Fußball
Nach dem Krieg: Länderspiel-Premiere in Emden
Im Dezember 1950 gab es das erste Nachkriegsduell zwischen einem holländischen und einem deutschen Team. Spannend waren auch die Erlebnisse von Eintracht Völlen beim Gastspiel in Siddeburen.
Ostfriesland - Es war kurz nach dem Krieg sicherlich nicht die glücklichste Entscheidung des Mäzens von Eintracht Völlen, seiner Mannschaft schwarze Trikots zu spendieren. Zumindest beim ersten Nachkriegsgastspiel 1952 in den Niederlanden weckten Braun oder Schwarz böse Erinnerungen an die Nazizeit. „Da mussten sich die Spieler von einigen Besuchern herbe Sprüche anhören. Aber das haben sie über sich ergehen lassen“, weiß Völlens Vereinshistoriker Andreas Schipper. Viel wichtiger war, dass Friesen und Ostfriesen auf dem Spielfeld eine Basis für Frieden und Freundschaft schufen.
Diese Mission war damals in vollem Gange. Vor 71 Jahren – am 10. Dezember 1950 – wurde in Emden ein historisches Fußballspiel ausgetragen. Die Ostfriesen-Zeitung schrieb gar von der „internationalen Bedeutung des ersten Fußballtreffens einer holländischen und einer deutschen Stadt nach dem Krieg“.
Empfang in Emden für Thos Beerta
Nie war wohl ein Resultat so nebensächlich und der Beitrag zur Völkerverständigung so bedeutsam wie beim „Länderspiel“ zwischen Stern Emden und Thos Beerta. Bereits am Vormittag gab es für Thos Beerta einen Empfang im Emder Hotel „Deutscher Kaiser“, bei dem der niederländische Konsul Wessels ebenso vertreten war wie der Emder Oberbürgermeister Hans Susemihl. „Susemihl betonte die enge Zusammengehörigkeit Ostfrieslands mit den Westfriesen jenseits der Grenze“, heißt es im Zeitungsartikel.
Auch der holländische Konsul kam im Bericht zu Wort: „Wessels wies darauf hin, dass die Sportler die durch den 2. Weltkrieg errichteten Schranken niedergerissen und auf dem Sportfeld neue Brücken zwischen den Völkern errichtet hätten.“ Kultursenator Rink aus Emden sprach schließlich auf Plattdeutsch zu den Gästen.
Beerta spielte in Emden „ritterlich“
Nach reichlich Pathos wurde am Nachmittag einfach Fußball gespielt. Stern Emden gewann „nach einem in vorbildlichem Sportsgeist verlaufenen Spiel“ mit 6:4. Im OZ-Bericht wurden nicht nur die vier Tore von Stern-Stürmer Labiske gepriesen, sondern auch „die ritterliche Spielweise von Thos Beerta“.
Nach diesen 90 Minuten war der Bann gebrochen. Ostfriesen und Holländer trafen sich immer häufiger zum sportlichen Vergleich. Ob TV Bunde, TuS Weener, Stern Völlenerfehn oder eben Eintracht Völlen – sie alle verrichteten Friedensdienste am Ball.
Gärtner initiierte Völlener Gastspiel
Die schwarzen Trikots der eigentlich Grün-Weiß gekleideten Völlener waren 1952 nicht mehr als eine unrühmliche Randnotiz. Die Partie in Siddeburen hatte übrigens Völlens Vorstandsmitglied Otto Kruse sen. eingefädelt. „Als Gärtner pflegte er berufliche Beziehungen zum Nachbarland“, erzählt Andreas Schipper.
Heute lebt von der Eintracht-Elf aus dem Jahr 1952 keiner mehr. Schipper hat aber vor Jahren mit Völlener Protagonisten wie Alfred Freesemann, Fritz Weichers, Wessel Veenhuis oder Theo Kock gesprochen. Sie alle schwärmten von der Fahrt nach Siddeburen.
Schmuggel auf der Rücktour
„Die Mannschaft fuhr damals schon mit dem Bus“, weiß Schipper. Auch den Ablauf der Begegnung hat er in Erfahrung gebracht. „Zunächst haben die Mannschaften im Gasthof gemeinsam zu Mittag gegessen.“ Nach dem Fußballduell am Nachmittag, das die Niederländer mit 5:1 gewannen, folgte die Geselligkeit. „Es wurde gefeiert, getanzt und musiziert.“ Die Nacht verbrachte jeder Völlener Sportler bei der Familie seines Gegenspielers. Am nächsten Tag traten die Westoverledinger die Rückreise an – mit schwereren Taschen als auf der Hintour. „Der Schmuggel war in der Zeit an der Tagesordnung“, sagt Andreas Schipper. Das habe ihm einst Eintracht-Spieler Fritz Weichers verraten. „Zigaretten, Kaffee und Butter waren besonders begehrt.“ So war die Tour in vielerlei Hinsicht als lohnenswert zu bezeichnen. Bereits einen Monat später folgte das Rückspiel. Es endete 1:1.
So schnell wie die deutsch-niederländischen Fußballbesuche in jenen Jahren an Beliebtheit gewannen, verschwanden sie irgendwann wieder aus dem Sportkalender. Die Zeiten wurden besser und das Verhältnis zwischen den Ländern normaler.
Die ersten Begegnungen bleiben aber unvergessen. Denn nie waren Freundschaftsspiele so wertvoll wie die Nachkriegstreffen zwischen den Ostfriesen und den Friesen jenseits der Grenze.