Berlin

Wirtschaftsweise bei Lanz: Rente erfordert 1,5 Millionen Einwanderer – pro Jahr

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 13.01.2022 18:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ist die Rente sicher? Markus Lanz diskutiert mit Ralf Stegner und Monika Schnitzer. Foto: imago-images/teutopress/IPON/dpa
Ist die Rente sicher? Markus Lanz diskutiert mit Ralf Stegner und Monika Schnitzer. Foto: imago-images/teutopress/IPON/dpa
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Zwingt Omikron die Wirtschaft in die Knie? Kann die Impfpflicht ein Ausweg sein? Darüber diskutierte Markus Lanz in seinem ZDF-Talk mit Gästen wie Ralf Stegner.

Nach der täglichen Corona-Debatte hat Markus Lanz am Donnerstagabend ein zweites Thema vorbereitet: die Rente. Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer eröffnet die Diskussion mit einem ernüchternden Blick in die Zukunft: Aktuell, sagt sie, arbeiten drei Menschen für einen Rentner; schon in 15 Jahren würden es nur noch zwei Personen sein. Schnitzer: „Da müssen die schon mal deutlich mehr schultern.“

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Eine weitere Zahl der Expertin: „Aktuell geben wir ungefähr ein Viertel unseres Bundeshaushalts für die Rentenkasse aus - 100 Milliarden. Das werden in 25 Jahren mehr als die Hälfte des Bundeshaushalts sein, wenn wir so weitermachen wie bisher.“ Genau das ist das erklärte Ziel von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD); das belegt Lanz mit einem Einspieler aus den Wahltriellen. Damals sagte Scholz: „Wir müssen (…) die Garantie geben, dass es erstens keinen weiteren Anstieg des Renteneintrittsalters gibt. Und zweitens: Dass wir dafür Sorge tragen, dass das Rentenniveau auch stabil bleibt über diese Zeit.“

Umverteilung zwischen armen und reichen Rentnern

Schnitzer setzt dagegen, dass man an den drei möglichen Stellschrauben drehen müsse: am Renteneintrittsalter, dem Rentenniveau und den Beitragssätzen. Auch wenn man den einkommensschwachen Teil der Bevölkerung vor Altersarmut schützen wolle, so Schnitzer, müsse das nicht heißen, dass gleich alle Rentner bessergestellt würden: „Wir müssen auch dafür sorgen, dass es eine gewisse Umverteilung zwischen den Rentnern, den reichen und den armen, gibt“, sagt Schnitzer. „Die aktuelle Generation der Rentnerinnen und Rentner ist tatsächlich sehr reich.“ Weitere Vorschläge der Expertin: Die Rente solle nicht mehr mit den Löhnen steigen, sondern nur noch mit der Inflation. Zudem müssten höhere Beiträge verlangt werden.

Stegner: Sozialpolitisch die Rente sichern

Den Gegenpart in der Debatte stellt der Sozialdemokrat Ralf Stegner. „Wir reden nicht nur über Mathematik“, sagt der und wendet sich gegen längere Erwerbsbiografien: „Wenn Sie das Renteneintrittsalter einfach anheben, dann haben Sie Berufe, wo das de facto eine Rentenkürzung ist, weil die gar nicht so lange arbeiten können.“ Für die Gegenwart stellt Stegner außerdem eine Ungerechtigkeit fest: Akademisch ausgebildete Menschen würden heute „deutlich kürzer arbeiten“ als andere, dabei „ein erheblich höheres Einkommen“ beziehen - und dank einer „erheblich höheren Lebenserwartung“ auch noch länger Rente kassieren.

Das Rentenproblem will Stegner sozialpolitisch angehen: „Momentan geben wir ganz viel Geld für Sozialtransfers aus, weil wir mickrige Renten aufstocken müssen. Das hört auf in dem Moment, wo Sie für eine anständige Arbeit einen anständigen Lohn kriegen, damit Beiträge bezahlen, keine Sozialtransfers brauchen und eine Rente kriegen, von der Sie leben können.“ Ein Mindestlohn von zwölf Euro, Tariflöhne, höhere Einkommen in der Pflege, gleicher Lohn für Frauen - all das seien Beiträge, die die Rentenperspektive der jungen Generation verbessern.

Zugleich verweist Stegner auf den Wandel der Arbeitswelt. Man könne man die Rente in Zukunft deshalb auch anders handhaben, weil die Digitalisierung die Produktivität verändere und bestimmte Formen körperlicher Arbeit verschwinden lasse. „Ich sage ja nicht, dass das alles alleine reicht. Ich sag: Der Grundstock ist eine solide gesetzliche Rentenversicherung als Generationenvertrag, wo wir nicht mehr Leute haben, die eine Mütterrente brauchen, weil sie miese Löhne hatten.“

Rente versus Demografie

Schnitzer glaubt nicht, dass Stegners Maßnahmen ausreichen und verweist auf die Demografie. Das Land brauche mehr Beitragszahler. „Wo könnten die Leute herkommen?“, fragt Schnitzer und rechnet vor: Pro Jahr wäre eine Netto-Zuwanderung von 400.000 Menschen nötig. Weil jedes Jahr zehn Prozent der in Deutschland lebenden Ausländern das Land wieder verlassen, wären zum Ausgleich jährlich rund 1,5 Millionen Einwanderer nötig.

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