Verkehr

Baken versperrten Blitz-Gerät: Stadt Emden erstattet Anzeige

Heiko Müller
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Von Heiko Müller
| 27.12.2021 18:03 Uhr | 4 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So sah es am 2. Weihnachtstag an der Trogstrecke in Emden aus: Unbekannte hatten Warnbaken vor das mobile Blitzgerät gestellt. Foto: F. Doden
So sah es am 2. Weihnachtstag an der Trogstrecke in Emden aus: Unbekannte hatten Warnbaken vor das mobile Blitzgerät gestellt. Foto: F. Doden
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Unbekannte stellten an der Trogstrecke in Emden ein mobiles Blitz-Gerät mit Warnbaken von der Baustelle zu und verhinderten so Messungen des Tempos. Andernorts hatte man eine originellere Idee.

Emden - Die Stadt Emden versteht offenbar keinen Spaß, wenn die Funktion von Blitzern an ihren Straßen massiv eingeschränkt wird. Nach eigenen Angaben hat sie Anzeige erstattet, nachdem Unbekannte den derzeit in der Trogstrecke aufgestellten mobilen Blitzer-Anhänger mit Warnbaken aus der Baustelle zugestellt und so Geschwindigkeitsmessungen verhindert hatten. „Das stellt zumindest eine Ordnungswidrigkeit dar“, urteilte Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage dieser Zeitung.

Was und warum

Darum geht es: Wie Unbekannte in Emden ein mobiles Blitz-Gerät „ausschalteten“ und welche Folgen das hat.

Vor allem interessant für: Autofahrerinnen und Autofahrer in Emden und diejenigen, die sich für die Verkehrsführung in Emden interessieren.

Deshalb berichten wir: Der Fall sorgt in Emden für Gesprächsstoff. Wir haben deshalb nachgefragt, welche Konsequenzen er hat und ob so etwas häufiger vorkommt.

Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de

Die Stadt hatte den Blitzer, der auf einem Autoaufhänger installiert ist und ohne den Einsatz von Personal das Tempo von Kraftfahrzeugen erfasst, vor einer Woche an der Trogstrecke aufstellen lassen. Dieses Gerät wird zurzeit getestet, ist aber „scharf“ geschaltet. Die Testphase soll in gut vier Wochen enden.

Stadt will Gerät künftig sichern

Entschieden ist zwar noch nichts, aber vieles deutet darauf hin, dass die Stadt sich eine solche Anlage für variable Einsätze anschaffen will. Für diesen Fall denkt der zuständige Fachdienst über Maßnahmen nach, die Anlage zu sichern, damit solche Vorfälle wie jetzt an den Feiertagen oder andere Manipulationen nicht vorkommen können. Solche „Sicherungsmaßnahmen“ gebe es auch, schrieb Dinkela. Details nannte er nicht.

Ebenso wenig äußerte sich der Sprecher auf Nachfrage dazu, wie viele Temposünder auf der Trogstrecke bereits erfasst wurden und wie lange das Gerät dort noch stehen wird. Solche Aussagen würden „öffentlich nicht kommuniziert“ werden.

Gerät soll Verkehrssicherheit dienen

Das „semistationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage“, so heißt das Gerät etwas sperrig im Amtsdeutsch, steht seit einer Woche an der Trogstrecke. Dieser Abschnitt der Emder Südumgehung, einer wichtigen Achse in den Emder Hafen und in die Industriegebiete, wird gegenwärtig saniert. Er war lange Zeit für den Verkehr gesperrt und Ende November vorübergehend wieder für den Verkehr freigegeben worden.

Die Stadt stationierte das Test-Gerät an dieser Straße, weil Kraftfahrzeuge dort aus Sicherheitsgründen nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen. Zulässig ist nur Tempo 10, weil die Fahrbahndecke noch fehlt und die Straßenabläufe aus dem Betonboden herausragen. Deshalb, und weil bei günstigen Witterungsbedingungen weiter gebaut werde, sei der Bereich der Baustelle mit besonderer Vorsicht zu befahren, so die Stadt. Die Überwachung der Geschwindigkeit diene der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer, so der Stadtsprecher.

Polizei kennt weitere Vorfälle

Nach Angaben der Polizeiinspektion Leer/Emden kommt es „hin und wieder“ vor, dass Unbekannte mit selbst gemalten Schildern vor Blitzern am Straßenrand warnen. Polizeisprecherin Svenia Temmen kann sich an einen Fall in Rhauderfehn erinnern, bei dem die Urheber ein Pappschild mit der Aufschrift „Achtung Blitzer!“ in der Nähe eines Messgerätes aufstellten und mit Steinen befestigten. Weil das Schild im Straßenraum aufgestellt worden sei und es ein Hindernis für den Verkehr dargestellt habe, sei in diesem Fall der Straftatbestand des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr erfüllt gewesen.

Kreativ waren Unbekannte in der Eifel: Sie dekorierten ein Blitz-Gerät in der Gemeinde Hürtgenwald zu einem Weihnachtsmann-Schlitten mit Rentieren um. Foto: Kreis Düren
Kreativ waren Unbekannte in der Eifel: Sie dekorierten ein Blitz-Gerät in der Gemeinde Hürtgenwald zu einem Weihnachtsmann-Schlitten mit Rentieren um. Foto: Kreis Düren

Wie der jüngste Fall in Emden mit den Warnbaken zu bewerten ist, kann laut Temmen ohne Weiteres nicht beurteilt werden. Die Stadt müsste nämlich zunächst prüfen, inwieweit durch das Versetzen der Warnbaken der Verkehr gefährdet oder behindert worden ist. Es handele sich aber vermutlich eher um eine Ordnungswidrigkeit, so die Polizeisprecherin. Die Höhe des Bußgeldes dafür reiche von fünf bis 35 Euro.

Blitzer als Weihnachtsmann-Schlitten

Origineller und kreativer als die jüngste Aktion in Emden war die Idee, die Unbekannte wenige Tage vor Weihnachten in der Eifel hatten. Sie hatten ein mobiles Blitz-Gerät an einer Straße in der Gemeinde Hürtgenwald (Kreis Düren) in einen Weihnachtsmann-Schlitten mitsamt Rentieren verwandelt. Der Weihnachtsmann saß oben auf dem Radar-Gerät, davor standen zwei Kunst-Rentiere – verbunden war beides mit einem Zügel. Dem Blitz-Gerät kam sozusagen die Rolle des Schlittens zu.

Der Kreis Düren nahm die Aktion gelassen. Eine Anzeige wurde nicht gestellt. Mitarbeiter des Straßenverkehrsamt hatten den Weihnachtsmann einige Zentimeter zur Seite gerückt, so dass weiter gemessen werden konnte.

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