Stadtentwicklung
So läuft es bei der Emder Apollo-Mission
Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Emden Investoren um das denkmalgeschützte Apollo-Gebäude buhlen lassen. Danach war es still geworden. Was wird aus der geplanten Mission zur Wiederbelebung der Immobilie?
Emden - Udo Fuhrmann beschwichtigt und wähnt die Apollo-Mission in Emden auf dem richtigen Kurs: „Wir sind im Arbeitsmodus“, sagt der Emder Geschäftsmann. Er ist Teil einer Investorengruppe, die einer der emotional besetztesten Immobilien in der Stadt zu neuer Blüte verhelfen soll: das ehemalige Apollo-Theater. In den vergangenen Monaten ist es – zumindest öffentlich – still geworden um das zentral gelegene Millionenprojekt, von dem Strahlkraft für das Zentrum ausgehen soll.
Was und warum
Darum geht es: die Nutzung eines denkmalgeschützten Bauwerks in Emden, das politisch umstritten und für viele Menschen emotional sehr bedeutsam ist
Vor allem interessant für: die vielen früheren Besucher des Apollo sowie diejenigen, die wissen wollen, was dort an zentraler Stelle in Emden geschieht
Deshalb berichten wir: Seit dem Sommer ist öffentlich nichts Neues zur angekündigten Nachnutzung und Wiederbelebung gesagt worden. Wir haben bei den Investoren nachgehakt und gefragt, was aus den Ideen geworden ist. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Wer sich mit Fuhrmann unterhält, um einen Einblick in die Pläne und offensichtlich langwierigen Verhandlungen zu bekommen, braucht Geduld. Vor allem muss er oder sie auf die Zwischentöne achten. Erst im Laufe des Gesprächs lässt sich etwas besser raushören, welche Hürden es für eine schnelle Umsetzung der Investorenwünsche gibt.
Der Bieterwettbewerb
Rückblende: Im vergangenen Jahr hatten der Emder Rat und die Stadtverwaltung für das Apollo und die Alte Waage – eine weitere bedeutsame Innenstadt-Immobilie – einen Wettbewerb entschieden. Aufgefordert worden waren Investoren. Sie sollten sich mit Angeboten um die Gebäude bemühen. Im Fall des Apollo fiel die Wahl auf die Gruppe, zu der neben Udo Fuhrmann auch der Emder Speditionsunternehmer Jakob Weets zählt.
Sie setzten sich gegen drei weitere Bieter durch. Den Zuschlag erhielten Fuhrmann und Co. unter anderem für die Idee, im Hauptgebäude das „Teeater“, eine Kombination aus Teehaus und Kleinkunstbühne im großen Saal des ehemaligen Kinos umzusetzen. Zudem stellen sich die Investoren eine Art luftige Lounge in einem neuen Dachgeschoss. Dafür soll das Gebäude wieder vierstöckig werden. So viele Geschlosse hatte es ursprünglich. Der hintere Teil der Immobilie soll für barrierefreie und seniorengerechte Wohnungen vorgesehen sein. Die Pläne beinhalten ferner eine Wohngemeinschaft für Menschen mit und ohne Teilhabebeschränkung. Fuhrmann versichert: „Es ist kein Rendite-Investionsobjekt, sondern ein Projekt für Emden.“ Er sagt: „Wir machen es schick und schön.“
Der Haken
Die Sache hat allerdings einen Haken: Das Gebäude, das die Stadt einst nach heftigen Diskussionen und auf Drängen der SPD gekauft hatte, für das sie jedoch nie ein tragfähiges eigenes Konzept entwickeln konnte, ist denkmalgeschützt. Was auch immer die Investoren vorhaben: Es geht nicht ohne Zustimmung der Denkmalschutzbehörde. Und von dort ist hinter vorgehaltener Hand zu hören, dass die Verhandlungen zäh seien. Wie es heißt, prallen die wirtschaftlichen Interessen der Investoren auf die Vorstellungen der Bewahrer.
Udo Fuhrmann bezeichnet die Treffen zwischen den Denkmalschützern, den Investoren und Mitarbeitern der Baubehörde als „sehr konstruktiv“. Allerdings kosten sie offenbar einige Nerven – auch bei ihm: „Es frisst einfach nur viel Zeit.“
Das Ziel der Mission
Fakt ist: Ohne Einigung gibt es keine Genehmigung – und ohne Genehmigung keinen Verkauf. So lange die drei Verhandlungsparteien keinen Konsens finden, bleibt das Apollo im Besitz der Stadt, und so lange können die Investoren dort ihre Pläne nicht verwirklichen. Die Apollo-Mission läuft also noch. Aber wann das Ziel erreicht wird, lässt sich im Moment nicht sagen.
In diesem Punkt lässt sich jedenfalls niemand in die Karten gucken. Auf konkrete Nachfrage bei der Stadt klingt das dann so: „Bei den beiden Projekten Waage und Apollo sind wir derzeit in einem sehr positiven Abstimmungsprozess, Details dazu können wir zu diesem Zeitpunkt nicht mitteilen. Wir werden aber natürlich die Politik und die Öffentlichkeit schnellstmöglich informieren, sobald es möglich ist.“