Politik
Leeraner Bürgermeister Horst: „Diese Stadt hat eine immense Kraft“
Seit zehn Wochen ist Claus-Peter Horst der Chef im Leeraner Rathaus. Auch wenn er mehr und größere Baustellen vorgefunden hat, als erwartet, bereut er seine Kandidatur nicht.
Leer - Rund zehn Wochen ist Claus-Peter Horst (parteilos) jetzt Leeraner Bürgermeister. Zeit, um ein wenig Bilanz zu ziehen. Dazu haben wir ihm drei – zugegeben ziemlich provokante – Formulierungen in den Mund gelegt.
Was und warum
Darum geht es: Claus-Peter Horst hat nach seinem Amtsantritt mehr und größere Baustellen vorgefunden als erwartet.
Vor allem interessant für: Politikinteressierte
Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, welchen Eindruck Bürgermeister Claus-Peter Horst nach zehn Wochen von seinem neuen Amt hat. Die Autorin erreichen Sie unter: k.mielcarek@zgo.de
„Hätte ich gewusst, was mich erwartet, hätte ich niemals kandidiert.“
„Es stimmt ja nicht, dass ich nicht gewusst habe, was mich erwartet. Immerhin habe ich zunächst als Mitarbeiter der Stadtverwaltung und dann als Vorstand der Stadtwerke über 20 Jahre für die Stadt gearbeitet und bin insofern mit vielen Themen und Abläufen vertraut. Allerdings konnte ich naturgemäß nicht in die Akten im Rathaus schauen. Jetzt, wo ich einen tieferen Einblick bekomme, verwundert mich schon einiges. Ich entdecke an Stellen Probleme, wo ich sie nie vermutet hätte. Insofern gibt es neben der normalen Verwaltungsarbeit noch einiges darüber hinaus zu tun.
Ich habe mir bewusst bis Weihnachten erst einmal die Zeit genommen, um mir anzuschauen, wie die Abläufe im Rathaus bis dahin waren. Die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr habe ich genutzt, zu planen, wo die Strukturen verändert werden müssen, damit es in den kommenden fünf Jahren optimierter und effizienter läuft, als das derzeit der Fall ist. Arbeitsprozesse, Zielvorgaben, Personalgespräche ... das betrifft ganz viele, unterschiedliche Bereiche, die wir nun nach und nach angehen werden. Aber ich kann Ihnen sagen, es macht mir unglaublich viel Spaß!“
„Zuallererst geht es mir darum, Frieden in Stadtverwaltung und Rat zu haben.“
„Genau! Es ist mir enorm wichtig, zu einem neuen Miteinander zu kommen. Der dauernde Zwist aus den vergangenen Jahren hemmt jede Entwicklung. Im Moment spüre ich ein großes Vertrauen zwischen Politik, Verwaltung und Bürgermeister und ich will alles tun, dass es dabei bleibt. Ich wünsche mir einen offenen Dialog auf Augenhöhe und keine Spielchen mit Nicht- oder Falschinformationen. Dass es dabei trotzdem politischen Streit geben kann, ist logisch. Aber dann bitte auf der Sach- und nicht auf der persönlichen Ebene.
Ich sehe grundsätzlich meine Aufgabe nicht darin, meine eigene Meinung zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Die OZ hatte ja schon nach meiner Haltung zur Haushaltssicherungskommission und auch zu den Kundgebungen der Gegner der Corona-Einschränkungen gefragt. Meine Aufgabe ist in Sachen Haushaltssicherungskommission, die Beschlüsse der Politik umzusetzen. Die Politik wünscht sich diese Arbeitsgruppe, rechtlich ist sie möglich und damit ist das für mich bindend. Und bei den Spaziergängern verlangt das Gesetz, dass wir Kundgebungen unabhängig von ihrem Inhalt möglich machen. Das heißt nicht, dass ich keine eigene Meinung habe. Die werde ich sicher auch sagen, wenn ich das für wichtig halte.“
„Ohne Ersten Stadtrat und Stadtbaurat und bei einer Verschuldung, die auf 100 Millionen Euro zuläuft, sind mir erst einmal die Hände gebunden.“
„In den ersten beiden Monaten habe ich tatsächlich für drei Wahlbeamte gearbeitet, weil die Stelle des Stadtbaurats noch nicht besetzt werden konnte und der Erste Stadtrat Detlef Holz lange ausgefallen war. Umso glücklicher bin ich, dass Herr Holz jetzt wieder da ist. Ich bin auch optimistisch, dass wir bald auch einen guten Stadtbaurat finden werden. Der Baubereich ist zu wichtig, um nebenbei bearbeitet zu werden. In den vergangenen Wochen sind zahlreiche Ideen und Bauabsichten an mich herangetragen worden. Das zeigt mir, dass diese Stadt eine immense Kraft hat. Aber deshalb brauchen wir jetzt einen fähigen Stadtbaurat, der dieses Potenzial ausschöpfen kann.
Was die Verschuldung angeht: Im Moment können wir tatsächlich allenfalls da Löcher stopfen, wo es gerade brennt. Wir sind nicht in der Situation, dass wir selber gestalten können. Da müssen wir aber wieder hinkommen. Das sehe ich tatsächlich als meine Hauptaufgabe und dazu habe ich auch einige Ideen. Das hatte ich ja in meinem Wahlkampf schon angekündigt. Ein Instrument kann der Schulterschluss mit dem Landkreis sein, mein Kontakt zu Herrn Landrat Matthias Groote ist wirklich gut. Aber um mich darauf konzentrieren zu können, müsste ich in meiner Verwaltung den Rücken frei haben. Deshalb freue ich mich darauf, wenn in Zukunft Erster Stadtrat und Stadtbaurat an meiner Seite stehen werden.“