Einzelhandel
Schreibwarenhändler glaubt an die Fußgängerzone
Totgesagte leben länger: Die Osterstraße gilt als Stiefkind der Auricher Fußgängerzone, doch jetzt lässt sich dort ein Traditionsunternehmen nieder.
Aurich - Das Schreibwarengeschäft Abegg erweitert seinen Standort in der Auricher Fußgängerzone. Das mehr als 100 Jahre alte Unternehmen mit Sitz an der Osterstraße 4 übernimmt das benachbarte Ladenlokal mit der Hausnummer 6. In dem Eckhaus zum Rathausgang war bis Dezember die Bäckerei Ubbos Backhuus ansässig. Die Umbauarbeiten laufen. Die Eröffnung des neuen Geschäfts sei für März geplant, teilte Geschäftsführerin Alexandra Schneemilch bei einem Ortstermin mit. Sie werde nicht nur die 140 Quadratmeter große Fläche im Erdgeschoss für den Verkauf ihrer Waren nutzen, sondern auch die 150 Quadratmeter im Obergeschoss.
Abegg könne den zusätzlichen Platz gut gebrauchen, um Rucksäcke und Schulranzen zu präsentieren, sagte Schneemilch. Für dieses Sortiment sei ihr Geschäft über die Grenzen Ostfrieslands hinaus bekannt. Momentan hat das Unternehmen einen zusätzlichen, 80 Quadratmeter großen Laden im Gebäude der Landschaftlichen Brandkasse ein paar Häuser weiter gepachtet, in dem ausschließlich Taschen verkauft werden. Diesen Zusatzshop mit dem Namen „Abag“ (englisch für Tasche) werde man im Gegenzug aufgeben, so Schneemilch.
„Wir glauben an den Standort Aurich“
Vom bestehenden Geschäft an der Osterstraße 4 (300 Quadratmeter Verkaufsfläche) plane sie einen Durchbruch zum Nachbarladen, erklärte die Geschäftsführerin. Der werde sich aber nicht bis März realisieren lassen. Es fehle noch die Baugenehmigung. Sie wolle den Kunden die Möglichkeit zum Erlebniseinkauf bieten, sagte die Geschäftsfrau, ohne ins Detail zu gehen. Eins stellte sie klar: „Wir glauben an den Standort Aurich.“ Schon vor 16 Jahren habe sie darauf gehofft, auch das Nachbarhaus zu bekommen.
Um den momentanen Leerstand zu kaschieren, weist die Kunstschule Miraculum in den Schaufenstern der Ex-Bäckerei mit einer Collage auf ihre Mitmach-Aktionswoche im Mai zum 40-jährigen Bestehen hin. Das hat City-Managerin Vicki Janssen in die Wege geleitet, da an dieser Stelle viele Passanten vorbeilaufen. „Das ist ein wichtiger Weg.“ Kunstschulen-Leiterin Steffi Leferink habe nicht lange gezögert und mit ihrem Team spontan etwas auf die Beine gestellt. Zur Collage gehören alte Fotos der Firma Abegg. Geschäftsführerin Schneemilch gefällt‘s: „Schön, dass hier nicht wie sonst üblich Packpapier mit Gucklöchern klebt.“
„Ein tolles Signal“
City-Managerin Janssen ist froh, dass ein alteingesessenes Auricher Geschäft in die ehemalige Filiale von Ubbos Backhuus zieht. Das stifte mehr Identifikation als eine Kette, die sich in jeder Fußgängerzone finde. Auch Udo Hippen vom Kaufmännischen Verein Aurich freut sich über das Bekenntnis zur Osterstraße. „Dass sich ein Traditionsunternehmen hier niederlässt, ist ein tolles Signal“, sagte Hippen, dessen Eltern in dem Gebäude früher eine Bäckerei betrieben. Hippen ist in dem Haus aufgewachsen.
Die Osterstraße gilt als Stiefkind der Fußgängerzone. Es gibt dort viele Leerstände. Aufwertung soll sie auch dadurch erfahren, dass 2023 das Mach-mit-Museum und die Kunstschule dort einziehen. Sie gehören zusammen, sind aber derzeit getrennt voneinander untergebracht: an der Burgstraße und am Georgswall.