Osnabrück
Ermittler aus Osnabrück zerschlagen internationale Autoschieber-Bande
Der Kriminalinspektion Osnabrück ist es nach dreijähriger Ermittlung gelungen, eine internationale Autoschieber-Bande zu zerschlagen. Die Täter hatten zahlreiche Luxusautos in Millionenhöhe gestohlen. Die Ermittler werten dies als Schlag gegen die organisierte Kriminalität.
Der Polizeidirektion Osnabrück ist ein weitreichender Ermittlungserfolg gelungen. Die Ermittler konnten einer international agierenden Bande das Handwerk zu legen, die sich auf den Diebstahl und den Verkauf gestohlener Fahrzeuge spezialisiert hatte.
Den Ermittlern war demnach im Jahr 2018 ein deutlicher Anstieg von Fahrzeugdiebstählen in der Region Osnabrück aufgefallen. Die „Spezialdienststelle für komplexe Kriminalität” nahm daraufhin ihre Ermittlungen in Form von genauen Analysen und Auswertungen auf, die Gemeinsamkeiten zu weiteren Taten in ganz Deutschland und sogar darüber hinaus zu Tage förderten.
Es folgten über drei Jahre umfangreicher Ermittlungen, an denen auch die niederländische Polizei, das Internationale Rechtshilfezentrum (IRC) in Den Haag und Groningen sowie Europol beteiligt waren. Federführend waren die Zentrale Kriminalinspektion und die Staatsanwaltschaft Osnabrück.
In der vergangenen Woche, am 11. Januar, konnte schließlich einer der führenden Köpfe der Bande, ein 66-jähriger Niederländer, in Ter Apelkanaal in den Niederlanden festgenommen werden. Ein weiteres führendes Mitglied befinde sich in Litauen in Untersuchungshaft. Beide Männer sollen demnächst der deutschen Justiz übergeben werden.
Insgesamt seien 13 Bandenmitglieder ermittelt worden, die alle im Verdacht stehen, Fahrzeuge im Gesamtwert von rund 2,5 Millionen Euro überwiegend in Deutschland entwendet und mit gefälschten Fahrzeugpapieren illegal weiterverkauft zu haben. Von den 32 entwendeten Autos konnten die Ermittler bisher elf Stück bei Durchsuchungen sicherstellen. Bei einer Durchsuchung in Litauen Ende 2021 seien außerdem rund 400.000 Euro Bargeld sowie 60 gefälschte Fahrzeugbriefe gefunden worden.
Die Diebstähle hatten sich in den vergangenen zwei Jahren in verschiedenen Bundesländern ereignet, unter anderem in Hamburg, Köln, Nürburg, aber auch in Osnabrück, Lotte und Münster.
Die Ermittler fanden heraus, dass ein Großteil der gestohlenen Fahrzeuge über den Hafen von Rotterdam nach Dubai verschifft wurde. Das bedeute allerdings nicht, dass sie nun alle auf den Straßen Dubais zu finden seien, erklärte ein Sprecher der Polizei Osnabrück gegenüber unserer Zeitung. Es werde vermutet, dass die Fahrzeuge von dort weiter exportiert werden.
Spezialisiert hätten sich die Autoschieber vor allem auf Luxusautos mit Werten von über 100.000 Euro. Allerdings seien auch immer wieder günstigere Mittelklassewagen dabei gewesen. Diese seien dann nicht verschifft, sondern größtenteils innerhalb Deutschlands über entsprechende Fahrzeugbörsen und Hehler verkauft worden. Die Täter seien hochprofessionell vorgegangen, unter anderem indem sie die Fahrzeugpapiere fälschten und sogar die Fahrzeugidentifizierungsnummern (FIN) an den Autos veränderten.
Das Zerschlagen der Autoschieber-Bande bewertet die Polizei als einen Erfolg im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Marco Ellermann, Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück, erklärte, dass dies durchaus als empfindlicher Schlag gegen internationale Strukturen zu bezeichnen sei, da nicht nur die „kleinen Fische”, sondern auch Mitglieder der mittleren bis Führungsebene der Bande festgenommen worden seien.
Dieser Ermittlungserfolg werde nach Einschätzung von Marco Ellermann auch in der Welt der organisierten Kriminalität wahrgenommen werden. „Das wird sich rumsprechen und das ist auch gut so”, betonte er.
Die umfangreichen Ermittlungen hatten mehr als drei Jahre gedauert. Und damit sei die Arbeit noch lange nicht getan. Nun sei es an der Zeit, weitere Hinweise auf Hintermänner oder die Logistik der Bande zu sammeln. Außerdem müssten zunächst zahlreiche Indizien aus den Durchsuchungen untersucht werden.
Eine derart lange Recherche, die dann auch noch von Erfolg gekrönt ist, sei durchaus eine Besonderheit. Doch die langwierigen und komplexen Ermittlungen hätten sich gelohnt.
Im Rahmen der Ermittlungen gelang den Polizisten dabei noch ein nicht unerheblicher Zufallsfund: In einem Geschäftshaus in Ter Apelkanaal in den Niederlanden, wo auch der Kopf der Bande festgenommen wurde, fanden die Ermittler eine voll ausgestattete und illegal betriebene Zigarettenfabrik mit 1,5 Millionen Zigaretten. Die Produktionsstätte sei stillgelegt worden und die niederländische Polizei würde in dem Fall weiter ermitteln.