Unglücke

Osterhusen: Nach dem Feuer kommen die Diebe

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 05.01.2022 19:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zahlreiche Einsatzkräfte waren bei dem Feuer vor Ort. Foto: Feuerwehr
Zahlreiche Einsatzkräfte waren bei dem Feuer vor Ort. Foto: Feuerwehr
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Nachdem Mario van den Berg sein Zuhause verlor, hat ihm seine Kirchengemeinde nun eine Unterkunft beschafft. Der Osterhuser ärgert sich jedoch über Diebe, die seine Notlage ausnutzten. Ein Einzelfall?

Osterhusen/Aurich - Eine Woche ist es jetzt her, dass Mario van den Berg sein Zuhause bei einem Feuer verloren hat. „Der Schock ist noch immer da“, sagt der Osterhuser, den die Gemeinde Hinte zusammen mit seinem schwerkranken Hund „Snoopy“ vorübergehend im Hotel Novum einquartiert hat. An diesem Mittwoch sollten die Gutachter kommen, denn noch immer stehe die Brandursache nicht fest, heißt es. Auch müsse sich zeigen, inwieweit seine Versicherung für den Schaden aufkomme, der bislang nur grob auf einen fünfstelligen Euro-Betrag taxiert worden ist. Der Zeitungsbote blickt mit Sorge in die Zukunft, dankt aber auch seinen Mitmenschen für deren bisherige Hilfsbereitschaft. Gleichzeitig verbirgt er nicht seine Ärger über diejenigen, die ihm böse mitspielen.

Was und warum

Darum geht es: Ein Osterhuser hat sein Hab und Gut verloren. Am Mittwoch standen nun wichtige Untersuchungen an.

Vor allem interessant für: Leser, die sich für Schicksalsschläge ihrer Mitmenschen interessieren

Deshalb berichten wir: Es ist eine Woche seit dem Feuer vergangen. Wir wollten wissen, wie es mit dem Hausbewohner und seinem Hund geht.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Damit meint der 51-Jährige vor allem die Diebe, die seine Notlage ausnutzten und auf dem Grundstück plünderten. Es seien sogar eine oder mehrere Personen in der teilweise ausgebrannten Doppelhaushälfte gewesen und nun fehlten ihm zumindest einige Habseligkeiten. Münzen und eine Kamera, beispielsweise. Aufgefallen war es ihm, als er noch einmal in sein Haus zurückgekehrt war, nachdem die Polizei die Beschlagnahmung aufgehoben hatte. Die Polizei beschlagnahmt grundsätzlich erst einmal jedes Haus, in dem es gebrannt hat. So soll den Gutachtern ein möglichst unverfälschtes Bild ermöglicht und Plüderungen verhindert werden. Auch van den Berg habe erst einmal einen Bogen um das ganze Grundstück gemacht, andere jedoch offenbar nicht.

Polizei warnt vor Siegelbruch

Wiebke Baden, die Sprecherin des zuständigen Polizeiinspektion Aurich/Wittmund, warnt davor, polizeiliche Siegel zu zerstören. „Man betritt dadurch einen Tatort und eine Straftat wegen Siegelbruchs steht im Raum.“ Dazu komme noch die Lebensgefahr, da Teile der Gebäude einstürzen können und Hausbewohner nähmen bei Bränden oftmals gleich die Wertsachen mit. Was dann noch übrig bleibe, sei wegen des Feuer, des Rauchs und des Löschwasser in der Regel unbrauchbar. Badens Aufzeichnungen zufolge handelt es sich hier daher auch um einen Einzelfall. Das heiße aber nicht, dass es keine Dunkelziffer gebe, denn gleichzeitig seien Häuser nach Bränden oft schlechter abgesichert, Türen aufgebrochen und Fenster zerborsten. So oder so empfiehlt die Sprecherin daher den Brandopfern, dass sie ihre Nachbarn darum bitten, ein Auge aufzuhalten und verdächtige Personen auf den verlassenen Grundstücken der Polizei zu melden.

Der 51-Jährige Mario van den Berg hat bei dem Brand in der Doppelhaushälfte viel verloren. Foto: F. Doden
Der 51-Jährige Mario van den Berg hat bei dem Brand in der Doppelhaushälfte viel verloren. Foto: F. Doden

Während sich van den Berg über die Einbrecher ärgert, ist er denjenigen umso dankbarer, die ihm bislang geholfen haben. Allen voran seiner Baptistengemeinde in Emden, die ihm in der Stadt ein Apartment zur Verfügung stelle, in das er nun erst einmal umziehen will. Die Kirchenmitglieder seien mit ihm auch schon Kleidung einkaufen gegangen. Die Tierarzt-Gemeinschaftspraxis Trei/Gosselaar aus Canum habe ihm zudem neue Medikamente für seinen 13 Jahre alten Hund vorbeigebracht, nachdem die alten bei dem Brand verloren gingen. „Und das, obwohl die eigentlich gerade Betriebsurlaub haben.“

Feuer-Trauma seit der Kindheit

Aber auch seine Nachbarin in der anderen Doppelhaushälfte und weitere Mitmenschen, darunter von ihm belieferte Leser unserer Zeitung, haben schon Hilfe organisiert beziehungsweise angefragt. „Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich.“ Van den Berg bittet sie aber darum, sich am Besten bei der Emder Baptistengemeinde zu melden.

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Die habe eine bessere Übersicht als er alleine, erklärt der Osterhuser, der sich immer noch nicht erklären kann, wie es zu dem Feuer kam. Anders als in den sozialen Medien spekuliert werde, habe er keinen Adventskranz brennen lassen. Ganz im Gegenteil. Nach einem Kindheitstrauma habe er „extremen Respekt“ vor Feuer und bevor er das Haus verlasse, überprüfe er auch jedes Mal, ob noch irgendwo Ladegeräte in den Steckdosen hängen.

Nun hofft van den Berg darauf, möglichst schnell wieder in seine Mietwohnung zurückziehen zu können. Davor steht aber erst einmal eine umfangreiche Sanierung an: das Wohnzimmer und der Flur seien „total ausgebrannt“ – inklusive des Stromkastens. Bis alles wieder fertig ist, müssen er und sein Hund wohl noch eine ganze Weile warten, befürchtet van der Berg. „Snoopy“ weiche zum Glück nicht von seiner Seite, gerade in diesen Tagen. „Er merkt, dass es mir schlecht geht.“