Berlin

Mehr Geld für E-Auto-Fahrer – Spaltung und Neid gibt es gratis dazu

Mark Otten
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Von Mark Otten
| 26.12.2021 16:40 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Liste der Vorzüge für E-Auto-Fahrer wird länger: Zu den Zuschüssen beim Kauf eine E-Autos, steuerlichen Vergünstigungen und gesonderten Parkplätze kommt ab 2022 eine jährlich Einnahme dazu. Foto: Bernd Thissen/dpa
Die Liste der Vorzüge für E-Auto-Fahrer wird länger: Zu den Zuschüssen beim Kauf eine E-Autos, steuerlichen Vergünstigungen und gesonderten Parkplätze kommt ab 2022 eine jährlich Einnahme dazu. Foto: Bernd Thissen/dpa
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Wer ein E-Auto hat oder kauft, kann damit ab 2022 jährlich Geld verdienen – dank der THG-Quote. Wer sich so ein Auto nicht leisten kann, geht leer aus. Dazu ein Kommentar.

Es sind gute Zeiten für diejenigen, die sich ein E-Auto leisten können. Sie bekommen nicht nur bis zu 9.000 Euro als einmalige Kaufprämie, Steuervergünstigungen und gesonderte Parkplätze, sondern ab 2022 auch noch jedes Jahr Geld für ihren Wagen. Aktuell winken bis zu 370 Euro, wenn ein Stromer in der Auffahrt steht. Das entspricht dem Großteil der Kosten für eine Vollkaskoversicherung.

Das Zauberwort heißt THG-Quote

Möglich macht das die Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote), von der bald auch Privatleute profitieren können. Die Idee dahinter ist eigentlich gut, denn sie zwingt die Mineralölgesellschaften, mehr auf CO2-arme Kraftstoffe zu setzen. Wer die Quote nicht schafft, muss Strafen zahlen oder über Verschmutzungsrechte andere dafür bezahlen, dass sie CO2 einsparen - wie nun die E-Auto-Fahrer.

Bringt die THG-Quote wirklich mehr Umweltschutz?

Doch der tatsächliche Nutzen für die Umwelt ist zweifelhaft. Denn es spielt keine Rolle, wie der Strom erzeugt wurde oder ob das Auto überhaupt geladen wird. Im schlimmsten Fall kommt die Energie aus einem Kohlekraftwerk, das E-Auto wird als Zweitwagen nur wenig genutzt oder die Mineralölkonzerne haben sich über die THG-Quote das Recht erkauft, mehr fossile Kraftstoffe zu verkaufen. 

Interessant und inkonsequent ist, dass Fahrer von Plug-In-Hybridautos keinen Anspruch auf Geld aus der THG-Quote haben - dafür sind die Verbrenner mit zusätzlichem E-Motor offensichtlich nicht umweltschonend genug. Das passt nicht so recht zu der Regelung der Innovationsprämie, nach denen es weiterhin bis zu 6.750 Euro Steuergeld für den Kauf eines Plug-In-Hybriden dazu gibt. 

Alle ohne E-Auto gucken in die Röhre

Doch da ist auch eine gesellschaftliche Ebene, die die Politik womöglich unterschätzt. Denn die erneute finanzielle Besserstellung von E-Auto-Fahrern kann besonders in Zeiten hoher Kraftstoffpreise zu zunehmendem Neid und Spaltung führen. In der Regierung sollte sich niemand wundern, wenn die Maßnahme für mehr Umweltschutz eher als Klientelpolitik für Besserverdiener ausgelegt wird.

Weiterlesen: So pannenanfällig sind E-Autos im Vergleich zu Verbrennern

Stimmen Sie ab: Was halten Sie von der THG-Quote für E-Auto-Fahrer?

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