Justiz
Schweren Unfall verursacht: 18-Jährige vor Gericht
Eine 18-Jährige hat im vergangenen Jahr beim Überholen auf der Landstraße in Ihlow einen schweren Unfall verursacht. Vor dem Amtsgericht Aurich wurde sie verurteilt und kam glimpflich davon.
Aurich/Ihlow - Eine 18-Jährige hat am 3. Juni des vergangenen Jahres einen schweren Unfall auf der Loogstraße in Ihlow verursacht, indem sie falsch überholte. Sie selbst und ein anderer Autofahrer erlitten Verletzungen. Am Donnerstag musste sie sich wegen Straßenverkehrsgefährdung vor dem Amtsgericht Aurich verantworten.
Laut Anklage hatte die junge Frau vorsätzlich im Straßenverkehr falsch und rücksichtlos überholt. Ihr wurde zur Last gelegt, ein anderes Auto an unübersichtlicher Stelle überholt zu haben. Der Fahrer des Sattelschleppers, der ihr entgegenkam, erlitt eine Prellung. Der 18-Jährigen war die Verhandlung sichtlich unangenehm. Ihr Verteidiger erwähnte vor Richter und Staatsanwältin, dass seine Mandantin „sehr nervös“ sei. Dennoch wollte sie auf Anfrage des Jugendrichters den Tathergang mit ihren eigenen Worten schildern.
Auto der Angeklagten hatte nur noch Schrottwert
Laut Aussage der Angeklagten fuhr der Pkw vor ihr mit Tempo 40 in einer 50er-Zone, kurz vor einer Brücke. Die Frage des Richters, welche Differenzgeschwindigkeit beim Überholen erreicht werden müsse, konnte sie mit „20 Kilometer pro Stunde“ richtig beantworten. Sie sei also zu schnell gewesen. Nach der Brücke dürfe man wieder mit einer Geschwindigkeit von 100 fahren. „Ich sah keinen Gegenverkehr und setzte zum Überholen an“, sagte die Schülerin. „Ich wunderte mich, warum das Überholen so lange dauert. Dann kam der Lkw und ich wusste nicht mehr, was ich machen sollte“, sagte sie. Die Angeklagte konnte rechtzeitig einscheren, um einen Frontalzusammenstoß zu verhindern, doch dabei kollidierte sie seitlich mit dem Lkw. Sie selber wurde schwer verletzt, das Auto hatte nur noch Schrottwert. Immer wieder knetete sie ihre zitternden Hände über dem Tisch im Verhandlungssaal.
Ihr Verteidiger sagte, seine Mandantin wolle nicht ausschließen, falsch gehandelt zu haben. „Meine Einschätzung war, dass ich es schaffe“, sagte sie. Sie habe die Situation falsch eingeschätzt. Auf Nachfrage der Staatsanwältin, wie es ihr heute gehe, antwortete die 18-Jährige: „Nicht gut.“ Sie habe einen Schaden davongetragen, „die Angst ist da“. Die anwesende Vertreterin der Jugendgerichtshilfe gab an, dass die Angeklagte vorher nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Sie sehe, dass der Unfall und die Verhandlung eine Auswirkung auf die Angeklagte habe. Von Sozialstunden sehe sie daher ab, schlug aber die Teilnahme an einem Verkehrserziehungskurs vor.
Jugendrichter Simon Breuker folgte diesem Vorschlag, verordnete der 18-Jährigen die Teilnahme an dem Kurs und stellte das Verfahren ein. Die junge Frau aus Ihlow erhielt ihren Führerschein zurück, der nach dem Unfall eingezogen worden war. Der Jugendrichter überreichte ihr den Fahrausweis mit den Worten „Fahren Sie vorsichtig“.