Ganderkesee

Auto wird auf Bahnübergang bei Delmenhorst von Zug erfasst und vollständig zerstört

Henning Kampen, Micha Lemme
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Von Henning Kampen, Micha Lemme
| 20.01.2022 06:31 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Foto: Micha Lemme
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In der Nacht zu Donnerstag ist es in Ganderkesee bei Delmenhorst zu einem verheerenden Unfall gekommen, bei dem ein Zug in voller Fahrt ein Auto auf einem Bahnübergang erfasst hat. Der Wagen wurde dabei auseinandergerissen und komplett zerstört. Von Insassen war im Wrack keine Spur.

Gegen 0.30 Uhr in der Nacht von Mittwoch, 19. Januar, auf Donnerstag, 20. Januar, kollidierte ein Zug der Nordwestbahn mit einem auf dem Bahnübergang Hohenkamp in Ganderkesee-Rethorn stehenden Pkw. Wie die Polizei mitteilte, wurde das Auto dabei hunderte Meter mitgerissen, ehe der Zug, der zwischen Delmenhorst und Hude unterwegs war, zum Stehen kam. Der Wagen wurde vollständig zerstört, Wrackteile waren überall verstreut.

An der Unfallstelle waren circa 60 Einsatzkräfte von Rettungsdienst, THW, Feuerwehr und Polizei, die mit einem Großaufgebot ausgerückt waren. Sie stellten vor Ort fest, dass im Wrack des Autos keine Person zu finden war - eine groß angelegte Suche wurde gestartet. Doch auch im Umfeld des Unfallortes war von Pkw-Insassen keine Spur. Anwohner bestätigten einen lauten Knall zwischen 0.30 und 0.50 Uhr, von wo der Pkw auf den Bahnübergang gerollt sein soll, konnten sie nicht rekapitulieren. Dem silbernen VW Golf konnten sie aber keinen Anwohner zuordnen.

Über das Nummernschild konnte der 56 Jahre alte Halter des zerstörten VW Golf ermittelt werden. Den Mann aus der Gemeinde Ganderkesee klingelte die Polizei zu nächtlicher Stunde aus dem Bett. Am Donnerstagabend offenbarte dann in einer Wortmeldung am Ende der Gemeinderatssitzung Ratsherr Cord Schütte, dass es sich bei dem Unfallfahrzeug um seinen Wagen gehandelt habe. Gegenüber der Polizei sagte er, dass er sich nicht erklären könne, wie der Wagen auf den Bahnübergang gelangt sein konnte. Vermutlich aufgrund nicht ausreichender Sicherung des Fahrzeuges rollte der unbesetzte Pkw unbemerkt auf die Bahnschienen und blieb dort stehen, wie die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch in einer Pressemitteilung schreibt.

In der Ratssitzung sagte Schütte: „Der materielle Schaden ist schlimm. Aber ich bin heilfroh, dass keine Person zu Schaden gekommen ist. Es tut mir unendlich leid, dass es passiert ist.“ Er hoffe, dass die Umstände, die zu dem Unfall geführt haben, bald geklärt sind.

Gegen den Fahrzeughalter wurde ein Strafverfahren wegen des gefährlichen Eingriffes in den Bahnverkehr sowie ein Ordnungswidrigkeitenverfahren aufgrund der mangelnden Sicherung des Pkw eingeleitet.

Auch ein zweiter Zug, der zur gleichen Zeit in Gegenrichtung unterwegs war, erfasste noch einige der verstreuten Wrackteile des Autos und musste eine Vollbremsung einlegen. Beide Loks wurden erheblich beschädigt und sind der Polizei zufolge aktuell nicht mehr fahrtauglich - die Beamten gehen von einem Sachschaden von rund 100.000 Euro pro Zug aus.

Die insgesamt 15 Reisenden sowie die Zugführer blieben bei dem Zusammenstoß unverletzt. Rettungsdienste waren im Einsatz. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. Es kam zu deutlichen Behinderungen im Berufsverkehr. Um 10 Uhr war die Bahnstrecke zwischen Delmenhorst und Oldenburg nach Angaben der Bahn wieder freigegeben, der Regionalverkehr der Linien RS3 (Bad Zwischenahn - Oldenburg - Bremen) und RS 4 (Nordenham - Bremen) nahm um 11.36 Uhr wieder den Betrieb auf. Dennoch kann es bis zum frühen Nachmittag noch zu Verzögerungen kommen, wie Stephanie Nölke, Pressesprecherin der Nordwestbahn für die Region Bremen und Niedersachsen mitteilt.

Die Linie RS 3 pendelte nach dem Unfall weiter zwischen Bremen und Delmenhorst sowie Bookholzberg und Bad Zwischenahn. Die RS 4 fuhr in der Zeit lediglich zwischen Hude und Nordenham. Ab 1.45 Uhr wurde ein Busnotverkehr auf der Strecke zwischen Hude und Delmenhorst eingesetzt.

Die beiden Zugführer durften ihren Dienst aussetzen, sie wurden von Kollegen abgelöst. „Das ist bei und gängige Praxis”, so Nölke. „Sie haben die Möglichkeit, psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen.” Am Unfallort war bereits geschultes Personal anwesend, das eine Erstbetreuung der Zugführer vornahm. „Wir sind da sehr vorsichtig”, so Nölke.

Die beiden in den Unfall involvierten Züge wurden in die Werkstatt nach Bremerhaven-Wulsdorf gefahren, die Höhe des entstandenen Schadens wollte Nölke nicht beziffern. „Meist bleibt es leider nicht bei den Schäden, die von außen sichtbar sind.”

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