Fußball
Amateurfußball: Eine Milliarde an Gehältern gezahlt
Mit dem Hobby Geld verdienen. Im Amateurfußball wird in Deutschland ganz oft die Hand aufgehalten, teilweise wird Schwarzgeld gezahlt. Wie organisieren die Vereine in Ostfriesland die Zahlungen?
Ostfriesland - Im Amateurfußball werden in Deutschland Millionen bewegt. Pro Monat kassieren Amateurspieler mehr als 100 Millionen Euro, pro Spielzeit sind es somit mehr als eine Milliarde Euro. Davon werden mutmaßlich mehr als 500 Millionen Euro als Schwarzgeld gezahlt. Diese hochgerechneten Ergebnisse basieren auf einer Online-Befragung auf der CrowdNewsroom-Plattform, an der sich auch die ZGO (Zeitungsgruppe Ostfriesland) beteiligte. Der Text entstand in einer gemeinsamen Kooperation von der ZGO mit CORRECTIV und dem rbb.
An der Online-Umfrage haben deutschlandweit mehr als 10.000 Amateurfußballerinnen- und fußballer, davon 8.085 im Alter zwischen 18 und 39 Jahren (sie bilden die Stichprobe) teilgenommen. 60,2 Prozent von ihnen gaben an, schon einmal Geld bekommen zu haben (monatlicher Festbetrag, Punkt- und Siegprämien). 36,9 Prozent erhielten im Oktober 2020 Geld für ihr Hobby:
5. Liga: 89,9 % (Median: 500 Euro).
6. Liga: 76,6 % (Median: 300 Euro).
7. Liga: 50,9 Prozent (Median: 210 Euro).
8. Liga: 36,4 Prozent (Median: 200 Euro).
Geld bar in Umschlägen
Viele Teilnehmer berichten davon, dass sie das Geld bar in Umschlägen bekommen haben. Einigen von ihnen ist bewusst, dass es sich um Schwarzgeld handelt. 18,2 Prozent haben schon einmal Sachwerte oder Dienstleistungen entgegengenommen, zum Beispiel Auto, Nebenjob oder ein Baugrundstück.
Nach der DFB-Spielordnung dürfen Amateurfußballer nicht mehr als 250 Euro pro Monat an Aufwandsentschädigung bekommen, andernfalls wird ein Amateurvertrag mit Steuern und Sozialabgaben fällig.
So wird in Ostfriesland gezahlt
Wie organisieren in Ostfriesland die höherklassigen Vereine die Gehälter oder Aufwandsentschädigungen?
Beim semiprofessionellen Fußball-Oberligisten Kickers Emden gibt es keine Vertragsamateure, sondern ausschließlich geringfügig Beschäftigte, sogenannte Mini-Jobs. Laut dem stellvertretenden Vorsitzenden Albert Ammermann verfügen so gut wie alle Spieler über solch eine Vereinbarung. „Das ist aus unserer Sicht ja auch gerechtfertigt, der Zeitaufwand mit mehreren Trainingseinheiten in der Woche und längeren Auswärtsfahrten ist schon enorm.“ Nur bei Trainer Stefan Emmerling verhält es sich anders, er ist hauptberuflich bei Kickers Emden angestellt. Dieser Text entstand im Rahmen einer Kooperation von ZGO (Zeitungsgruppe Ostfriesland) mit CORRECTIV und dem rbb, der für die Recherche federführend verantwortlich war. Die Dokumentation „Milliardenspiel Amateurfußball: Wenn das Geld im Umschlag kommt“ wird am 19. Januar um 23:30 Uhr in der ARD ausgestrahlt und ist ab sofort auf der Themenseite zu sehen: https://www.sportschau.de/milliardenspiel
Reine Hobbytruppe
Ferhat Özedemir (Grünen-Lokalpolitiker und Bauunternehmer) ist der starke Mann beim Landesligisten Germania Leer und zugleich Vorsitzender bei Kickers Leer/Germania Leer II (A-Klasse). Er erklärt, dass es bei Germania Leer nicht viel zu holen gebe. „Seitdem ich mich um die Dinge kümmere, haben wir die Bezüge bei Germania ganz stark reduziert. Es gibt Aufwandsentschädigungen für Spieler, die etwas weiter weg wohnen. Bei uns gibt es aber auch Spieler, die gar nichts bekommen“, so Özdemir. Bei Kickers Leer/Germania gebe es keine Aufwandsentschädigungen, das sei eine reine Hobbytruppe.
Johannes Poppen ist Vorsitzender beim Landesligisten GW Firrel. Er hat festgestellt, dass es vielen Spielern nicht mehr um die Höhe der Gehälter gehe. Ähnlich wie bei Kickers Emden hat Firrel das Modell der Mini-Jobs gewählt. „Mehr als 450 Euro verdient bei uns eh keiner. Die Gehälter werden genau abgerechnet und Abgaben abgeführt. Die Spieler haben damit gar nichts mehr zu tun.“ In Firrel sei es so, dass die Gehälter in der Regel nur für 8-10 Monate bezahlt werden, da es ja auch Monate gebe, in denen nicht trainiert und gespielt werde.
Nur Trainer ein Minijobber
Beim Landesligisten TuRa 07 Westrhauderfehn ist nur Trainer Erhan Colak als Minijobber angestellt. „Mehr können wir uns auch gar nicht leisten. Unsere Spieler bekommen ihre Kosten im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten erstattet, ansonsten werden von uns keine Zahlungen vorgenommen“, sagt Fußballobmann Christian Schulte.
Manfred Bloem, Organisator des Ostfriesland-Cups und lange Zeit der Macher bei Frisia Loga, erzählt, wie er es beim Fußball-Bezirksligisten geregelt habe. „Ich habe immer versucht, über Sponsoren so viel wie möglich Gelder zu generieren. Wir hatten ein mehrstufiges Säulenmodell. Die Spieler haben Geld bekommen für die Trainingsteilnahme, eine Punktprämie für die Spiele, Fixzahlungen und teilweise auch noch Boni.“ Mit einigen Spielern seien auch langfristige Vereinbarungen getroffen worden. Es seien keine hohen Summen, alles sei über den Vorsitzenden Karl Bernhard Lohmeyer abgerechnet worden, der zugleich auch Steuerberater sei.
Zur Umfrage: Antworten von 8.085 Amateurfußballern zwischen 18 und 39 Jahren wurden in die Stichprobe eingerechnet, die als Grundlage für die Hochrechnungen diente. Darunter auch 772 Fußballer aus Niedersachsen. Die Befragung ist nicht repräsentativ, es handelt sich um eine Hochrechnung unter Annahmen.
Kein Traumlos – und doch freut sich Riepe auf GW Firrel
„Es mag bekloppt sein, aber ich liebe diese Truppe“