Kultur

Für die eigene Spielstätte vom Theater- zum „Bauverein“

| | 09.01.2022 14:11 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Mitglieder der Niederdeutschen Bühne packen für ihre Heimspielstätte kräftig mit an. Hier zusehen sind Bühnenleiter Christian Behrends (rechts) und Vorstandsmitglied Ludwig Büsing (links). Fotos: Homes
Die Mitglieder der Niederdeutschen Bühne packen für ihre Heimspielstätte kräftig mit an. Hier zusehen sind Bühnenleiter Christian Behrends (rechts) und Vorstandsmitglied Ludwig Büsing (links). Fotos: Homes
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Seit anderthalb Jahren werkelt die Niederdeutschen Bühne Wiesmoor schon für ihr eigenes Theater. Die Arbeiten schreiten trotz Corona voran. Aus 50 Vorschlägen wurde zudem ein Domizil-Name ausgesucht.

Wiesmoor - Demontierte Waschbecken hier, Entlüftungsrohre in verschiedenen Größen da. Überall stehen Eimer, Kartons und Leitern herum: Noch sieht es im Gebäude an der Hauptstraße 237 gegenüber des Stadiongeländes sehr nach Baustelle aus. Doch die eigene Spielstätte der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor nimmt Formen an. Die Bühne ist deutlich zu erkennen, Sanitäranlagen sind vereinzelt fertig. Der Hallencharakter in der einstigen Druckerei sollte spätestens verschwinden, wenn in wenigen Monaten das bisher halb fertig angebrachte Be- und Entlüftungssystem durch eine Hängedecke versteckt sein wird.

Was und warum

Darum geht es: Wiesmoor erhält mit einer Theaterbühne in einer ehemaligen Druckerei eine neue Kulturstätte. Die Pandemie begünstigt und erschwert die Bauarbeiten zugleich.

Vor allem interessant für: Kulturbegeisterte

Deshalb berichten wir: Ein Dreivierteljahr ist es her, dass wir über die Theaterbauarbeiten der Niederdeutschen Bühne berichtet hatten. Zeit also, um sich vor Ort einen Blick vom aktuellen Stand zu machen.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.homes@zgo.de

„Wir sind mit dem bisherigen Verlauf der Bauarbeiten in Anbetracht der Umstände zufrieden“, sagt Christian Behrends, Leiter der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor. Die einst angepeilte Fertigstellung im Frühjahr diesen Jahres wird allerdings nichts. „Wir hoffen nun auf eine Eröffnung Ende 2022“, sagt Behrends. Aufgrund der Corona-Pandemie kann der Theaterverein, der bis auf die Estrich- und Fliesenarbeiten alles in Eigenarbeit macht, seit Baubeginn im Sommer 2020 maximal in Kleingruppen, teils sogar gar nicht tätig sein. Den Bau unter der Aufsicht von Alfred Alberts, der Vorstandsmitglied bei der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor ist, verzögern zudem Lieferschwierigkeiten und steigende Kosten bei Baumaterialien. „Teils haben wir bewusst Baumaterialien noch nicht angeschafft - einfach weil sie zu teuer waren. Wir sind ein ehrenamtlicher Verein und müssen genau auf das Preisliche schauen“, sagt Vorstandsmitglied Ludwig Büsing.

Bau hält Mitglieder zusammen

Eine niedrige sechsstellige Summe nimmt die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor für ihr lang ersehntes Domizil in die Hand, finanziert durch jahrelange Rücklagen - hauptsächlich von Einnahmen für Aufführungen auf der Freilichtbühne. Seitens des Niedersächsischen Kultusministerium gibt es einen Zuschuss von 35.000 Euro, die Stadt Wiesmoor steuerte 6000 Euro für die Baumaßnahmen dazu. „Wir begrüßen sehr, dass Wiesmoor eine neue Kulturstätte und einen weiteren Anlaufpunkt bekommt“, sagt der stellvertretende Bürgermeister Jens Brooksiek. Er spricht sogar von einem neuen „Kulturhöhepunkt“, der entsteht.

Knapp 50 Quadratmeter groß ist die Bühne. Derzeit wird in der ehemaligen Druckereihalle unter anderem die Be- und Entlüftungsanlage angebracht.
Knapp 50 Quadratmeter groß ist die Bühne. Derzeit wird in der ehemaligen Druckereihalle unter anderem die Be- und Entlüftungsanlage angebracht.

Bisher hat die Niederdeutsche Bühne Wiesmoor ihre Stücke im Forum der KGS Wiesmoor aufgeführt, zusätzlich gab es alle paar Jahre Freiluftaufführungen. Letztmals auf der Bühne standen die Wiesmoorer Amateurschauspieler vor 22 Monaten. „Solch eine lange Pause hat es in der mehr als 60-jährigen Geschichte des Vereins nicht gegeben“, sagt der Vorsitzende Christian Behrends. Bisher habe der rund 115 Mitglieder starke Vereine - aktiv davon sind etwa 50 - noch kein Mitglieder verloren. Mitgrund dafür könnte das vereinseigene Bauprojekt sein. „Jeder kann mitanpacken. Ohne Auftritte können wir uns voll auf die Arbeiten für unser neues Domizil konzentrieren“, sagt Behrends. So ist die Niederdeutsche Bühne derzeit eher ein „Bauverein“ statt ein Theaterverein.

Lieber mehr Auftritte statt kleiner Bühne

„Wir wissen genau, wofür wir das Ganze machen“, sagt Ludwig Büsing. „Durch eine eigene Spielstätte sind wir viel flexibler aufgestellt, können proben, wann wir wollen und können Requisiten auch mal länger stehen lassen.“ Bisher war die Niederdeutsche Bühne immer an feste Zeiten im KGS-Forum gebunden. Dort konnte der Verein seine Stücke allerdings vor 140 Besuchern aufführen, die eigene Spielstätte wird künftig dagegen nur 90 Zuschauern Platz bieten. „Wir haben uns bewusst für eine große Bühne und weniger Zuschauerplätze entschieden. Bei einer kleinen Bühne wird es sonst schwierig, wenn man mal Szenen mit zehn oder mehr Personen hat“, sagt Ludwig Büsing. „Statt auf Spielfläche zu verzichten, treten wir lieber ein paar Mal öfter auf.“

Neuerdings steht auch der Name für die Spielstätte fest: „Theaterstuuv“, was Plattdeutsch ist und so viel heißt wie Theaterstube. Nach einem Aufruf hatte die Niederdeutsche Bühne 50 Namensvorschläge erhalten. „Die meisten waren aber einfach zu lang“, sagt Christian Behrends. Zu dem neuen Domizil der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor gehört neben dem Theater an sich auch eine Cafeteria im vorderen Gebäudeteil.

2018 hatte der Verein die Haushälfte sowie die angrenzende Halle gekauft. Die andere Haushälfte, die als Vereinsheim und Lagerraum genutzt werden soll, erwarb die Niederdeutsche Bühne im vergangenen Jahr. Ein Domizil mit eigener Bühne in dieser Größenordnung besitzt laut der Niederdeutschen Bühne Wiesmoor in Ostfriesland lediglich ein weiterer Theaterverein: die Friesenbühne Emden mit dem „Lüttje Huus“.

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