Lebensmittelsicherheit
Kontrollen im Hafen: Nicht jeder Fisch kommt auf den Tisch
Die Pandemie und Tierseuchen wirbelten 2020 am Jade-Weser-Port Wilhelmshaven vieles durcheinander. Kontrollen des Veterinäramtes brachten zudem Dinge ans Licht, die nicht ins Essen gehören.
Roffhausen - Wer in sein frisch zubereitetes und mit Pfeffer gewürztes Kabeljaufilet beißt, erwartet Gaumenfreuden und keine Salmonellen- und Nitratbelastung aufgrund verunreinigter Lebensmittel. Ohne das Team der Grenzkontrollstelle des Zweckverbandes Veterinäramt Jade-Weser wären aber genau diese beiden Produkte samt ihrer Krankheitserreger wohl auf hiesigen Tellern gelandet. Insgesamt untersuchten die Mitarbeiter der Behörde mit Sitz in Roffhausen im vergangenen Jahr 1062 Einfuhrsendungen am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven. Das sind fast 17 Prozent mehr als 2020.
Was und warum
Darum geht es: Die Sicherheit von Lebensmitteln, die am Containerhafen Wilhelmshaven im- oder exportiert werden.
Vor allem interessant für: gesundheitsbewusste Verbraucher
Deshalb berichten wir: Das Veterinäramt zieht Jahr für Jahr eine kleine Bilanz und gibt damit Einblicke in den Arbeitsalltag der Mitarbeiter, die sonst meist im Verborgenen agieren. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
„Corona hat da relativ viel durcheinandergebracht“, sagte Dr. Melanie Schweizer am Montag in Roffhausen. Arbeitsschwerpunkt der stellvertretenden Verbandsgeschäftsführerin ist der Verbraucherschutz. Gemeinsam mit Verbandsgeschäftsführer Dr. Norbert Heising stellte sie die Jahresberichte 2021 der Behörde vor. Die ist für die Kreise Wittmund, Friesland, Wesermarsch und die Stadt Wilhelmshaven zuständig. Die insgesamt 79 Mitarbeiter an vier Standorten agieren meist außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung. In der Grenzkontrollstelle am Jade-Weser-Port sind es vier Mitarbeiter. „Für die war es ein vollkommen untypischer Jahresablauf“, fasst Schweizer die pandemiebedingten Höhen und Tiefen der zurückliegenden Monate zusammen: In manchen Wochen kamen die Kontrolleure an die Grenzen ihrer Belastbarkeit, in anderen herrschte Flaute.
Verwirbelungen bringen andere Produkte in den Port
2020 kam der Hafen, den eigenen Zahlen zufolge, auf 423.000 TEU Umschlag. Ein TEU entspricht einem 20-Fuß-Standardcontainer. Im Vor-Corona-Jahr 2019 waren es noch 639.000 Container. Damals wurden noch gut 21 Prozent mehr Einfuhrsendungen als 2020 kontrolliert. Aus Sicht der Amtsveterinäre aber zählt nicht die Masse: Ausschließlich die Inhalte der Container entscheiden darüber, ob die Kontrolleure zum Zug kommen. Seit 2012 gibt es die Grenzkontrollstelle am Jade-Weser-Port als Spezialbereich in Sachen Lebensmittelsicherheit und Seuchenschutz beim Im- und Export sowie Umladen von Containern. Sie ist die Einzige für Containerware in Niedersachsen und eine Ergänzung zu den grundsätzlichen Aufgaben des Veterinäramtes in Sachen Lebensmittelsicherheit. In Deutschland sind dafür laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Länder zuständig: „Die Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämter der Kreise und kreisfreien Städte nehmen vor Ort Proben und kontrollieren Betriebe.“ Überprüft werde die Erzeugung, Lagerung, Beförderung und der Verkauf von Lebensmitteln. Dazu Gastronomiebetriebe.
Die Gründe für die Schwankungen bei den Kontrollzahlen übers Jahr 2020 gesehen sind den Veterinären zufolge vielfältig: Containerschiffe mit Ziel Hamburg wurden zeitweise aus Kapazitätsgründen nach Wilhelmshaven umgelenkt. Dazu war der Suezkanal vorübergehend unpassierbar, diverse Häfen seien dicht gewesen. Ihre Mitarbeiter sahen sich plötzlich mit ungewohnten Waren konfrontiert: So musste Pfeffer aus Brasilien auf den Prüfstand, schilderte Schweizer. Der war eigentlich für Hamburg bestimmt. Die Kontrolleure fanden Salmonellen. Teils müssen kontaminierte Lebensmittel in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt werden: beispielsweise der mit Nitrat belastete Kabeljau oder der Alaska Pollock, der von einem nicht zugelassenen chinesischen Fangschiff kam. Fisch und Fischprodukte machen mit 67 Prozent den größten Anteil der in Wilhelmshaven angelandeten Waren aus.
Afrikanische Schweinepest
Andere Lebensmittel tierischer und pflanzlicher Herkunft, Tierfutter oder auch Küchenutensilien werden bei Grenzkontrollen regelmäßig oder stichprobenartig beprobt, schilderte Schweizer. Wurden Container vor ihrer Ankunft in Wilhelmshaven schon einmal geöffnet, sei oft unklar, wie und unter welchen Bedingungen das geschah, monierte Schweizer. Wurde dabei die Kühlkette unterbrochen, hat das teils verheerende Folgen.
Ein Beispiel: Ein Hafen in China wies 19 Container Schweinefleisch ab. Grund war die Afrikanische Schweinepest. Das Fleisch war vor dem Ausbruch produziert worden. China änderte aber die Einfuhrregeln, während die Container auf See waren. Sie wurden in Asien abgewiesen, kamen zurück. Zwischenzeitlich waren fünf der Transportbehälter aber unter unklaren Umständen geöffnet worden. Ihr Inhalt musste entsorgt werden. Aus dem Inhalt der verbliebenen 14 Container konnte immerhin noch Tierfutter gemacht werden.