Stadtleben

Bäckerei zu: Kein Futter mehr für Bücherfreunde

Nora Kraft
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Von Nora Kraft
| 10.01.2022 15:52 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Weiterhin können sich die Auricher im Einkaufszentrum Caro an einem öffentlichen Bücherregal bedienen. Foto: Kraft
Weiterhin können sich die Auricher im Einkaufszentrum Caro an einem öffentlichen Bücherregal bedienen. Foto: Kraft
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Mit der Schließung von Ubbos Backhuus in der Osterstraße verschwindet ein öffentlicher Bücherschrank aus der Auricher Fußgängerzone. Was mit den Büchern passiert, ist unklar.

Aurich - Nicht nur mit Brötchen, Kuchen oder Brot, auch mit Büchern konnten sich die Auricher bis vor Kurzem an der Ecke Osterstraße/Rathauspassage versorgen. Seit der Schließung des dortigen Ladenlokals der Bäckerei Ubbos Backhuus fällt ein öffentlicher Bücherschrank in der Einkaufsstraße weg, der Kunden und Passanten in der Bäckerei frei zugänglich war.

Was und warum

Darum geht es: In der Bäckerei Ubbos Backhuus in der Osterstraße stand ein öffentliches Bücherregal. Mit der Schließung der Filiale gibt es dort nun keine Möglichkeit mehr, Bücher zu leihen.

Vor allem interessant für: Auricher, die das Angebot der öffentlichen Bücherschränke nutzen und alle, die an ehrenamtlichen Engagement interessiert sind.

Deshalb berichten wir: Eine OZ-Leserin fragte sich, was nun mit dem Bücherregal der Filiale passiert.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.kraft@zgo.de

Der Begriff der öffentlichen Bücherschränke steht für ein einfaches Prinzip: Hat man ein Buch zu Hause, an dem man nicht länger interessiert ist, stellt man es in einen der Bücherschränke. Im Gegenzug kann man sich kostenfrei eines der anderen Bücher aus dem Schrank mitnehmen.

Weiterführung lohnt sich nicht

Dem Bücherschrank aus der Auricher Bäckerei habe man seine Gebrauchsspuren deutlich angesehen. „Der Schrank hat den Auszug aus der Osterstraße leider nicht überstanden“, sagt Ramona Lorenz. Er sei alt und vom Gewicht der vielen Bücher überlastet gewesen, so die Backhuus-Chefin. Überhaupt sei das Regal innerhalb der letzten zwei Jahre kaum genutzt worden. Die Nachfrage sei mit Corona stark zurückgegangen. „Nur vereinzelt kamen Kunden noch vorbei, um Bücher im Regal auszutauschen“, erinnert sich Lorenz. Vor der Pandemie sei dies allerdings anders gewesen. Als Gäste sich noch in das Café setzen konnten, sei mehr gelesen worden.

Auch wenn sich die Bücher derzeit noch in Lorenz‘ Besitz befinden, möchte die Geschäftsführerin die öffentliche Tausch-Bibliothek in anderen Filialen nicht weiterführen. Ursprünglich wurde der Schrank von dem ehemaligen Verein Tauschring initiiert. In letzter Zeit sei die Arbeit jedoch am Personal der Bäckerei hängen geblieben, sagt Lorenz. Zu viele hätten in letzter Zeit zerfledderte Bücher abgegeben, die Pflege des Schranks sei zu aufwendig geworden. Was jetzt mit den Büchern passiert, wisse Lorenz noch nicht. Auf die unkonventionelle Art, Bücher auszuleihen, müssen die Auricher dennoch nicht verzichten. Weitere öffentlich zugängliche Bücherregale stehen laut Heidrun Weber, Vorsitzende des Vereins Lesetoll, im Eingangsbereich des Edeka-Supermarktes im Einkaufszentrum Carolinenhof, im Familienzentrum sowie im Ligusterweg 14 sogar in Form eines Bücherstrandkorbs. „Die Bücherschränke, besonders der Strandkorb oder der Schrank im Carolinenhof, sind hoch frequentiert“, sagt sie. Ihrer Meinung nach gehören die Schränke an öffentliche Orte. „Beispielsweise vor das Rathaus, wo Kinder spielen und Eltern währenddessen Zeit hätten, Bücher durchzuschauen.“

Bücherschränke ursprünglich Kunstprojekt

Die Nutzung von öffentlichen Bücherschränken ist besonders ressourcenschonend und umweltfreundlich, gerade in Zeiten zunehmender Papierknappheit. Zudem funktioniert der Büchertausch gänzlich ohne die Nutzung digitaler Geräte.

Die Entstehung der öffentlichen Bücherschränke in Deutschland geht auf ein Projekt des Künstlerduos Michael Clegg und Martin Guttmann Anfang der 1990er Jahre zurück. Unter dem Namen „Die offene Bibliothek“ stellten sie frei zugängliche Büchervitrinen in den öffentlichen Raum, vorerst im österreichischen Graz. Kurz darauf folgten Schränke in Hamburg und Mainz. Die von den Künstlern als „soziale Skulpturen“ bezeichneten Bücherschränke sollten staatliche Machtstrukturen lösen und die Bevölkerung ohne Strukturen und Hierarchien mit Lesematerial versorgen.

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