Bauen & Umwelt
Emder Baugebiet Conrebbi: Wohin mit dem Problem-Boden?
Mit Conrebbersweg-West entsteht ein neuer Emder Stadtteil. Dabei fallen Tausende Kubikmeter sulfathaltiger Bodenaushub an, die Entsorgung ist teuer. Die Stadt hat dafür eine ungewöhnliche Lösung.
Emden - Unter der grünen Oberfläche westlich von Conrebbersweg schlummern Tausende Kubikmeter sulfathaltiger Boden. So lange diese Erde nicht freigelegt wird und austrocknet, ist es bedenkenlos. Nur: Mit der Erschließung des neuen Emder Stadtteils kommt der potenzielle Problemstoff in den nächsten Monaten buchstäblich ans Licht. Um die Natur vor einer möglichen Übersäuerung zu schützen, braucht es also eine Lösung. Und die Stadt hat dafür eine ungewöhnliche Idee.
Was und warum
Darum geht es: In Emden entsteht ein neuer Stadtteil. Dabei gibt es immer wieder große Herausforderungen.
Vor allem interessant für: alle, die in Conrebbersweg-West bauen wollen oder anderweitig an der Erschließung beteiligt sind
Deshalb berichten wir: Die Vermarktung der Grundstücke hat begonnen, im zweiten Quartal 2022 soll es nun auch mit sichtbaren Bauarbeiten losgehen. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Anstatt, wie in den meisten anderen Baugebieten üblich, den Boden abzufahren und in Deponien entsorgen beziehungsweise ihn dort kostspielig aufbereiten zu lassen, soll der gesamte Aushub an Ort und Stelle auf einem Haufen gesammelt werden. Die erwartete Menge ist beträchtlich: Wie Chef-Stadtplaner David Malzahn in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungs- und Umweltausschusses des Emder Rates mitteilte, rechne man mit bis zu 10.000 Kubikmeter sulfatsauren Materials.
Grüner Sulfatboden-Hügel
Um sich den aufwendigen Abtransport in eine Sonderdeponie zu ersparen, hat die Stadt eine Fläche am Rand des geplanten 2. Bauabschnitts im Sinn (siehe dazu die Karte). Malzahn und die Verwaltung sprechen von einem „Polderstandort“. Die Fläche umfasst 10.000 Quadratmeter. Auf ihr könnte der Bodenaushub bis zu anderthalb Meter hoch aufgeschichtet werden. Am Ende soll der Polder begrünt und bepflanzt werden. Wie Malzahn den Ratsmitgliedern erläuterte, gebe es „viele Pflanzen, denen machen sulfathaltige Böden nichts aus“.
Geht es um Umweltbelange beim Megaprojekt Conrebbersweg-West, gibt es kaum einen skeptischeren Ansprechpartner als den Nabu. Beim Naturschutzbund werden die Baugebietspläne der Stadt Emden von Anfang an kritisch betrachtet. Im vergangenen September reichte die deutschlandweit aktive Organisation Klage dagegen ein. Und mehr noch: Zum Ärger der Stadtverwaltung, die den neuen Stadtteil gerade auch aus Gründen der Nachhaltigkeit voranbringen möchte, verlieh ihr der Nabu Ende Dezember den Umweltsünderpreis „Dino des Jahres“ .
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Was hält der Nabu davon?
Gefragt nach der nun präsentierten Sulftatboden-Lösung, sagt der Regionalgeschäftsführer für den Nabu in Ostfriesland, Jan Schürings: „Grundsätzlich ist es möglich, allerdings nur als Deponie.“ Soll heißen: Damit das gesammelte Sulfat nicht freigesetzt wird, mit Sauerstoff reagieren kann, um anschließend als Schwefelsäure potenziell Schäden zu verursachen, müsse der Aushub abgedichtet werden, so Schürings.
Neben der technischen Umsetzung interessiert er sich für die rechtlichen Bestimmungen. „Normalerweise werden solche neuen Deponien nicht so einfach genehmigt“, sagt er. Deswegen stelle sich ihm die Frage, wer dafür grünes Licht gegeben hat. Nach Informationen der Redaktion aus Verwaltungskreisen ist es Sache der Unteren Bodenschutzbehörde. In dem Fall hätte die Stadt Emden kurze Wege. Als kreisfreie Stadt könnte sie sich den Bau der Sulfatboden-Deponie einfach selbst genehmigen.