Infrastruktur

Anleger für Groß Midlum: Alter Wunsch kommt wieder auf

Michael Hillebrand
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Von Michael Hillebrand
| 07.01.2022 14:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Hier ist die Stelle im Süden von Groß Midlum zu sehen, wo sich Wassersportler eine Anlegestelle wünschen würden. Foto: Wagenaar
Hier ist die Stelle im Süden von Groß Midlum zu sehen, wo sich Wassersportler eine Anlegestelle wünschen würden. Foto: Wagenaar
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Schon vor 25 Jahren sei über einen öffentlichen Bootsanleger für Groß Midlum gesprochen wurden, sagt Hinrich Busker. Nun belebt er die Idee wieder und findet Anklang. Was wäre dafür aber nötig?

Groß Midlum - In Emden ins Boot einsteigen, über das Larrelter oder das Hinter Tief bis zum Knockster Tief fahren, auf das Midlumer Tief abbiegen und im Süden von Groß Midlum anlegen und eine Pause machen. Das ist ein Beispiel für eine Route, die sich Wassersportfans in der Gemeinde Hinte schon lange wünschen, weiß Hinrich Busker aus Groß Midlum. Schon vor 25 Jahren sei daher überlegt worden, eine öffentliche Anlegestelle in seinem Wohnort zu errichten. „Viele Wassersportler sagten damals, dass sie daran mitwirken wollen“, so Busker. Die Pläne dafür scheiterten jedoch letztendlich, erinnert sich der ehemalige -Kommunalpolitiker, der jahrzehntelang für die SPD im Gemeinderat und im Auricher Kreistag saß. Vor knapp einem Jahr ist die Gemeinde allerdings ins Dorfentwicklungsprogramm (DEP) des Landes Niedersachsen aufgenommen worden. Ein guter Zeitpunkt, um an die alte Idee zu erinnern, findet Busker.

Was und warum

Darum geht es: Es sollen neue Fördermöglichkeiten genutzt werden, damit Groß Midlum einen eigenen Anleger erhält.

Vor allem interessant für: Wassersportler in Ostfriesland

Deshalb berichten wir: Als unsere Zeitung für einen Teil der Serie „Unser Hinte“ in Groß Midlum zu Besuch war, erinnerte Hinrich Busker an die Idee.

Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de

Dank des DEP fließt nämlich zusätzliches Fördergeld nach Hinte, was es ansonsten nicht geben würde. Die Möglichkeiten, es einzusetzen, sind vielseitig, sofern sie der Zukunft der Dörfer dienen und sie attraktiver machen. Dazu kommt noch, dass der Bund ein neues und millionenschweres Förderprogramm für den Wassertourismus aufgelegt hat, aus dem auch viel Geld nach Ostfriesland fließen soll. Eine offenbar gute Ausgangslage. Natürlich müsse aber alles erst rechtlich abgeklärt werden und man müsse schauen, ob bei den Wassersportlern nach wie vor Interesse bestehe, so der 72-Jährige. Wer damals genau die Idee eingebracht hatte, das wisse er nicht mehr. Dafür kennt er noch den Standort, wo der Mini-Hafen entstehen sollte: am südlichsten Punkt des Dorfes, an der Landesstraße, wo auch das Midlumer Tief endet.

Team Wassersport: „Nicht nur an Bootjefahrer denken“

„Die Idee finde ich sehr interessant“, schreibt Gemeindebürgermeister Uwe Redenius (parteilos) auf Nachfrage. Tatsächlich könnte das ein Thema für die Dorfentwicklungsplanung werden. „Und wenn dann die Resonanz bei den Groß-Midlumern da ist – warum nicht?, meint der Rathaus-Chef“ Es sei das erste Mal, dass er von dieser Idee gehört habe. André Grünebast ist sie hingegen bereits bekannt. Er ist nicht nur Vorsitzender des Wassersportvereins Dre Deep Loppersum, sondern auch der für die Gemeinde zuständige Ansprechpartner des Teams Wassersport Ostfriesland. Das ist eine Gemeinschaftsinitiative der ostfriesischen Wassersportvereine und vertritt nach eigenen Angaben mehr als 3100 Mitglieder.

Das X markiert den Standort, um den es geht. Grafik: Fischer / Kreativgruppe
Das X markiert den Standort, um den es geht. Grafik: Fischer / Kreativgruppe

Grünebast betont, dass sich der Anleger nicht nur an Bootjefahrer richten sollte. Es gelte, geeignete Angebote für möglichst alle Wassersportler zu schaffen, also beispielsweise auch für Kanuten, Segler und Paddler. Nur so könne man Ostfriesland touristisch attraktiver machen. Was die Kosten für einen Steg angehe, könnten diese stark schwanken. Ganz einfache gebe es schon für 100 Euro, aber nach oben gehe es „bis ins Unermessliche“. Man müsse sich zudem an die Auflagen halten, die der Erste Entwässerungsverband Emden für Bootsstege vorgebe. Grünebast verweist auf bestimmte Breiten und Längen, Schilder sowie Mindestwasserstände, die vorgeschrieben seien. Auch müsse man sich im Klaren darüber sein, ob man einen Anleger oder eine Slipanlage haben wolle, über die Boote vom Land ins Wasser befördert werden können. Die ziehe auch Tagesgäste an, die sich vielleicht nicht so gut mit der Befahrensordnung auf den Entwässerungskanälen auskennen und womöglich dagegen verstoßen, so der Sprecher.

Grünebast wünscht sich aber nicht nur eine neue Infrastruktur für den Wassersport in Ostfriesland, sondern fordert auch, dass die vorhandene besser genutzt und ausgebaut wird. Schon jetzt gebe hier es ein „Riesen-Netzwerk“ an Wasserstraßen und jeder Anleger „kann nur Vorteile mit sich bringen“, ist er sich sicher. So gebe es auch innerhalb der Gemeinde Hinte schon jetzt Anlegestellen beim Wandertrupp in Loppersum sowie beim Wassersportverein Fresena und beim Rathaus in Hinte. Je mehr gute Infrastruktur vorhanden sei und je mehr die Wege genutzt und ausgebaut werden, desto besser werde wohl auch die Befahrbarkeit werden. Derzeit kämpfe man mancherorts noch mit den Untiefen und mit Brücken, die nicht hoch genug seien. Auch müsse es bessere Betriebszeiten auf dem Ems-Jade-Kanal und bessere Schleusenzeiten geben.

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