Osnabrück

Corona-Expertenrat: Von diesen drei Experten werden Sie noch hören

Laura Nowak
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Von Laura Nowak
| 21.12.2021 16:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Cornelia Betsch ist Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt und Teil des Corona-Expertenrates. Foto: dpa/Martin Schutt
Cornelia Betsch ist Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt und Teil des Corona-Expertenrates. Foto: dpa/Martin Schutt
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Der Corona-Expertenrat unterstützt die Bundesregierung bei Entscheidungen zur Pandemie. Darunter sind auch einige unbekanntere Namen. Wer sind Cornelia Betsch, Johannes Nießen und Reinhard Berner? Drei kurze Porträts.

Sie warnen vor der Ausbreitung der Omikron-Variante und befürworten Kontaktbeschränkungen: Der Corona-Expertenrat berät die Bundesregierung in der Pandemie. Insgesamt 19 Experten gehören dem Gremium an. Neben bekannten Virologen wie Christian Drosten und dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler sind andere eher in Fachkreisen bekannt. Das sind drei von ihnen.

Reinhard Berner ist Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Dresden. Er ist auf Infektionskrankheiten und rheumatische Krankheiten bei Kindern spezialisiert. Außerdem arbeitet er seit 2012 als Professor für Pädiatrie an der Technischen Universität Dresden. Berner forscht unter anderem zu lebensbedrohlichen bakteriellen Infektionen bei Neugeborenen.

Berner: Skeptisch gegenüber einer Impfpflicht

Vor seinem Wechsel nach Dresden arbeitete er von 1991 bis 2010 am Universitätsklinikum Freiburg, zuletzt unter anderem als stellvertretender Ärztlicher Direktor des Zentrums für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (ZKJ) und Leiter der dortigen Pädiatrischen Infektiologie, Immunologie und Vakzinologie.

Einer Impfpflicht steht er skeptisch gegenüber, sagte er im Interview mit „ZDF heute“ Mitte Dezember: „Ich persönlich bin nicht für eine Impfpflicht, weil ich glaube, es muss alles ausgeschöpft werden an Möglichkeiten einer erfolgreichen Impfkampagne.“ Dazu gehöre, dass der Impfstoff zur Verfügung stehen müsse, und es niedrigschwellige Impfangebote gebe. Zweifelnde müssten überzeugt werden, dass die Impfung nicht nur sie, sondern auch andere schütze. Eine Impfpflicht würde dagegen die Polarisierung in der Gesellschaft verstärken.

Expertin für Gesundheitskommunikation

Berner führte zudem eine Studie zur Verbreitung des Coronavirus in sächsischen Schulen durch. In einem Gastbeitrag mit fünf weiteren Kollegen in der „Zeit“ warnte er, dass Schulschließungen nur als letztes Mittel der Pandemiebekämpfung genutzt werden sollten. Es sei nicht sinnvoll, jede Infektion in Schulen um jeden Preis verhindern zu wollen.

Die Psychologin Cornelia Betsch ist ebenfalls Teil des Corona-Expertenrats. Seit 2017 lehrt sie als Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt, den Studiengang hat sie mitgegründet. Betsch forscht unter anderem zu sozialen Aspekten bei Gesundheitsentscheidungen und untersucht den Zusammenhang von Psychologie und Infektionskontrolle. Außerdem leitet sie seit November am Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin die Abteilung für Gesundheitskommunikation. Betsch beschäftigt sich besonders mit dem Thema Impfen und Impfgegner.

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Betsch: „Impfen muss einfach sein“

Ein aktuelles Projekt von Betsch ist das „Covid-19 Snapshot Monitoring“ (COSMO). Sie leitet die Studie, in der die Bevölkerung seit der Pandemie zu ihrem Verhalten, ihrem Wissen über das Coronavirus und dem Vertrauen in die Politik befragt wird. Zu den aktuellen COSMO-Ergebnissen schreibt sie auf der Onlineplattform Twitter: „Impfen muss einfach sein.“ Dennoch würden den Ergebnissen nach 50 Prozent der Befragten Impfen und Boostern nicht als einfach empfinden. Betsch fordert, dass Impfungen zu den Menschen kommen: „Niederschwellig, aufsuchend: immer noch gebraucht.“ Die Psychologin hat außerdem mit zwei weiteren Autoren den Ratgeber „Fakten-Check Impfen“ verfasst, in dem sie über Falschinformationen zu Impfungen aufklärt.

Auch Johannes Nießen berät die Bundesregierung in der Pandemie. Seit über 30 Jahren leitet der Allgemeinmediziner bereits Gesundheitsämter. Seit 2019 ist er der Chef des Gesundheitsamts der Stadt Köln.

Nießen: „Nur geboostert vor schwerer Erkrankung gut geschützt“

Während seiner beruflichen Laufbahn kümmerte er sich in den 1980er-Jahren um die Versorgung von Aidskranken, später war er beim Amtsärztlichen Dienst des Gesundheitsamtes Bonn tätig. Danach leitete er das Gesundheitsamt Hamburg-Altona. Dort koordinierte er unter anderem 2015 die medizinische Versorgung aller geflüchteten Menschen in Hamburg.

Schon im Februar 2020 mussten Nießen und die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Köln sich mit der Pandemie auseinandersetzen, als das Coronavirus vom Kreis Heinsberg auf die Stadt überzugreifen drohte. Nießen ist außerdem der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdiensts.

Als das Kölner Gesundheitsamt die ersten Omikron-Fälle registrierte, warnte Nießen eindringlich vor der Variante. Er sprach sich in einer Pressemitteilung der Stadt Köln nachdrücklich für Booster-Impfungen aus: „Nur geboostert ist man vor einer schweren Erkrankung gut geschützt.“

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