Ukraine-Konflikt
Kein baldiges Entrinnen aus dem Teufelskreis
US-Außenminister Antony Blinken und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow haben sich im Streit zwischen Russland und der Nato über die Ukraine um Entspannung bemüht – mit mäßigem Erfolg
Die Krisendiplomatie läuft seit nunmehr zwei Wochen auf Hochtouren, ein Gespräch jagt das andere – und doch bewegen sich Russland und die USA mit ihren Nato-Verbündeten im Kreis. Das hat das Treffen von US-Außenminister Antony Blinken mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow eindrücklich illustriert. Beide Seiten halten fest an der Logik des Kalten Krieges: Bist Du nicht bereit einzulenken, bin ich es auch nicht. Es ist die Logik von empfundener Bedrohung und zur Schau getragener Abschreckung. Es sieht nicht danach aus, dass es daraus so bald ein Entrinnen geben könnte. Wahrscheinlicher ist, dass sich die Lage weiter hochschaukelt. Warum Russlands Präsident auch noch Luftabwehrsysteme in Weißrussland unweit der Grenze zur Ukraine stationieren will, wo man in Moskau doch angeblich keine feindseligen Absichten zum Nachbarn hegt, bleibt Putins Geheimnis.
Solange geredet wird, schweigen immerhin die Waffen. Das ist das Gute an der Krisendiplomatie. Die Gefahr, dass ein Funke, eine unüberlegte Äußerung oder eine als Provokation empfundene Aktion, das Pulverfass endgültig zur Explosion bringt ist gleichwohl real. Ein neuer Krieg in Europa, in dem Russland als atomare Großmacht und das transatlantische Verteidigungsbündnis aufeinanderstoßen? Es wäre ein Desaster, das man sich nicht ausmalen möchte. Es gäbe nur Verlierer.
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