Stadtplanung

Frist läuft ab: Aurich wegen Kasernengelände unter Druck

| | 20.01.2022 16:39 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Vor acht Jahren haben die letzten Soldaten die Blücher-Kaserne verlassen. Foto: Archiv/Ortgies
Vor acht Jahren haben die letzten Soldaten die Blücher-Kaserne verlassen. Foto: Archiv/Ortgies
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Personal geht weg, Fristen laufen ab: Die Stadt Aurich gerät bei der Entwicklung des Kasernengeländes unter Druck. Wenn sie nicht zügig die Verträge unter Dach und Fach bringt, verliert sie Geld.

Aurich - Die Stadt Aurich muss Vollgas geben, damit ihr die Planung eines neuen Stadtteils auf dem Kasernengelände nicht um die Ohren fliegt. Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) hat die Vorsitzenden der Ratsfraktionen in einer nicht öffentlichen Sitzung darüber informiert. Damit bereits zugesagte Fördermittel nicht verloren gehen, muss jetzt alles ganz schnell gehen, denn die Vergabe der Fördermittel ist an Fristen gebunden. Wichtige Verträge müssen bis März unterschrieben sein.

Die Blücher-Kaserne steht seit knapp acht Jahren leer. Das 40 Hektar große Gelände gehört dem Bund. In Abstimmung mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) entscheidet die Stadt Aurich über die Nachnutzung. Zwei Investoren wollen einen Teil der Flächen erwerben, sanieren und bebauen beziehungsweise bestehende Gebäude umbauen. Dabei handelt es sich um den Kernbereich des Kasernengeländes mit dem Divisionsgebäude, zwei denkmalgeschützten H-Gebäuden, dem Wirtschaftsgebäude und den Wachgebäuden am Eingang. Dort sollen 300 bis 350 Wohneinheiten entstehen. Geplant sind außerdem Flächen für Gastronomie, Hotellerie, Büros, Sport, Praxen, Altenpflege und Kinderbetreuung sowie ein Nahversorger. Die Investoren stehen in den Startlöchern, doch es sind noch vertragliche Details zu klären.

Sprung ins kalte Wasser

Unter Druck gerät die Stadt auch aus personellen Gründen: Nach dem Weggang von Fachbereichsleiterin Irina Krantz im vergangenen Herbst hat nun auch Bauamtsleiterin Anna Heimlich gekündigt. Sie ist bereits weg. Informationen seien innerhalb der Verwaltung nicht weitergegeben worden, heißt es aus der Politik.

Das bedeutet: Die neue Stadtbaurätin Alexandra Busch-Maaß muss nun fast ohne Einarbeitung die abschließenden Verhandlungen mit den Investoren und der Bima führen. Die Stadt verzichtet für die betroffenen Teilflächen auf das Erstzugriffsrecht. Über einen städtebaulichen Vertrag mit den Investoren sichert sie ihr Mitspracherecht bei der Gestaltung des Geländes. Darin wird unter anderem festgeschrieben, dass das Kernensemble der Bestandsgebäude erhalten bleibt und dass die Bäume nicht gefällt werden dürfen. Erst wenn dieser Vertrag unterzeichnet ist, kann die Bima an die beiden Investoren verkaufen.

„Da ist noch nichts verloren“

„Wir müssen uns sputen, um die Fristen einzuhalten“, sagte Bürgermeister Feddermann im Gespräch mit der Redaktion. „Das ist alles sehr knapp.“ Dennoch gab sich der Verwaltungschef zuversichtlich: „Im Moment brennt es zwar, aber es ist noch nicht aussichtslos.“ Auch der CDU-Ratsherr Bodo Bargmann bleibt optimistisch: „Da ist noch nichts verloren“, sagte er.

Auf dem Kasernengelände soll ein neuer Stadtteil entstehen.
Auf dem Kasernengelände soll ein neuer Stadtteil entstehen.

Bargmann war bis zum vergangenen Jahr Vorsitzender des Konversionsausschusses und ist bestens in die Materie eingearbeitet. „Die politischen Beschlüsse, die wir gefasst haben, sind aufgrund der personellen Veränderungen im Hause ein bisschen ins Stocken geraten“, sagte er. Dennoch sei es „realistisch, dass wir die Pläne umgesetzt kriegen“, so Bargmann. In absehbarer Zeit müssten Ausschreibungen und Aufträge erfolgen. „Wir müssen uns sputen.“

Grünen-Fraktionschefin Gila Altmann war bislang stets als scharfe Kritikerin der Verwaltung aufgetreten und hatte mangelnde Transparenz bei der Entwicklung des Kasernengeländes beklagt. Doch jetzt ist auch sie zuversichtlich: Die neue Stadtbaurätin Busch-Maaß und die ebenfalls noch recht neue Fachbereichsleiterin Laura Rothe machten auf sie einen sehr guten Eindruck. „Denen traue ich wirklich sehr viel zu“, sagte Altmann. „Wenn das jemand hinkriegt, dann diese beiden. Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass jetzt Struktur in das Thema Kasernengelände kommt.“ Es sei eine zweite Chance.

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