Jahreswechsel
Silvester wird wieder leiser: Von Profis, Märkten und Wintergästen
Für die einen sind Raketen und Böller an Silvester ein Muss, für die anderen ein Ärgernis. Für alle gilt: Der Jahreswechsel wird weitgehend böllerfrei, er muss aber trotzdem nicht trist sein.
Ostfriesland - Seit Beginn dieses Monats ist es amtlich: Silvester wird wieder leiser, Böller, Raketen und Feuerwerksbatterien dürfen zum Jahreswechsel nicht verkauft werden. Auch wer schon welche hat, muss an bestimmten Plätzen in vielen Städten und Gemeinden in Ostfriesland darauf verzichten. Das haben die Kommunen festgelegt, unter anderem auch Emden.
Was und warum
Darum geht es: Das Verkaufsverbot für Böller und Raketen hat viele Facetten.
Vor allem interessant für: Alle, die Silvester-Rituale mögen oder nicht mögen
Deshalb berichten wir: Der Jahreswechsel steht bevor. Wir haben Stimmen von einem Profi, von Händlern und von Naturschützern zu Silvester gesammelt, das wieder weitgehend böllerfrei wird. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Generell wird aber vom Raketen-Zünden abgeraten, um die Kliniken in der Pandemie nicht mit noch mehr Verletzten zu überlasten. Zudem wird befürchtet, dass es im Gedränge zu mehr Corona-Infektionen kommen könnte. Die Reaktionen sind gemischt: Während unter anderem Tier- und Umweltschützer sich freuen, fällt damit für andere eine geliebte Silvestertradition aus.
Was macht der Profi-Feuerwerker?
Auch bei Patrick Betten in Suurhusen (Gemeinde Hinte) bleibt es an Silvester still. Dabei hätte er alle Möglichkeiten, den Himmel über dem Dorf hell zu erleuchten. Denn der 30-Jährige ist Profi: Er ist staatlich geprüfter Feuerwerker und hat Anfang dieses Jahres ein eigenes Gewerbe angemeldet. Sein Ein-Mann-Unternehmen, das der VW-Beschäftigte nebenberuflich betreibt, firmiert unter dem Namen North Coast Fireworks.
Theoretisch dürfte Betten seinen Nebenberuf auch zum Jahreswechsel privat ausüben. „Doch bei uns werden keine Raketen und Böller angezündet“, sagt er. Das gebiete schon die Fairness gegenüber denjenigen, die es auch gerne täten, aber nicht können. Auch von Kollegen habe er gehört, dass sie ganz auf funkelnde Lichter und laute Böller an Silvester verzichten wollten. „Die haben angesichts großer Umsatzeinbußen während der Pandemie ganz andere Sorgen“, so der Suurhuser. Sein eigenes Geschäft sei in diesem Jahr eher schleppend angelaufen: „Ich hatte hin und wieder Aufträge und Anfragen, aber es kann immer mehr sein.“
Die Alternativen zum klassischen Feuerwerk
Als Alternativen zum klassischen Feuerwerk nennt der Profi Schreckschuss- und Signalwaffen mit Leuchtmunition, die für Erwachsene ab 18 Jahren frei und ohne Waffenerlaubnis verkäuflich seien. Von Käufen nicht zugelassener Böller aus dem Ausland rät der Fachmann dringend ab. „Die sind viel zu gefährlich.“
Wer es gediegener und nicht so laut mag, greift zu Produkten der Feuerwerks-Kategorie F1. Dazu gehören unter anderem Tischfeuerwerk, Knallbonbons und Wunderkerzen, die auch in geschlossenen Räumen verwendet werden können. Sie dürfen das ganze Jahr von Leuten im Alter ab zwölf Jahren benutzt werden.
Gute Beziehungen zu Lieferanten
Das Angebot an solchen Artikeln ist aber in den Supermärkten und Discountern in diesem Jahr offenbar geringer als zu Zeiten vor Corona. „Wir haben das jugendfreie Feuerwerk diesmal gar nicht im Sortiment“, sagt beispielsweise Christian Brahms, Chef des Multi-Marktes im Emder Einkaufszentrum Doc.
Reichlich eingedeckt mit Neuware der Klasse F 1 haben sich hingegen die Hawo-Märkte in Aurich, Moordorf, Rhauderfehn und Weener. „Wir haben etwa 80 verschiedene Produkte im Angebot“, sagt Geschäftsführer Matthias Hainke. Möglich gemacht hätten das gute Beziehungen zu Lieferanten in Hamburg und die 30-jährige Erfahrung des Unternehmens mit dem Verkauf von Feuerwerk.
Knallerbsen waren schnell ausverkauft
Das Unternehmen mit Sitz in Aurich verzeichnet nach eigenen Angaben seit Tagen eine große Nachfrage nach solchen Artikeln. „Die Telefone klingeln pausenlos und Nachfragen kommen auch über Facebook oder per E-Mail“, berichtet Hainke. Die bei Kindern beliebten Knallerbsen seien schon am Dienstag ausverkauft gewesen, obwohl größere Mengen davon vorrätig waren. Die klingenden Kassen freuen den Geschäftsführer, zumal das Verkaufsverbot von Böllern und Raketen „ein Riesenloch“ in den Umsatz reiße. „Das tut schon weh“, sagt Hainke.
Ein kostenloses und nachhaltiges Lichterspektakel empfiehlt die Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer: Denn bei klarer Sicht entfalte sich abseits größerer Siedlungsbereiche über dem Wattenmeer ein faszinierender Sternenhimmel. Nicht umsonst sei unter anderem die ostfriesische Insel Spiekeroog unlängst als erste Sterneninsel Deutschlands ausgezeichnet worden. Für die Silvesternacht gebe es laut Experten „besonders gute Aussichten“, weil der Himmel zwei Tage vor Neumond besonders dunkel sei, heißt es in einer Mitteilung der Nationalparkverwaltung.
Zugvögel profitieren vom Böllerverbot
Von dem Verzicht auf Böller und Raketen und einen dunklen Himmel ohne Lichtverschmutzung profitierten auch die Zugvögel. Denn für die Tiere sei der Sternenhimmel – neben ihrem Magnetsinn – eine wichtige Orientierungsquelle. „Die Abertausende Gänse, Enten, Wat- und Singvögel, die im Wattenmeer überwintern, brauchten jetzt bei Kälte und und knappen Nahrungsreserven besonders viel Ruhe“, so Imke Zwoch, Sprecherin der Nationalparkverwaltung.
Studien belegten, dass Feuerwerk erhebliche und teilweise auch lebensbedrohliche Auswirkungen auf die Tiere haben. Oftmals kämen die Tiere danach tagelang nicht zur Ruhe und nehmen keine Nahrung zu sich. Auch direkte stressbedingte Todesfolgen seien festgestellt worden.