Osnabrück
Bauern: Vier Milliarden Euro für bessere Ställe - pro Jahr
Droht der Tierhaltung in Deutschland das Aus? Wenn nicht bald der Umbau der Ställe beginne, dann sei das eine reale Gefahr, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. Kostenpunkt: vier Milliarden Euro pro Jahr.
Bauernpräsident Joachim Rukwied hat Bundesagrarminister Cem Özdemir aufgerufen, schnellstmöglich die Finanzierung neuer Tierwohl-Ställe zu klären. Im Interview mit unserer Redaktion sagte Rukwied: „Der Umbau der Tierhaltung ist ein Stückweit die Möglichkeit, sich als Tierhalter neu zu erfinden. Die Bauern sind bereit dafür.“
Das Projekt könne aber nur gelingen, wenn nun schnell entschieden werde, wie die neuen Ställe bezahlt werden sollen und der entsprechende Finanztopf geschaffen wird. „Der Umbau kostet etwa vier Milliarden Euro im Jahr. Das Geld brauchen wir“, so Rukwied. (Weiterlesen: Regierungsberater: 40 Cent pro Kilo Fleisch für bessere Ställe)
„Betriebe geben reihenweise auf“
Der Bauernpräsident verwies auf die Krisensituation gerade in der Schweine- und Rinderhaltung, wo Erzeugerpreise seit langem im Keller sind. „Ich mache mir Sorgen um den Fortbestand der Tierhaltung in Deutschland“, sagte Rukwied. „Die Betriebe geben reihenweise auf.“ Die Zahl der in Deutschland gehaltenen Tiere sei so niedrig wie lange nicht. Umso wichtiger sei es, schnell mit dem Umbau der Tierhaltung zu beginnen, um Perspektiven zu schaffen.
Zuvor hatte sich bereits Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) besorgt über die Entwicklung gezeigt. Im Interview mit unserer Redaktion hatte sie gesagt: „Uns läuft die Zeit davon. Immer mehr Tierhalter geben auf, weil sie keine Perspektive mehr haben.“ Es sei mittlerweile ein realistisches Szenario, dass es mittelfristig keine Tierhaltung mehr in Deutschland gebe, so die CDU-Politikerin. „In der Schweinehaltung zeichnet sich das sehr deutlich ab. Cem Özdemir muss da jetzt liefern.“
Tierschutzbund: Es fehlen noch Mindeststandards
Tierschutzbund-Präsident Thomas Schröder mahnte indes an, bei den festzulegenden Haltungskriterien für Tiere ambitioniert vorzugehen. Schröder erklärte: „Politische Priorität muss die Entwicklung einer verpflichtenden staatlichen Tierschutzkennzeichnung haben, welche die gesamte Kette abdeckt - von Zucht über Mast und Transport bis zum Schlachthof.“
Schröder erinnerte zudem daran, dass es für einige Tiere noch gar keine gesetzlichen Haltungsstandards gibt: „Ein Tierschutzkennzeichen entbindet die Bundesregierung nicht von der Verpflichtung, solide gesetzliche Mindeststandards für alle Tiere zu schaffen. Die fehlen bisher für Rinder, Puten, Schafe und Wassergeflügel.“