschen, die sich für Musik interessieren oder Weihnachtslieder-Fans sind.

Deshalb berichten wir: Weihnachten steht vor der Tür. Wir lenken den Fokus weg von den Geschenken auf die Sinne.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.nording@zgo.de

Doch wie klingt Weihnachten wirklich? Wir haben Musikerinnen und Musiker aus dem Landkreis Leer danach gefragt. Zunächst wurden alle erst einmal still. Dann hatten die Befragten eigentlich die gleiche Antwort: Weihnachten klingt wie früher zu Hause. Der Klang, der das Gefühl von Besinnlichkeit und Zufriedenheit zu Weihnachten auslöst, wurde bereits in der Kindheit gehört.

Früher mit den Geschwistern und heute wieder: Dorle Lange vom Zollhaus-Chor singt in der Gemeinschaft zu Weihnachten. Foto: Archiv
Früher mit den Geschwistern und heute wieder: Dorle Lange vom Zollhaus-Chor singt in der Gemeinschaft zu Weihnachten. Foto: Archiv

So ist es auch bei Dorle Lange. Sie leitet den Zollhaus-Chor in Leer. „Wir haben früher mit der ganzen Familie um das Klavier herum gestanden und sogar dreistimmig Weihnachtslieder gesungen“, erzählt sie. So klingt noch heute für sie Weihnachten – und die Tradition gibt es ebenfalls noch immer. „In diesem Jahr treffen wir uns wieder – natürlich alle geboostert“, sagt Lange. Dass gerade die Kindheitserinnerungen für Weihnachtsstimmung sorgen, erklärt sie sich mit der Wirkung von Weihnachten auf die Jüngsten. „Bei Kindern dockt diese Zeit, die etwas Magisches hat, ganz anders an als bei Erwachsenen“, sagt sie. Musik spiele dabei eine große Rolle.

Wie bei Mama: Weihnachten ist für Rockmusiker David Kuykendall ganz eng mit dem Lieblingssong seiner Mutter verknüpft. Foto: Nording/Archiv
Wie bei Mama: Weihnachten ist für Rockmusiker David Kuykendall ganz eng mit dem Lieblingssong seiner Mutter verknüpft. Foto: Nording/Archiv

„Egal ob hier oder in meinem Heimatland den USA, wenn ich an Weihnachten denke, höre ich in meinen Kopf immer: ,It’s beginning to look a lot like Christmas‘ von Johnny Matthis, das war die Lieblings-Platte von meine Mutter“, erzählt auch David Kuykendall. Der Brinkumer ist Sänger und Gitarrist bei der Rockband Mothmen. Der Song von der „Johnny Mathis Christmas“-Platte sei immer das Signal gewesen, dass der Weihnachtsrummel losging. „Das hat sich nach all diesen Jahren nie geändert, einfach eine schöne Zeit“, erinnert sich Kuykendall.

Jürgen Brinker ist meist Solokünstler. Weihnachten schlägt sein Herz aber bei Chormusik höher. Foto: privat
Jürgen Brinker ist meist Solokünstler. Weihnachten schlägt sein Herz aber bei Chormusik höher. Foto: privat

So empfindet es auch Jürgen Brinker. Als Erwachsener bedeute Weihnachten Stress und Hektik, doch als Kind sei es gemütlich und besinnlich, die Musik aus dieser Zeit behalte man. Der Singersongwriter spielt heute Rock- und Popmusik, schreibt sogar Songs selbst. Weihnachten hat bei ihm aber einen Klang wie in seiner Kindheit. „Für mich klingt Weihnachten wie ein Chor der ,Oh du fröhliche‘ singt“, sagt er. Früher habe seine Mutter eine Schallplatte von niederländischen Chören gehabt, die Weihnachtslieder singen. Das habe er immer gehört. „Wir hatten auch Weihnachtsplatten von Johnny Cash, aber die Chöre sind hängengeblieben“, sagt er.

Weihnachten für Musiker lukrativ

Heute sind diese Weihnachtsalben nicht wegzudenken. Das ist in den Charts sichtbar. Wie bereits im Vorjahr eroberten Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“ und der Wham!-Klassiker „Last Christmas“ noch vor dem zweiten Advent die Doppelspitze der Single-Hitliste, teilte GfK Entertainment mit. Weihnachts-Songs sind für Popmusiker oft eine lukrative Sache, die meisten versuchen es daher irgendwann mal. Kommerzielles Kalkül, Sentimentalität, religiöse Gründe – was steckt dahinter? „Diese Dinge spielen alle eine Rolle“, sagt Professor Udo Dahmen (70), künstlerischer Direktor und Geschäftsführer der renommierten Popakademie Baden-Württemberg, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Zunächst mal sind ja mit Weihnachten meist positive Dinge verbunden, gar nicht unbedingt nur in christlichen Zusammenhängen. Zum anderen ist es manchmal so, dass man als Musiker für die eigene Fangruppe auch etwas Weihnachtliches veröffentlichen möchte. Oder man will sich damit breiter aufstellen, um Zielgruppen zu erreichen, die man sonst nicht unbedingt erreichen würde.“

Auch Jazz-Musiker orientieren sich an Kindheit

Das beobachtet auch Wilfried Berghaus. Er organisiert in Leer die Konzertreihe „Jazz im Speicher“ und verfolgt die Entwicklung der Jazz-Szene seit Jahrzehnten. „Zu Weihnachten gehören für viele Künstlerinnen und Künstler auch Weihnachtsalben“, sagt er. Das hätten schon Louis Armstrong und Ella Fitzgerald gemacht, und gerade in diesem Jahr sei ein Weihnachtsalbum von Jazz-Trompeter Till Brönner erschienen. Die wenigsten Songs seien neu. „Die Musiker legen Stücke aus ihrer Kindheit neu auf“, sagt er. Ein bisschen Swing, ein Big-Band-Arrangement und die weihnachtliche Stimmung sei da. Nur wenige Musiker würden es ganz neu angehen. „Die Gruppe ,Das Kapital‘ hat ein Album mit neuen Weihnachtslieder-Arrangement veröffentlicht und das nicht zu Weihnachten. Sie wollten zeigen, dass sie diese Lieder lieben“, sagt Berghaus. Dabei sei es ihnen nicht um den Kommerz gegangen. Das höre man den Songs an.

Winfried Dahlke ist Organist. Zur Weihnachten wird bei ihm ganz traditionell gesungen. Foto: Archiv
Winfried Dahlke ist Organist. Zur Weihnachten wird bei ihm ganz traditionell gesungen. Foto: Archiv

Weihnachtsmusik spielen und andere damit berühren, ist auch der Job von Winfried Dahlke. Der Landeskirchenmusikdirektor der evangelisch-reformierten Kirche sitzt oft an der Orgel. Der Zimbelstern an der Orgel gehört für viele Menschen zu Weihnachten dazu, Dahlke selbst denkt aber an etwas ganz anderes an Weihnachten. „Die ursprünglichste Form des Weihnachtsklanges ist das Singen in der Familie“, sagt er. Diese Tradition bewahre er bis heute. Seine Eltern stammten aus unterschiedlichen Regionen und hätten das Liedgut in der Familie zusammengebracht. „Als kleines Kind ist es ein schönes Erlebnis, wenn gesungen wird“, sagt Dahlke.

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