Osnabrück

Wie finde ich das richtige Pflegeheim? Studie deckt Probleme auf

Uwe Westdörp
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Von Uwe Westdörp
| 13.01.2022 15:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Eine Pflegerin kümmert sich um die Bewohnerin eines Pflegeheims in Böblingen. Das richtige Pflegeheim zu finden, ist oft schwierig - auch deshalb, weil viele Länder nur unzureichend über die Ergebnisse von Qualitätskontrollen informieren.- Foto: Tom Weller/dpa
Eine Pflegerin kümmert sich um die Bewohnerin eines Pflegeheims in Böblingen. Das richtige Pflegeheim zu finden, ist oft schwierig - auch deshalb, weil viele Länder nur unzureichend über die Ergebnisse von Qualitätskontrollen informieren.- Foto: Tom Weller/dpa
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Wie finde ich das richtige Pflegeheim? Pflegebedürftige und ihre Angehörigen benötigen jede Menge Informationen, um die richtige Entscheidung zu treffen. Doch leider bekommen sie die in vielen Bundesländern nicht.

1,2 Millionen Menschen suchen nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung jährlich nach passender Pflege. Doch bei der Auswahl des Pflegeheimes werden sie vielfach immer noch unzureichend informiert. Patientenschützer fordern dringend, die Informationslücken in der stationären Altenpflege zu schließen. Der Sozialverband VdK Deutschland warnt vor „Betrug am Pflegebedürftigen“.

Laut der Stiftung sind in der Mehrzahl der Bundesländer wichtige Informationen für Betroffene nicht einsehbar. Nach einer Vergleichsstudie der Stiftung erfahren Pflegebedürftige und ihre Angehörigen in zehn von 16 Ländern nichts darüber, ob in einem Heim zum Beispiel Personal fehlt oder schwerwiegende Mängel zu beanstanden sind. „Genauso wenig lässt sich andererseits nachvollziehen, welche Einrichtungen gut aufgestellt sind.“

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Die Informationslücke ist umso erstaunlicher, als die Daten den für die Heimaufsicht verantwortlichen Behörden vorliegen. Allerdings ist in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Thüringen und im Saarland eine Veröffentlichung der Prüfergebnisse gesetzlich nicht vorgesehen, wie die Stiftung festhält. In Bayern, Brandenburg, Bremen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein gibt es der Studie zufolge zwar Gesetze dafür, sie werden bisher aber nicht angewandt. In Baden-Württemberg und Hessen müssen die Prüfergebnisse zumindest durch die Pflegeheime selbst veröffentlicht werden, wie es weiter heißt.

Sozialverband warnt vor Betrug am Pflegebedürftigen

Lediglich Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen informieren nach Darstellung der Studienautoren so über die Daten, dass sie allgemein verfügbar sind. „Die Hansestadt stellt im Internet weitere detaillierte Angaben bereit, unter anderem zum Personaleinsatz in den Pflegeheimen und zu vorübergehenden Aufnahmestopps, und informiert zusätzlich über die Ergebnisse einer Angehörigenbefragung.“

Der Sozialverband VdK Deutschland forderte ebenso wie die Bertelsmann-Stiftung, die Länder müssten ihre Hausaufgaben machen und die Ergebnisse von Qualitätsprüfungen stets veröffentlichen. VdK-Präsidentin Verena Bentele sagte unserer Redaktion: „Die Pflegebedürftigen müssen wissen, wieviel Personal täglich auf den Stationen und in den Wohnbereichen tatsächlich anwesend ist.“ Sie fügte hinzu, die Menschen zahlten für den Personaleinsatz. „Erfolgt dieser nicht wie vereinbart, ist das Betrug am Pflegebedürftigen.“

Bentele erläuterte, Pflegebedürftige bekämen am Monatsende keine Rückerstattung, wenn in der Einrichtung weit weniger Pflegekräfte als ausgehandelt im Dienst gewesen seien. „Kein Bauherr“, so die VdK-Präsidentin weiter, „würde einer Baufirma Stunden zahlen, die gar nicht erbracht wurden, weil das Personal nicht auf der Baustelle war. Er würde sogar die Rechnung kürzen, wenn Hilfskräfte statt Facharbeiter eingesetzt wurden. Und in der Pflege? Da scheint sich keiner zu interessieren.“

Auch Patientenschützer alarmiert

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, forderte, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach müsse jetzt erklären, „wann die Informationslücken in der stationären Altenpflege geschlossen werden“. Brysch beklagte, der Pflege-TÜV habe lange auf Eis gelegen und bleibe unvollständig. „Zudem erfasst jedes Bundesland eigene Qualitätsmerkmale. Hygienekontrollen der Gesundheitsämter wurden pandemiebedingt heruntergefahren. Angehörigenbesuche werden seit fast zwei Jahren nur noch gesteuert und in homöopathischen Dosen ermöglicht. Das Pflegeheim als gefährlichster Ort für hochbetagte Menschen in der Corona-Krise bleibt eine Blackbox.“

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