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Neuer Corona-Impfstoff: Wie sicher und wirksam ist Novavax?

Berit Rasche
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Von Berit Rasche
| 20.12.2021 15:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bei „Novavax“ handelt es sich nicht um einen Totimpfstoff im engeren Sinne. Ob er trotzdem Skeptiker zu einer Impfung überzeugen kann, wird sich zeigen. Foto: imago images/ Sven Simon
Bei „Novavax“ handelt es sich nicht um einen Totimpfstoff im engeren Sinne. Ob er trotzdem Skeptiker zu einer Impfung überzeugen kann, wird sich zeigen. Foto: imago images/ Sven Simon
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Die Europäische Arzneimittelbehörde hat den proteinbasierten Impfstoff „Novavax“ freigegeben. Kann das neue Vakzin Impfskeptiker von seiner Sicherheit überzeugen und dabei helfen, die Omikron-Welle zu brechen?

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat einen neuen Impfstoff gegen das Coronavirus freigegeben. Die Zulassung hierfür hatte die amerikanische Firma „Novavax“ im November beantragt. In einer außerordentlichen Sitzung haben die EMA-Experten über die Freigabe beraten, nachdem sie Studien zur Wirkung und Risiken des Vakzins in einem Prüfverfahren bewertet hatten. 

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Nun muss noch die EU-Kommission ihre Zustimmung geben, was allerdings als Formsache gilt. Mit „Nuvaxovid“ wird das fünfte Corona-Vakzin auf dem europäischen Markt erhältlich. Der neue Protein-Impfstoff soll Skeptiker in Deutschland für die Impfung überzeugen. 

Kein Totimpfstoff im engeren Sinn

Entgegen der mittlerweile weit verbreiteten Annahme handelt es sich bei „Novavax“ nicht um einen Totimpfstoff. Das proteinbasierte Vakzin besteht nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts aus virusähnlichen Partikeln, die eine im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins von Sars-CoV-2 enthalten und auf die das Immunsystem mit der Produktion von Antikörpern reagiert. Dahingegen enthält ein Totimpfstoff laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) abgetötete und vermehrungsunfähige Krankheitserreger. 

Dennoch wird „Novavax“ von vielen Menschen, darunter auch Gesundheitsminister Lauterbach, als ein Totimpfstoff gehandelt. „Weil so viele Ungeimpfte nur Totimpfstoff wollen, warum auch immer, wird bald erhältliches Novavax als solcher bezeichnet“, äußerte Lauterbach sich dazu auf Twitter. Das dürfte möglich sein, da laut Robert-Koch-Institut (RKI) auch die Vektor- und mRNA-Impfstoffe mit einem Totimpfstoff „gleichgesetzt werden“ können, weil sie „keine vermehrungsfähigen Viren“ enthalten. 

Wie wirksam ist „Novavax“?

„Novavax“ zeigt sich mit einer Wirksamkeit von 90 Prozent als vielversprechend. Allerdings beziehen sich die bisherigen Studiendaten auf die Alpha-Variante des Virus. Wie die bisher zugelassenen Vektor- und mRNA-Impfstoffe auch, müsse „Novavax“ daher noch für die neue Omikron-Variante angepasst werden, schreibt der Immunologe Carsten Watzl auf Twitter. Auch Lauterbach mahnte am Sonntagabend in der „Bild“-Sendung „Die richtigen Fragen“, das neue Vakzin nicht als einen „Game Changer“ zu verstehen. Ins besondere im Hinblick auf eine Booster-Impfung seien die etablierten mRNA-Impfstoffe, vor allem der vom Hersteller „Moderna“, „eine ganze Spur wirksamer“.

Ist der Impfstoff sicherer als die anderen Corona-Vakzine?

Im Gegensatz zu den Vektor- und mRNA-Impfstoffen ist die bei „Novavax“ angewandte proteinbasierte Technologie bereits seit längere Zeit bekannt. Auf diese Weise werden beispielweise Hepatitis-B- oder Keuchhustenimpfungen hergestellt, erklärt der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth im Deutschlandfunk. 

Auf der anderen Seite existieren zu den Vektor- sowie mRNA-Impfstoffe mittlerweile mehr Studien. Außerdem wurden sie bereits millionenfach verimpft. „Mir ein Rätsel, wo die Sicherheit eines 40k Erfahrung Impfstoff liegen soll, wenn mRNA sofort abgebaut wird und milliardenfach bewährt ist“, schreibt Lauterbach auf Twitter. Dennoch sei es gut, dass es das neue Vakzin gebe und bald Menschen angeboten werden kann, die auf einen Totimpfstoff gewartet haben, wie er in der „Bild“-Sendung sagte. „Wir werden den Impfstoff gerne einsetzen, das ist gar keine Frage“. 

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