Personalie
Ältestes Auricher Ratsmitglied wirft das Handtuch
Nur vier Monate nach der Kommunalwahl legt Hans-Gerd Meyerholz sein Mandat im Auricher Stadtrat nieder. Der 81-Jährige gehörte dem Gremium 34 Jahre lang an. Die Nachfolge ist schon geklärt.
Aurich - Vor Monaten hat er auf das Amt als Ortsbürgermeister von Sandhorst verzichtet, jetzt folgt der nächste Abschied: Hans-Gerd Meyerholz (Gemeinsam für Aurich, GFA), mit 81 Jahren ältestes Stadtratsmitglied, legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder − nur vier Monate nach der Kommunalwahl. Im Kreistag will er aber weiter aktiv sein. Das hat er die Öffentlichkeit durch eine Pressemitteilung wissen lassen, die mit einer ausführlichen Begründung verbunden ist. Er wolle mehr Zeit für wichtige private Dinge haben. Und das sind nicht wenige, wie er im Gespräch mit der Redaktion verriet. Er habe aus einem Nachlass Bücher für seine Bibliothek angeschafft, die er endlich mal lesen wolle. Die Briefmarkensammlung warte auf Aufarbeitung. Im Frühjahr bedürfe der große Garten wieder der Pflege. Tischtennis, Skat, Reisen − vieles stehe auf dem Programm.
Hans-Gerd Meyerholz macht aber auch keinen Hehl daraus, dass er ein „erheblich besseres Abschneiden bei der Kommunalwahl mit mehr Mandaten“ erwartet habe. Dass es für die GFA nur zwei Sitze geworden seien, bedeute für ihn eine hohe Arbeitsbelastung. „Hinzu kommt, dass der Kreistag auf Drängen der Verwaltung mehrheitlich beschlossen hat, keine Vorlagen auf Papier mehr zu nutzen, sondern ausschließlich digital zu arbeiten. Das ist sehr viel zeitaufwendiger, weniger effektiv und durch das stundenlange Nutzen des Computers nicht gerade gesundheitsfördernd“, schreibt er.
Klares Urteil
Der Sandhorster gilt als jemand, der sich auf jede Sitzung sorgfältig vorbereitet und über große Sachkenntnis verfügt. „Ich kann nur über das abstimmen, was ich verstehe“, sagt er. Zum Studium der Beschlussvorlagen gehört für ihn auch der Blick in alte Akten oder Unterlagen. „Nur so kann ich mir bei einigen Vorgängen ein klares Urteil erlauben“, sagt er. Den Abgleich mit Dokumenten wie einem Kataster oder dem Kommentar in einem Gesetzestext hält er für wichtig, um zu einer fundierten und eigenständigen Einschätzung zu kommen. Als pensionierter höherer Verwaltungsbeamter ist er oft perfekt im Bilde. So hat er vor Jahren die Verwaltung darauf aufmerksam gemacht, dass die Ortsräte laut Kommunalverfassung im Vorfeld in die Haushaltsberatungen einbezogen werden müssen. Um das im Nachhinein zu organisieren, musste die Verwaltung die komplette Sitzungsfolge verändern und die Ortsräte separat einladen.
Meyerholz war 34 Jahre lang Mitglied im Stadtrat, und zwar von 1972 bis 1991 sowie von 2006 bis 2021. Seinen Sitz in dem Gremium wird Heidrun Weber einnehmen. Die Vorsitzende des Vereins Lesetoll hatte sich bereits vor fünf Jahren zur Kommunalwahl aufstellen lassen. Im zweiten Anlauf hat es jetzt für die Auricherin geklappt. „Der Anruf von Hans-Gerd Meyerholz kam schon ein wenig überraschend für mich. Ich hätte mir ein wenig Einarbeitungszeit gewünscht, aber gleichwohl freue ich mich auf die Aufgabe“, sagt die 53-Jährige.
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