Verkehr
Bürgerradweg: Verein muss geschickt verhandeln
Um eine Radweglücke zwischen Wirdum und Norden zu schließen, wird nun der zweite Bürgerradweg-Verein Ostfrieslands gegründet. Bei den Grundstücks-Verhandlungen könnte das von Vorteil sein.
Krummhörn/Altkreis Norden - Garrelt Agena ist zuversichtlich: Nächste Woche, vielleicht am Dienstag, wird nach „Up Pad gesund mit Rad“ aus Norden nun der zweite Bürgerradweg-Verein Ostfrieslands gegründet. Mit ihm wollen Anwohner der Landesstraße 4 (L4) erreichen, dass eine möglichst große Radweg-Lücke zwischen Grimersumer Neuland und Norden-Süderneuland geschlossen wird.
Wie der Mit-Initiator auf Nachfrage sagt, sollen zunächst aber nur zehn Personen Mitglieder werden, um eine zu große Gründungsversammlung in Coronazeiten zu verhindern. Natürlich habe man aber Interesse daran, dass der Verein schnell wächst. Immerhin gebe es auch eine Whatsapp-Gruppe zu dem Thema mit etwa 50 Mitgliedern.
Was und warum
Darum geht es: Wenn sich der neue Bürgerradweg-Verein gegründet hat, will er Spenden sammeln und Grundstücksverhandlungen führen. Es müssen aber noch Fragen beantwortet werden.
Vor allem interessant für: Radfahrer, die an der Landesstraße 4 unterwegs sind oder sich derzeit wegen des fehlenden Radwegs nicht dorthin trauen
Deshalb berichten wir: Wir hatten gehört, dass sich der Verein jetzt gründen soll. Deshalb haben wird bei dem Initiator nachgefragt. Den Autor erreichen Sie unter: m.hillebrand@zgo.de
Eine Hauptaufgabe des Vereins wird es sein, Grundstücksverhandlungen zu führen. Dafür bekommt Agena bei dem Projekt Unterstützung von den betroffenen Kommunen und vom Landkreis Aurich mit Zugriff auf einen neuen Fördertopf des Landes. Die zweite Hauptaufgabe ist die Suche nach Spendern und Sponsoren. Wofür genau Geld benötigt werde, müsse sich allerdings noch zeigen, so Agena. Man wisse nämlich beispielsweise noch nicht, ob der Verein Grundstücksteile aus eigener Tasche kaufen muss, die für den Radweg benötigt werden. Nach seinen Recherchen handhaben das anderen Radwegvereine unterschiedlich. Es könnten aber auch noch weitere Kosten dazukommen. So müssen beispielsweise die Mitglieder von „Up Pad gesund mit Rad“, die einen Lückenschluss zwischen Norden und Greetsiel erreichen wollen, für die spätere Beschilderung und für einige Verschönerungsmaßnahmen entlang der 3,294 Kilometer langen Strecke an der L27 aufkommen.
Gespräche mit Grundbesitzern
„Up Pad gesund mit Rad“ hatte dabei noch Glück, weil das für ihren Radweg benötigte Stück Land dem Ersten Entwässerungsverband Emden, dem Landkreis und dem Land gehört. Das beschleunigte die Absprachen hat. Der Verein an der L4 hingegen muss sich laut Agena nicht nur mit der Domänenverwaltung des Landes Niedersachsen, sondern auch mit sechs bis sieben privaten Eigentümern einigen, um den etwa zwei Kilometer langen Radweg bauen zu können. Darüber hinaus kündigt der Initiator an, sich auch mit den Grundbesitzern weiter nördlich in Verbindung setzen zu wollen.
Hintergrund: Der Bürgerradweg kann nur zwei Kilometer lang sein, weil dieser Abschnitt nicht zum „vordringlichen Bedarf“ des Radwegekonzepts des Landes gehört. Bei den übrigen acht Kilometern nach Norden rauf ist das schon der Fall. Die Planungen für einen regulären Radweg sind dort also schon fortgeschritten, weshalb der Verein dort nichts mehr ausrichten kann. Macht es denn dann überhaupt Sinn, dass seine Mitglieder auch dort mit den Grundeigentümern sprechen?
Straßenbaubehörde zahlt nur Festpreise
„Jein“, sagt Yasin Kilic, der stellvertretende Leiter des Geschäftsbereichs Aurich der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Egal, was der Verein vorbereite, seine Behörde müsse alle Verhandlungen selbst noch einmal von Null an beginnen. Allerdings könnte der Verein durch Überzeugungsarbeit als Wegbereiter auftreten, denn nicht jeder Grundbesitzer ist erfahrungsgemäß bereit, Land zu verkaufen. So sei das Ergebnis der Verhandlungen auch eine Preisfrage.
Als Behörde müsse man sich beim Kauf an die Bodenrichtwerte halten. Regelmäßig lege ein Gutachterausschuss diese fest und bestimme damit, wie viel ein Stück Land wert ist. Laut Kilic wird dabei auch darauf geschaut, für wie viel Geld andere Grundstücke in der jüngeren Vergangenheit gehandelt wurden und es spielen Faktoren wie die Bodeneigenschaften und die bisherige Nutzung eine Rolle. Aus alledem ergeben sich Festpreise, die die Behörde beim Einkauf nicht überschreiten dürfe. Privatleute oder Vereine könnten hingegen formfreier verhandeln und notfalls auch mehr bezahlen, falls das erforderlich und finanzierbar ist. Agena hofft jedoch auf faire Verhandlungen, weil ein Radweg an der L4 ja auch im Interesse der Grundstückseigentümer selbst liegen müsste.
Ein Kilometer kostet bis zu 350.000 Euro
Wie teuer könnte der neue Radweg dann aber eigentlich insgesamt werden? Laut Kilic werde grundsätzlich mit Baukosten von etwa 300.000 bis 350.000 Euro pro Kilometer gerechnet. Also 600.000 bis 700.000 Euro für die ersten beiden oder drei bis 3,5 Millionen Euro für die ganzen zehn Kilometer. Zu den voraussichtlichen Kaufpreisen könne er aber zu beiden Abschnitten keine Schätzung abgeben. Die Planungen seien noch nicht weit genug, als dass er alle Grundbesitzer und die örtlichen Besonderheiten kenne. Grob über den Daumen gepeilt müssen aber bei einer Fahrbahnbreite von 2,50 Metern zweieinhalb Hektar Land angekauft werden, um die Lücke zwischen Grimersumer Neuland und Süderneuland ganz zu schließen.