Berlin
Wenn CDU und CSU von „Links-Gelb“ sprechen
Ein neues Wort fällt im Regierungsviertel jetzt immer wieder: „Links-gelb“. Gemeint ist die Ampel-Koalition. Was es damit auf sich hat.
Wer den Einfall hatte, ist nicht bekannt. Aber irgendwann während der Koalitionsverhandlungen zwischen Grünen, FDP und SPD muss es eine Runde von CDU- und CSU-Leuten gegeben haben, die sich - plötzlich anderer wichtiger Aufgaben beraubt - darüber Gedanken machte, wie man die sich anbahnende Ampel-Koalition denn ein bisschen ärgern könnte. Vermutlich floss ein wenig Wein, vielleicht ein Bier, um der Kreativität auf die Sprünge zu helfen, bis einer endlich ausrief: „Wir nennen sie Links-Gelb!“
Seither nutzen den Begriff manche Unionsabgeordnete mit sichtlicher Begeisterung, andere allerdings scheint er nicht recht zu überzeugen. Das Kalkül ist klar: Die Union will auch in der Opposition die Partei der Mitte bleiben und der Ampel dafür ein anderes Etikett verpassen. Links-Gelb ist da in etwa die politisch-korrekte Variante von „links-grün-versifft“, klingt nur sehr viel seriöser.
Der bürgerliche Olaf Scholz als Linksaktivist?
Framing nennt man das neudeutsch in der Sprache der PR-Strategen, wenn jemand sprachlich eine bestimmte Reaktion beim Empfänger bewirken will. Doch ob sich ein solches durchsetzt, hängt immer davon ab, ob es die Sache auch trifft. Und bisher scheint der bürgerliche Hanseat Olaf Scholz noch niemandem als Linksaktivist im Kanzleramt aufzufallen. Man darf gespannt sein, ob Friedrich Merz demnächst als neuer CDU-Chef für die weitere Verbreitung von „links-gelb“ sorgen wird.
Es wäre jedenfalls nicht das erste Framing, das sich nicht durchsetzt. Die AfD versucht bis heute vergeblich, den wenig charmanten Begriff der „Altparteien“ für die gesamte politische Konkurrenz durchzusetzen. Aufmerksamkeit ist gefragt. Aus Corona-Beschränkungen wurden im Laufe der Pandemie und gänzlich unbemerkt Corona-Maßnahmen, was doch gleich viel netter klingt. Eine PR-Abteilung steckte hier vermutlich nicht dahinter. Manchmal setzen sich beschönigende Begriffe auch ganz von allein durch, weil sie die Sache erträglicher machen. Aber „links-gelb“ fällt da in eine andere Kategorie. Es ist der neue Kampfbegriff einer Oppositionspartei.