Fußball

Auch ostfriesische Vereine entwickelten „kreative Ideen“

| | 19.01.2022 13:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Auch in Ostfriesland wird im Amateurfußball Geld kassiert. Foto: Ortgies
Auch in Ostfriesland wird im Amateurfußball Geld kassiert. Foto: Ortgies
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Der Amateurfußball ist für viele Spieler nicht nur Hobby. Jürgen Schlebrowski ist aktuell Trainer beim B-Klassisten VfL Ockenhausen und berichtet über Zahlungen, die kaum nachzuweisen sind.

Ockenhausen - Jürgen Schlebrowski ist in seinem Fußballer-Leben schon weit herumgekommen, unter anderem war er vier Jahre Aufsichtratsvorsitzender beziehungsweise Präsident beim jetzigen Bundesligisten Union Berlin. Seit 2004 wohnt er in Uplengen, war von 2008-2014 Vorsitzender beim VfL Ockenhausen, bis 2018 im Vorstand tätig und ist aktuell Trainer des B-Klassisten.

Frage: Sie sind schon länger im ostfriesischen Amateurfußball aktiv. Wie bewerten Sie die hiesige Bezahlkultur?

Schlebrowski: Es gibt auch hier in der Gegend einige Fälle, keine Frage. Insgesamt gesehen glaube ich aber, dass in den unteren Ligen, also von der D- bis zur A-Klasse, nicht wahnsinnig viele Vereine Gelder bezahlen. Ab der Ostfrieslandliga muss das schon etwas differenzierter betrachtet werden.

Frage: Welche Auswüchse meinen Sie oder was haben Sie selbst schon erlebt?

Schlebrowski: Mir ist schon zu Ohren gekommen, dass Spieler beispielsweise für eine Wohnung eines Vereinsgönners weniger Miete bezahlen. Normalerweise kostet die Wohnung 600 Euro, der Spieler bezahlt zum Beispiel aber nur 250 Euro. Das ist ja kaum nachzuweisen. Einige Vereine sind da schon sehr kreativ, aber so etwas spricht sich gerade auf dem Land trotzdem herum. Oder ein Spieler hat mir mal gesagt, dass er es unter 500 Euro nicht machen werde. Bei uns ist er dann nicht untergekommen und zu einem anderen Verein gegangen. Ob er dort das Geld dann bekommen hat, kann ich natürlich nicht sagen.

Jürgen Schlebrowski war Präsident bei Union Berlin und ist nun Trainer beim VfL Ockenhausen. Foto: Privat
Jürgen Schlebrowski war Präsident bei Union Berlin und ist nun Trainer beim VfL Ockenhausen. Foto: Privat

Frage: Auch in Ihrer Zeit in Ockenhausen sind ja namhafte Spieler wie die Konda-Brüder oder Erhan Colak 2018 gekommen, der Verein wollte in die Ostfrieslandliga aufsteigen. Wie wurde das bei Ihnen organisiert?

Schlebrowski: Der Verein hat definitiv nichts bezahlt. Was immer auch an Absprachen getroffen wurde, erfolgte zwischen Spielern und außenstehenden Personen. Als es angeblich Zusagen von Privatpersonen für die Zeit nach einem möglichen Aufstieg in die Ostfrieslandliga gegeben hatte, mussten wir handeln. Denn bei Problemen wäre das immer auf den Verein zurückgefallen. Da haben wir dann die Reißleine gezogen und in einem offenen Brief an die Spieler und Trainer kommuniziert, dass wir uns als Verein davon distanzieren und keine Verpflichtungen eingehen werden. Gleichzeitig haben wir dem Verband mitgeteilt, dass wir ab der kommenden Saison in der B-Klasse spielen wollen. Natürlich haben uns die meisten Spieler verlassen.

Frage: Welche Gefahren sehen Sie für die Amateurvereine?

Schlebrowski: In erster Linie sind dies natürlich steuerrechtliche, wenn man sich als Verein nicht an die Freibeträge oder Vorschriften hält, aber das muss jeder für sich bewerten. Zum anderen ist es natürlich bedauerlich, dass so eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entsteht. Das ist aus meiner Sicht nicht gut für den Amateurfußball, aber ich werde es wohl nicht ändern können.

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