Alltagsärger

Hunderte Mieter in Barenburg werden zur Müllgemeinschaft

Gordon Päschel
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Von Gordon Päschel
| 21.01.2022 19:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Problemberg: An der Kreuzung Hermann-Almers- und Wilhelm-Hauff-Straße türmt sich Müll. Dahinter stehen Anlieger und Mitglieder des Stadtbeirates, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Das Bild stammt aus dem Jahr 2016. Das Grundproblem ist in einigen Teilen Barenburgs geblieben. Foto: Päschel/Archiv
Problemberg: An der Kreuzung Hermann-Almers- und Wilhelm-Hauff-Straße türmt sich Müll. Dahinter stehen Anlieger und Mitglieder des Stadtbeirates, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Das Bild stammt aus dem Jahr 2016. Das Grundproblem ist in einigen Teilen Barenburgs geblieben. Foto: Päschel/Archiv
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Im Kampf gegen Müll, Ratten und steigende Abfuhrkosten werden in Barenburg Sammelstationen eingerichtet. Betroffen sind Hunderte Mieter. Nicht alle sind begeistert. Im Gegenteil.

Emden - Zum 1. Februar werden im Emder Stadtteil Barenburg die Mülltonnen von Hunderten Haushalten durch große Gemeinschaftscontainer ersetzt. Die Umstellung betrifft alle Mieterinnen und Mieter, deren Immobilien durch die Gesellschaft ZBVV verwaltet werden. Sie sind aufgefordert, ihren Müll nicht mehr vor der eigenen Haustür in einer eigenen grau-schwarzen Tonne, einer blauen Altpapiertonne oder in gelben Säcken zu entsorgen, sondern an Sammelplätzen, die eingerichtet werden. Damit reagiert die Hausverwaltungsgesellschaft nach eigenen Angaben auf steigende Kosten und Probleme mit Umweltverschmutzung.

Was und warum

Darum geht es: die Müllentsorgung im Emder Stadtteil Barenburg

Vor allem interessant für: Anlieger, die von einer geplanten Umstellung bei der Müllabfuhr betroffen sind, sowie alle, denen verunreinigte Viertel ein Dorn im Auge sind

Deshalb berichten wir: Zum 1. Februar werden in Barenburg für Hunderte Haushalte Müllsammelstationen eingerichtet. Nachdem sich Mieter dagegen zu Wort gemeldet haben wollten wir wissen, was die verantwortliche Hausverwaltung und die städtische Müllabfuhr dazu sagen.

Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de

Auf Nachfrage versichert eine Sprecherin des Unternehmens, dass entgegen der Befürchtung einiger Mieter „keine zusätzlichen Gebühren“ entstünden. Sie gehe stattdessen sogar von „erheblichen Einsparungen“ aus, „die sich stark mindernd auf die jährlichen Betriebskostenabrechnung“ auswirken könnten. Anders als in Emden üblich, wird für ZBVV-Mieter künftig nicht mehr für jeden Haushalt die eigene Tonne gewogen und abgerechnet, sondern sie werden in „sogenannten Müllgemeinschaften“ zusammengefasst. Die Kosten würden unter mehreren „Hauseingängen“ aufgeteilt. Wie genau das passiert, solle „zum gegebenen Zeitpunkt auch an die Mieter kommuniziert“ werden.

„Desolate Zustände“

Dass die Umstellung erfolgt, begründet die Sprecherin mit teilweise „desolaten Zuständen“ im Viertel. Tatsächlich ist die Vermüllung in einigen Gebieten Barenburgs und an anderen Stellen der Stadt seit Jahren ein Reizthema. Immer wieder beschweren sich sowohl Anlieger als auch Mitarbeiter des BEE über wilde Müllkippen und verdreckte Plätze.

Ein Problem: Weil Müll falsch getrennt oder entsorgt wird, weigert sich der BEE, diesen auf seinen Touren mitzunehmen. Die Hausverwaltungsgesellschaften sind ihrerseits verpflichtet, zusätzliche Dienstleister mit der Abfuhr zu beauftragen. Die Extrakosten legt die ZBVV in der Nebenkostenabrechnung unter dem Punkt „Sperrmüll“ auf Mieter um. Ignorieren lässt sich zurückbleibender Müll auch deswegen nicht, weil er Ratten und Ungeziefer anlockt.

Lösen Sammelplätze das Problem?

ZBVV-Mieter in Barenburg wie Heinz Mammen oder Helga Steiml sperren sich allerdings gegen die angekündigte Einrichtung von zentralen Sammelstellen mit Großcontainern. Sie hatten sich an die Redaktion gewandt, weil sie sich nicht ausreichend über die Umstellung informiert sehen und deutlich steigende Gebühren befürchten. Dass Sammelplätze gegenüber der jetzigen Tonnenlösung besser in Ordnung zu halten sind, bezweifeln sie. Sie verweisen auf die Erfahrung eines ähnlichen Versuchs in den 90er-Jahren.

Damals sei an den Containerstellplätzen jede Menge anderer Müll von Fremden entsorgt worden, erinnern sie. Die dadurch entstanden Zusatzkosten waren wiederum auf die Mieter umgelegt worden. Weil ihre Hausgemeinschaft keine Probleme mit Dreck hat, sie selbst nur wenig entsorgen und deswegen vom individuellen Abfallwiegesystem in Emden profitieren, lehnen sich der 96-Jährige und die 74-Jährige gegen ihre Hausverwaltung auf.

Beim BEE hält man sich auf Nachfrage zu dem Protest und der Umstellung zurück. „Die Entscheidung obliegt der Wohnungsbaugesellschaft“, teilt die Pressestelle der Stadt mit, die für den BEE alle Anfragen beantwortet. Man stehe aber „mit den Wohnungsbaugesellschaften in Kontakt“. Als Hauptproblem wird „die falsche Sortierung“ genannt.

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