Profi-Verbrecher
Geldautomaten-Sprengung in Ostfriesland – das BKA ermittelt
Die meisten Geldautomaten-Sprengungen in Deutschland gehen auf das Konto von Profi-Verbrechern. Viele von ihnen kommen aus den Niederlanden. Wegen einer Tat in Ostfriesland ermittelt jetzt das BKA.
Augustfehn/Hannover/Berlin - Die jüngste Geldautomaten-Sprengung im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Leer-Emden liegt schon fast zwei Jahre zurück: „Am 30.03.2020 kam es in Bunde zur Sprengung von zwei Geldautomaten.“
Der Sprengstoff-Anschlag auf die Augustfehner Filiale der Oldenburgischen Landesbank (OLB) vom Montag ist aber nicht etwa der erste Fall nach längerer Pause. Sucht man nach solchen Fällen im Bezirk der Polizeidirektion Osnabrück, zu der die PI-Bereiche Leer-Emden und Aurich-Wittmund gehören, stößt man auf mindestens zehn im vergangenen Jahr – darunter zwei in Ihlow.
BKA ermittelt wegen gesprengtem Gelautomaten in Ostfriesland
„Die letzte Geldautomaten-Sprengung in unserem Zuständigkeitsbereich war Anfang September 2021 in Ihlow“, schreibt die PI Aurich-Wittmund. „Die Ermittlungen dazu werden inzwischen beim BKA geführt.“ Eine Antwort des Bundeskriminalamts (BKA) steht noch aus.
Dort wird auch das Bundeslagebild „Angriffe auf Geldautomaten“ erstellt. Denn es handelt sich um ein bundesweites Kriminalitätsphänomen, in dem ausländische Täter – insbesondere aus den Niederlanden – eine führende Rolle spielen. 45 solcher Taten zählte das BKA im Jahr 2020 in Niedersachsen, nur in Nordrhein-Westfalen gab es mehr. Für 2021 ist die Statistik noch nicht veröffentlicht worden.
Augustfehn: Sprengung in Bankfiliale
Automatensprengungen, Autoklau und Einbrüche in Ostfriesland
In Niedersachsen gibt es seit kurzem ebenfalls „ein gesondertes Lagebild zu Geldautomaten-Sprengungen“, wie Innenminister Boris Pistorius am 3. Dezember nach der Innenministerkonferenz sagte. „Es gibt mehrere Taten pro Monat, etwa die Hälfte davon verlaufen erfolgreich.“ Die Täter kämen „gerade aus den Beneluxländern für diese Taten über die Grenze nach Deutschland“. In den Niederlanden und in Belgien gebe es gesetzliche Verpflichtungen für die Banken, „die Geldautomaten besser zu schützen“, erläuterte der Minister. Er appellierte an die deutschen Banken, sich „zunächst auf freiwilliger Basis besser zu schützen“.
In Deutschland wurden 17,1 Millionen Euro in einem Jahr erbeutet
Das BKA erwähnt in seinem Lagebild mögliche Schutzmaßnahmen: „Insbesondere der nächtliche Verschluss beziehungsweise die technische Abschaltung von Geldautomaten in den Niederlanden dürfte zu Verdrängungseffekten nach Deutschland geführt haben.“ Die Täter hätten 2020 in Deutschland rund 17,1 Millionen Euro erbeutet. Hinzu kämen Sachschäden „im mittleren zweistelligen Millionenbereich“.
„Die Sprengungen passieren größtenteils zwischen 1 und 4 Uhr morgens“, schreibt die Polizeidirektion Osnabrück. „Die Tatausführung erfolgt binnen weniger Minuten und oft wird ein hochmotorisiertes Fahrzeug für die Flucht eingesetzt. Dabei fahren die Täter mit Geschwindigkeiten von 250 km/h, teilweise unbeleuchtet, über die Straßen.“
Leeraner Auto-Kennzeichen für Bremer Geldautomaten-Sprengung?
Am 9. Dezember wurde in Bremen-Oberneuland ein Geldautomat gesprengt. Unsere Redaktion hat gehört, dass die Kennzeichen für mindestens eines der Fluchtfahrzeuge in Leer gestohlen worden seien. In dieser Frage wollten sich die Polizeiinspektion Leer-Emden und die Bremer Polizei aber nicht äußern.
Im September konnte eine Ermittlungsgruppe der Staatsanwaltschaft und der Zentralen Kriminalinspektion Osnabrück zusammen mit Europol und niederländischen Polizei-Kräften einen Erfolg vermelden. Vereint war es gelungen, ein Trainingszentrum für Geldautomaten-Sprengungen in Utrecht ausfindig zu machen, „in dem an verschiedenen Geldausgabegeräten Sprengungen getestet wurden“. Test-Automaten seien in Deutschland angekauft worden, hieß es nach der Durchsuchungsaktion in einer Pressemitteilung.