Unglücke
Osterhuser steht nach Brand praktisch vor dem Nichts
Für Mario van den Berg endet das Jahr tragisch. Sein Hab und Gut wird in einer Doppelhaushälfte in Osterhusen ein Raub der Flammen, während der 51-Jährige gerade eine Seniorin betreut.
Osterhusen - Zum Jahreswechsel steht Mario van den Berg praktisch vor dem Nichts. Bei dem Brand in der Doppelhaushälfte, die er an der Suurhuser Straße in Osterhusen (Gemeinde Hinte) als Mieter bewohnt, hat er am Mittwochabend fast alles verloren. „Mein ganzes Leben ist verbrannt“, sagt der 51-Jährige am Tag nach dem Unglück. Die komplette Kleidung, Erinnerungsstücke, Bargeld, Möbel und die Medikamente für seinen kranken Hund „Snoopy“ – alles weg. Während er das Unglück schildert, fließen Tränen. Der Schock sitzt auch mehr als 15 Stunden später immer noch tief. Er sei nur froh, dass er und sein 13 Jahre alter Hund mit dem Leben davon gekommen seien.
Was und warum
Darum geht es: Bei dem Brand in einer Doppelhaushälfte in Osterhusen hat ein 51-jähriger viel verloren, während er eine Nachbarin betreute.
Vor allem interessant für: alle, die sich für menschliche Schicksale interessieren
Deshalb berichten wir: Die Feuerwehr hatte uns den Brand gemeldet. Wir haben am Tag nach dem Unglück mit dem Bewohner gesprochen und von ihm die Ereignisse am Mittwochabend schildern lassen. Den Autor erreichen Sie unter: h.mueller@zgo.de
Van den Berg muss an diesem Mittwoch selbst mit ansehen, wie sein Hab und Gut ein Raub der Flammen wird. Als das Feuer gegen 19 Uhr ausbricht, halten er und sein Hund, der immer an seiner Seite ist, sich in dem benachbarten Gulfhof einer 85 Jahre alten und kranken Frau auf. Dort verbringt der Alleinstehende oft die meiste Zeit des Tages. Seit Monaten hilft er der Seniorin, ihren Alltag bewältigen zu können. „Das ist eigentlich mein Hauptjob“, sagt der gebürtige Emder, der vor 14 Jahren in das Doppelhaus in Osterhusen zog.
Nachbarin verständigt den Bewohner
Außerdem trägt er Zeitungen aus und verdient sich damit seinen Lebensunterhalt. Er arbeitet unter anderem für die ZVO Zeitungsvertrieb Ostfriesland GmbH. Sie gehört zur Zeitungsgruppe Ostfriesland, die unter anderem die Ostfriesen-Zeitung herausgibt. Eine ZVO-Mitarbeiterin beschreibt van den Berg als ein „Goldstück“. Er sei „absolut zuverlässig“ und stets einsatzbereit.
Davon, dass sein Haus brennt, erfährt van den Berg über einen Anruf von der Nachbarin, die in der anderen Hälfte des Doppelhauses wohnt. Sie selbst sei von einer Frau alarmiert worden, die das Feuer wohl als erste bemerkte, sagt van den Berg. Er selbst habe sich zuvor im Hof der 85-Jährigen, die er betreut, etwas hingelegt, weil er zurzeit erkältet sei und sich nicht gut gefühlt habe. Als der 51-Jährige Minuten später vor seinem Haus steht, ist schon alles zu spät. Besonders tragisch: Vor dem Brand hatte er gerade mit Renovierungsarbeiten im Haus begonnen.
Feuerwehr greift schnell ein
Die Feuerwehr ist schnell vor Ort, denn das Gebäude liegt nur wenige Meter entfernt vom Feuerwehrhaus. Durch das rasche Eingreifen gelingt es den Einsatzkräften, das Feuer auf das Wohnzimmer zu begrenzen. Dieser Raum brennt komplett aus. „Wir konnten das alte Gebäude gerade noch retten“, sagt der Osterhuser Ortsbrandmeister Torsten Klaassen. Das Feuer hätte sich in dem älteren Gebäude mit einer Holzbalkenlage nämlich schnell ausbreiten können.
Klaassen leitet den Einsatz der mehr als 100 Feuerwehrleute, die aus der ganzen Gemeinde zusammengezogen werden. Wegen der zunächst unklaren Lage sind die Ortsfeuerwehren aus Osterhusen, Hinte, Loppersum, Suurhusen und Groß Midlum alarmiert worden. Die Feuerwehr Norden schickt einen Einsatzleitwagen des Landkreises Aurich zum Brandort.
Großes Lob für die Einsatzkräfte
Helferinnen und Helfer aus den Ortsvereinen Hinte und Loppersum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kümmern sich um den Bewohner, der laut des Feuerwehrsprechers wohl unter Schock steht. Am Tag danach lobt van den Berg die Betreuung durch die Feuerwehr und das Rote Kreuz in den höchsten Tönen: „Die waren wirklich super“, sagt er.
In sein Haus kann der 51-Jährige vorerst nicht zurück. Die Nacht nach dem Feuer verbringt er im Hotel Novum in Hinte. Das hat die Feuerwehr in Abstimmung mit Hintes Bürgermeister Uwe Redenius vermittelt. In dem Hotel bleibt van den Berg zunächst bis zum 6. Januar. Danach wird er voraussichtlich eine andere Unterkunft in Hinte beziehen können und dort solange bleiben, bis die Doppelhaushälfte in Osterhusen saniert ist. Laut Polizei liegen die Schäden ersten Schätzungen zufolge im fünfstelligen Bereich.
Wie das Feuer entstanden ist, bleibt zunächst unklar. Auch van den Berg hat keine Erklärung dafür. „Das kann alles gewesen sein“, sagt er. Für den 51-Jährigen ist das aber jetzt erst einmal nebensächlich. Er muss zunächst viele Dinge regeln, um quasi von vorne beginnen zu können. Den ersten Tag nach dem Brand nutzt er zunächst, um sich in der Kleiderkammer des DRK Sachen zum Wechseln zu besorgen.