Kundenservice
Seniorenbeirat trotzt zwei Bankvorständen Angebot ab
Wer auf dem Land lebt und nicht Autofahren kann, ist benachteiligt – beispielsweise, wenn eine Bank geschlossen wird. Das ist in Jümme der Fall. Der Seniorenbeirat stellte Banker deshalb zur Rede.
Jümme - Einen Termin gibt es noch nicht, wohl aber die Willensbekundung, in absehbarer Zeit im Rathaus in Filsum eine Schulung für diejenigen anzubieten, die sich für das Online-Banking und die Nutzung einer Bank-App interessieren. Die Zusage dafür trotzte der Senioren- und Behindertenbeirat in der Samtgemeinde Jümme Heinz Feldmann, Vorstandvorsitzender der Sparkasse Leer-Wittmund, und Ulrich Jungmann, Vorstand der Raiffeisenbank Moormerland, ab.
Die beiden Experten in Sachen Geldgeschäfte waren der Einladung zur Beiratssitzung gefolgt. Sie mussten einsehen, dass die Senioren- und Behindertenvertreter Lösungen wollen und sich nicht mit Erklärungen zur Wirtschaftlichkeit von Filialen und deren Sicherheitsproblemen zufrieden geben: Es ging um die Schließung von Banken und Sparkassen auf dem Land und darum, was deren Vorstände unter Kundenservice verstehen und wie sie den für die Menschen in den Dörfern verbessern wollen.
Benachteiligung von Bankkunden
„Denn die Schließung einer Filiale trifft vor allem diejenigen, die nicht mal schnell mit dem Auto irgendwohin fahren können und deshalb auf die Hilfe anderer angewiesen sind, wollen sie Geld von ihrem Konto abheben, Überweisungen vornehmen oder Kontoauszüge ausdrucken“, fasste Wilfried Heikens aus Nortmoor, Vorsitzender des gastgebenden Gremiums, dessen Kritik zusammen. Selbst diejenigen, die firm darin seien, einen Computer zu bedienen und ein Smartphone zu nutzen, würden bei der Erledigung ihrer Bankgeschäfte behindert, weil der Netzausbau längst nicht in allen Orten gleich gut vorangeschritten sei. „Nicht jeder hat schnelles Internet oder einen Sendemast mit großer Reichweite in der Nähe“, so Heikens. Außerdem sei die Handhabung der Software oft viel zu kompliziert.
Ungeachtet dessen gebe es Menschen, die dem Online-Banking, also der Erledigung der Bankgeschäfte übers Internet oder einer Bank-App generell skeptisch gegenüber stünden. „Und nicht jeder versteht gleich bei der ersten Erklärung die Handhabung der modernen Technik. Der eine oder andere braucht vielleicht einfach mehr Zeit und vor allem Übung, um das zu lernen“, gab Beiratsmitglied Johanne Bruns aus Lammertsfehn zu bedenken.
Immer weniger Filialen in den Dörfern
Auf Vorschlag von Ulrich Jungmann von der Raiffeisenbank Moormerland werden nun deren Auszubildende Schulungen anbieten, an denen die Kunden der Sparkasse Leer-Wittmund ebenfalls teilnehmen können. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Er wird aller Voraussicht nach im Internet auf der Homepage der Samtgemeinde Jümme und in der Ostfriesen-Zeitung bekanntgegeben. Damit zeigte sich der Senioren- und Behinderten von Jümme zufrieden. Eine generelle Lösung des Problems, den der Rückzug der Raiba und der Sparklasse aus der Fläche verursache, sei das jedoch nicht. Die Schließung von Filialen benachteilige alle diejenigen, die nicht mobil seien, machte Wilfried Heikens noch einmal deutlich.
Die Sparkasse Leer-Wittmund hat in der Samtgemeinde Jümme zwei Filialen. Die in Filsum ist montags und donnerstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. In der Filiale in Detern gibt es nur einen Geldautomaten. Das Kunden-Service-Center in der Hauptgeschäftsstelle in Leer hingegen sei montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr für die Sparkassenkunden erreichbar, sagte Vorstandsvorsitzender Heinz Feldmann in der Sitzung des Senioren- und Behindertenbeirates.
Die Raiffeisenbank Moormerland unterhält in Jümme keine Bankstelle mehr. Die in Nortmoor ist seit einem Einbruch am 21. Oktober 2019 geschlossen. Raiba-Kunden müssen nach Hesel ausweichen. In der Bankstelle in Holtland ist nur der Geldautomat zugänglich, seit dessen Sprengung am Montag in der Frühe gibt es den aber nun auch nicht mehr. Das Kundenzentrum der Raiffeisen-Volksbank Aurich in Filsum ist seit dem 1. August 2020 geschlossen.