Gastronomie
Dehoga: Greetsieler Teestube hat viel Potenzial
Vor gut einem Jahr wurde Poppingas Alte Bäckerei endgültig geschlossen und noch immer ist unklar, was aus dem Gebäude wird. Der Dehoga findet: Die Greetsieler Teestube sollte eine Teestube bleiben.
Greetsiel - Egal ob Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder, Showmaster Thomas Gottschalk oder Musiklegende Peter Maffay: Sie alle waren schon in der Greetsieler Teestube von Inge Ysker-Cornelius zu Gast. Vor gut einem Jahr hörte die Betreiberin von Poppingas Alter Bäckerei jedoch altersbedingt auf und noch immer ist unklar, wie es mit dem Traditionshaus im Hafen weitergeht. Das bestätigt jetzt auch noch einmal der Sprecher der Gemeinde Krummhörn, Fritz Harders, der die Teestube gehört.
Was und warum
Darum geht es: Um Poppingas Alte Bäckerei ist es still geworden. Laut dem Dehoga steckt jedoch viel Potenzial in der Teestube.
Vor allem interessant für: Greetsieler und Greetsiel-Fans, die die Einrichtung von früher her kennen und jetzt vermissen
Deshalb berichten wir: Die Teestube hatte bis zuletzt eine wichtige kulturelle und historische Rolle gespielt. Wir wollten wissen, wie es mit ihr weitergeht. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Dabei hat Poppingas Alte Bäckerei eigentlich viel Potenzial, wie auf Nachfrage Erich Wagner versichert. Er ist der Vorsitzende des Bezirksverbands Ostfriesland des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) und betont, dass hier alles stimme. Die Teestube stehe in bester Lage in einem Urlauberort, das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert und historische Gebäude übten immer eine Anziehungskraft auf Besucher aus – jung und alt. Zudem werde dort Tee serviert, eine Tradition, für die sich viele interessieren. Das alles erklärt wohl auch das frühere Medieninteresse an der Teestube, denn neben den eingangs erwähnten und weiteren Prominenten kamen laut Ysker-Cornelius auch regelmäßig Journalisten vorbei – sogar von der BBC.
Denkmalschutz und Barrierefreiheit
Ein weiterer Pluspunkt sei, dass es Spaß mache, in historischen Gebäuden arbeiten zu können. Darum gebe es immer Gastronomen, die sich für solche Objekte interessierten, weiß Wagner. Vor der Pandemie seien diese auch durchaus dazu bereit gewesen, größere Summen zu investieren, um Betriebe übernehmen zu können. Derzeit sei sehr vielen jedoch das Risiko zu hoch, weil keiner wisse, wie es mit der Pandemie weitergehe. Und investieren muss man in Poppingas Alte Bäckerei auf jeden Fall: Mit dem Ablauf der bisherigen Konzession muss das Haus an neue Baubestimmungen angepasst werden und die sehen unter anderem vor, dass Gaststätten barrierefrei sein müssen. In der Teestube jedoch gibt es Stufen und andere Barrieren.
Dazu kommt laut Rainer Müller-Gummels, dem Sprecher des Landkreises Aurich, noch hinzu, dass das Gebäude unter Denkmalschutz steht und bauliche Veränderungen genau mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden abgestimmt werden müssen. In diesem Fall handele es sich jedoch um kein Einzeldenkmal, sondern um einen „Ensemble-Schutz“. Das Haus fügt sich also in eine Reihe weiterer alter Häuser ein, die ein schützenswertes Gesamtbild abgeben. Prinzipiell ergäben sich dadurch mehr Möglichkeiten. Abhängig seien die baulichen Einschränkungen außerdem davon, ob es in der Vergangenheit schon bauliche Veränderungen gegeben habe, so Müller-Gummels.
Prognose: Viel Fleiß – großer Erfolg
Sobald die Corona-Pandemie überwunden ist und das Geschäft für die Gastronomen wieder sicherer wird, kann Wagner sich jedenfalls vorstellen, dass sich jemand für die Teestube finden wird, sofern die Umbaukosten noch einigermaßen im Rahmen bleiben. Danach jedoch könne Poppingas Alte Bäckerei ein „Selbstläufer“ sei, wenn man wie die bisherige Betreiberin genug Zeit und Kraft reinstecke. Das sei aber immer das A und O, um mit einem eigenen Betrieb erfolgreich zu sein, betont der Verbandsvorsitzende. „Kontinuität ist wichtig.“
Die Qualität müsse also über die Jahre gleichbleibend sein, damit der gute Ruf bleibe und sich herumspreche. Jede Einrichtung habe ihre Stärken und die müsse man herausstellen. Inge Ysker-Cornelius war dies mit viel Herzblut gelungen. 38 Jahre lang hatte sie die Fäden in der Hand und der Teestube zu ihrem Ruf verholfen. Auch sie betonte jedoch, dass es immer viel Arbeit mit Sieben-Tage-Wochen gewesen sei, gerade in der touristischen Hochsaison. „Es gab kein Ostern, Pfingsten und Weihnachten“.
Die generelle Frage ist jedoch erst einmal, ob Poppingas Alte Bäckerei überhaupt als Teestube weitergenutzt werden beziehungsweise soll. So hatten schon vor einem Jahr Politik und Verwaltung darüber gesprochen, ob das Haus nicht auch verkauft werden könnte. Dann kamen aber Zweifel daran auf, ob das eine gute Idee ist, da die Gemeinde in diesem Fall ihren Handlungsspielraum verlieren würde.