Silvester
Böllern auf den Inseln: Was dieses Jahr nicht geht
Die Ostfriesischen Inseln liegen im Nationalpark Wattenmeer, in einem Schutzgebiet also. Feuerwerk wird hier deswegen nicht gern gesehen. Geböllert wurde oft trotzdem. Bis die Pandemie kam.
Ostfriesland - Auf den Inseln hat die wieder aufgeflammte Pandemie eine Nebenwirkung, die bei vielen gut ankommt: „Alle sind froh, dass die Böllerei eingedämmt wird“, sagt etwa Baltrums Bürgermeister Harm Olchers (parteilos). Auch für seine Insel gilt dieses Jahr eine Allgemeinverfügung des Landkreises Aurich, die das Abbrennen von Feuerwerk an bestimmten öffentlichen Orten verbietet; auf Baltrum sind das die Strandpromenade, Nord- und Südstrand, der Hafenbereich sowie die beiden Aussichtsdünen.
Was und warum
Darum geht es: An Silvester bleibt es auf den Inseln still.
Vor allem interessant für: Insulaner, Tier- und Umweltschützer
Deshalb berichten wir: Auf den Inseln wird durch die Coronaregeln weniger geböllert. Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de
Zur Begründung heißt es bei der Kreisverwaltung, dass es beim Abbrennen von Pyrotechnik gewöhnlich zu Ansammlungen von Menschen komme. Und das gelte es angesichts der Ausbreitungsdynamik des Corona-Virus zu verhindern. Auch für Norderney hat die Kreisverwaltung örtlich sehr konkrete Feuerwerks-Verbote verhängt, unter anderem in allen Fußgängerzonen und entlang der gesamten Strandpromenade.
Baltrum
„Ich finde das ganz gut“, sagt der Baltrumer Bürgermeister Harm Olchers (parteilos). Üblicherweise treffe man sich auf der Insel in der Silvesternacht an der Strandpromenade, um das neue Jahr zu begrüßen – auch mit Feuerwerk. Dieses Jahr soll das nun erneut nicht stattfinden; ebenso wenig wie im vergangenen Jahr, als der Landkreis das wegen der Corona-Pandemie auch schon verbot.
Ganz sicher sei es besser für die Tiere, wenn weniger geböllert werde, meint Baltrums Bürgermeister. Ganz abgesehen davon, dass die Gemeinde auch nicht hinterher wieder alles aufräumen müsse. Feuerwerksverpackungen, leere Flaschen – die wenigsten nehmen ihren Müll in der Silvesternacht wieder mit. Olchers räumt aber auch ein: Ein generelles Feuerwerksverbot für die Insel gibt es nicht, privat dürfe geböllert werden. Zwar habe es mal Bestrebungen gegeben, das einzudämmen – umgesetzt worden sei das aber nicht. „Wer soll das kontrollieren?“, fragt der Bürgermeister.
Borkum
Auch Borkums Rathauschef Jürgen Akkermann (parteilos) hält nicht viel von Feuerwerk auf seiner Insel. „Wir sind ja im Weltnaturerbe Wattenmeer, das passt nicht zusammen“, sagt er. Außerdem wolle Borkum bis 2030 emissionsfrei sein – auch das vertrage sich nicht mit dem Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Ein generelles Verbot aus dem Rathaus werde es dennoch nicht geben, sagt Akkermann.
Man setzt vielmehr darauf, dass Insulaner und Gäste sich ruhig verhalten. Im vergangenen Jahr habe es bereits die Bitte gegeben, auf der Promenade nicht zu böllern, sagt Akkermann. Und die Leute hätten sich auch weitgehend dran gehalten. Der Landkreis Leer, zu dem die Insel gehört, will anders als der Kreis Aurich keine neue eigene Allgemeinverfügung erlassen. Die niedersächsische Verordnung zur Weihnachts- und Neujahrsruhe decke alles ab, heißt es aus dem Kreishaus in Leer. Die niedersächsische Landesverordnung sieht vor, dass vom 31.12.2021 bis 1.1.2022 das Abbrennen von Feuerwerksartikeln auf belebten öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen sowie auf belebten öffentlich zugänglichen Flächen untersagt ist. Die kommunen können das konkreter fassen, wenn sie möchten.
Spiekeroog
„Die Nordseebad Spiekeroog GmbH sowie die Kulturstiftung Spiekeroog befürworten ein böllerfreies Silvester“, heißt es auf Anfrage von der Insel. Dort wünscht man sich seit Jahren einen ruhigen und stillen Jahreswechsel und wirbt auch damit bei den Gästen. Tatsächlich hat man auf Spiekeroog sogar schon mal versucht, das Böllern strikt zu verbieten, auch auf privatem Gelände – erfolglos. Zum Schluss entschied das Oberverwaltungsgericht in Lüneburg 2018, dass die Gemeinde ein solches Verbot gar nicht erlassen könne.
Dennoch setzten Gemeinde und Touristiker auch dieses Jahr auf ein möglichst ruhiges Silvester. Mit Alternativprogramm: Eine Illumination zwischen 21 Uhr und 1 Uhr früh soll für festliche Stimmung sorgen. Mehr als 120 Akku-betriebene LED-Scheinwerfer werden dazu auf der Insel installiert und verschiedene Orte und Gebäude beleuchten. „Da wir inmitten des Nationalparks liegen, wurde in der Vergangenheit schon sehr wenig geknallt“, schreibt Spiekeroogs Bürgermeister Patrick Kösters (parteilos) auf Nachfrage. Durch die strengeren Coronaregeln über den Jahreswechsel und das Verkaufsverbot für Silvesterfeuerwerk gehe er sogar von einer noch geringeren Knallerei aus.
Der Nationalpark
Im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist Feuerwerk grundsätzlich verboten, schreibt die Nationalparkverwaltung auf ihrer Internetseite. Begründung: Für Natur und Tiere sei das oft mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden. Allerdings bezieht sich dieses Verbot eben nur auf die Fläche des Nationalparks. Und die Inseln liegen zwar mittendrin, die Inselorte selbst sind aber ausgenommen.
Heißt: Auf den Straßen eines Inselortes oder auch im privaten Garten kann unter Berücksichtigung von Sicherheitsvorkehrungen geböllert werden; wenn die Behörden keine anderen Regeln erlassen. Doch wie, fragt eine Sprecherin der Nationalparkverwaltung in Wilhelmshaven, will man sicherstellen, dass die Rakete nicht in den Nationalpark hineinfliegt? Und überhaupt: Der Krach sei dort ja auch zu hören und störe die Tiere. Man appelliere an die Vernunft der Leute, sich auch im direkten Umfeld des Nationalparks ruhig zu verhalten.