Fußball

In sechs Bundesländern dürfen Ungeimpfte weiter mitspielen

| | 21.01.2022 16:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die fehlende Impfung sorgt nun vermutlich für das Ende der erfolgreichen Zeit von Nikky Goguadze bei Kickers Emden. Nicht in jedem Bundesland hätte es soweit kommen müssen. Foto: Doden
Die fehlende Impfung sorgt nun vermutlich für das Ende der erfolgreichen Zeit von Nikky Goguadze bei Kickers Emden. Nicht in jedem Bundesland hätte es soweit kommen müssen. Foto: Doden
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In Niedersachsen gilt seit Anfang Dezember selbst beim Fußballspielen die 2G-Regel. Nicht alle Bundesländer sind so streng. Eines ist Hamburg. Dort spielt auch ein ehemaliger Emder Leistungsträger.

Hamburg - Wäre Kickers Emden ein Verein in Hamburg, Sachsen-Anhalt oder Berlin, würden die Goguadze-Brüder in der Rückserie möglicherweise weiter für den Fußball-Oberligisten spielen. Denn anders als in Niedersachsen gibt es in sechs der 16 Bundesländer keine 2G-Regel für den Vereinssport an der frischen Luft. „Bei uns in Hamburg gilt nicht einmal 3G. Es wird also auch kein negativer Corona-Test benötigt, alle dürfen spielen. Der Senat und auch der Fußballverband halten die Ansteckungsgefahr an der frischen Luft für äußerst gering“, sagt Carsten Byernetzki, stellvertretender Geschäftsführer des Hamburger Fußball-Verbandes (HFV).

Carsten Byernetzki ist stellvertretender Geschäftsführer im Hamburger Fußball-Verband. Foto: Imago
Carsten Byernetzki ist stellvertretender Geschäftsführer im Hamburger Fußball-Verband. Foto: Imago

In Niedersachsen dagegen gilt seit Wochen sogar 2G+ beim Freiluftsport („nur“ 2G bei 10 Quadratemetern pro Person), seitdem das Land in der „Weihnachts“- und „Winterruhe“ vorsorglich die Warnstufe 3 ausgerufen hatte. Erst bei Warnstufe 1 ist draußen auch für Ungeimpfte laut Corona-Verordnung mit der 3G-Regel wieder Vereinssport erlaubt, in der Warnstufe 0 auch drinnen (draußen dann ohne Beschränkung). Die momentanen Regeln gelten in Niedersachsen vorerst bis zum 2. Februar. Lockerungen sind dann noch nicht zu erwarten, wie die Landesregierung dieser Tage schon ankündigte.

In diesen Bundesländern ist es anders

Anfang Februar könnten die Verträge der drei Brüder Nikky, David und George Goguadze beim BSV Kickers Emden vermutlich auch schon aufgelöst worden sein. Da das Trio aus den Niederlanden nicht geimpft ist und BSV-Klubchef Dr. Jörg Winter in einem Interview mit unserer Zeitung vor einigen Wochen die Impfung allerdings als eine Voraussetzung für eine Weiterbeschäftigung festgelegt hatte, stehen die Zeichen auf Trennung. Wie schon bei den letzten beiden Spielen im Dezember dürfen die Brüder beim Vorbereitungsstart am Sonntag wegen der 2G-Regel ohnehin nicht mitwirken. Auch in anderen ostfriesischen Vereinen gibt es wie bundesweit noch ungeimpfte Spieler, die momentan vom Teamsport ausgeschlossen sind.

In sechs Bundesländern wird das anders gehandhabt. In Hamburg, Schleswig-Holstein und weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommern (MV) gilt die „Kein-G-Regel“: Wer draußen Vereinssport treiben möchte, muss weder geimpft, genesen noch getestet sein. In MV gilt 2G nur in Regionen mit der Warnstufe rot, viele sind derzeit gelb oder orange. In Hessen ist Fußballspielen ohne G-Status in Landkreisen mit einer Inzidenz bis 350 möglich – ab dann gilt 2G. Die 3G-Regel wird in Sachsen-Anhalt und Berlin angewendet. Drinnen gilt fast überall 2G+.

Kuriose Situation in Hamburg

Im von Mediziner und Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) regierten Hamburg können Fußballer die Kabinen und Duschen auch ungeimpft und ungetestet nutzen. Es müssen jedoch Hygienemaßnahmen wie Maskenpflicht oder anderes eingehalten werden. Der Spielbetrieb in der Hansestadt wird nun aber kurios.

Denn im Hamburger Verband spielen mit dem TSV Buchholz (Oberliga) und BSV Buxtehude (Kreisklasse) zwei Vereine aus Niedersachsen. Hinzu kommen noch 70 Klubs aus Schleswig-Holstein, die meisten aus dem angrenzenden Kreis Pinneberg. „Das hat historische Gründe, dass all diese Vereine noch in unserem Verband organisiert sind“, sagt HFN-Funktionär Carsten Byernetzki, der von 1984 bis 1998 als Schiedsrichter-Assistent in der Bundesliga unterwegs war.

Ostfriese spielt für Eimsbüttel

Während in Niedersachsen und auch Ostfriesland die Amateurteams dieser Tage in die Vorbereitung starten und die ersten Punktspiele erst Anfang März sind, rollt der Ball in Hamburg schon. „Es fanden die letzten Wochenenden schon sehr viele Testspiele statt“, sagt Carsten Byernetzki. In der Oberliga beginnt nun auch schon der Spielbetrieb. Eine Nachholpartie fand am Sonntag schon statt – in Niedersachsen. Dabei trennten sich Buchholz aus Niedersachsen und der Hamburg-Eimsbütteler Ballspiel-Club (HEBC) 2:2.

Hendrik Diekmann (links), ehemaliger Vizekapitän von Kickers Emden, lebt inzwischen in Hamburg. Dort ist er für Eimsbüttel in der Oberliga aktiv. Foto: Imago
Hendrik Diekmann (links), ehemaliger Vizekapitän von Kickers Emden, lebt inzwischen in Hamburg. Dort ist er für Eimsbüttel in der Oberliga aktiv. Foto: Imago

„Das ist schon alles etwas absurd und kann da ja auch zu Wettbewerbsverzerrungen führen, auch wenn das für uns nun nicht zutraf. Wir mussten wegen der 2G-Regel keinen zuhause lassen“, sagt Lars Meissner, Liga-Manager beim HEBC. Auch bei Auswärtsspielen in Schleswig-Holstein gelten andere Regeln. Ungeimpfte dürfen mitspielen, aber keine Kabinen nutzen.

Mit Hendrik Diekmann ist ein in Hamburg lebender Ostfriese Stammspieler beim HEBC. Der 29-jährige Hager spielte schon für den SV Hage, TuS Esens und Kickers Emden. Auch wenn in Hamburg für Sportler derzeit die „lockersten“ Regeln gelten, verhält sich sein Verein in Eimsbüttel vorsichtig, wie Hendrik Diekmann berichtet. Umgezogen wurde sich vor dem Spiel in Buchholz schon in Hamburg, die Besprechung fand in der Turnhalle und die Fahrt nach Buchholz in mehreren Autos statt. „Wir testen uns alle auch freiwillig vor jedem Training. So konnten wir auch zwei Jungs rausfischen, die mit Corona infiziert waren.“

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