Pandemie-Lage

Die Corona-Inzidenz unter Babys in Ostfriesland: 287,15

Andreas Ellinger
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Von Andreas Ellinger
| 26.01.2022 21:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Manche Hunde sollen Corona-Infizierte am Geruch erkennen können. Der Hund auf dem Foto ist jedoch ein Therapiehund, der ein Kind bei einer Corona-Impfung ablenkt. Foto: Goldman/AP/dpa
Manche Hunde sollen Corona-Infizierte am Geruch erkennen können. Der Hund auf dem Foto ist jedoch ein Therapiehund, der ein Kind bei einer Corona-Impfung ablenkt. Foto: Goldman/AP/dpa
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Unter Babys in Ostfriesland gibt es derzeit so viele Corona-Infektionen wie bis vor kurzem nicht in der Gesamtbevölkerung. Unsere Zeitung hat sich bei den Gesundheitsämtern nach der Lage erkundigt.

Ostfriesland - Eine Corona-Inzidenz von 287,15 ist im Herbst, aus ostfriesischer Sicht, noch ein Katastrophenfall gewesen. Das hat sich relativiert. In der vergangenen Woche wurden sogar unter Babys in Ostfriesland (Kinder unter einem Jahr) 287,15 Neuinfektionen in sieben Tagen festgestellt, hochgerechnet auf 100.000 Kleinstkinder.

Zum Vergleich: Die Inzidenz der Gesamtbevölkerung in Ostfriesland lag zum selben Zeitpunkt bei 512,24, die fünf- bis neunjährigen Kinder brachten es auf 1278,06 und die Zehn- bis Vierzehnjährigen auf 1387,41.

Wie ist die Lage in Kitas und Schulen?

Schulen und Kindertagesstätten zählt die Wittmunder Kreisverwaltung momentan – neben Familien – zu den „Hotspots“. Dort herrscht demnach die größte Infektionsgefahr oder es kommt dort zu besonders vielen Ansteckungen. „13 Schulen sind derzeit von Corona-Ausbrüchen unterschiedlich stark betroffen“, schreibt die Kreisverwaltung. In Kitas seien „einzelne Kinder“ corona-positiv. „Die schiere Zahl an Neuinfektionen führt derzeit zu einer Überlastung im Gesundheitsamt“, schreibt die Kreisverwaltung Leer. „In einigen Bereichen“ könnten deshalb nicht mehr regelmäßig eigene Statistiken erstellt werden. So gebe es keine tagesaktuellen Zahlen, was die Infektionen in Schulen und Kitas anbelange.

Aber die Entwicklung konnte dargestellt werden: „Am 18. November waren 18 Schulen und Kitas betroffen, am 14. Dezember 40 und am 20. Januar trotz der Ferienzeit über Weihnachten und Neujahr schon 66 Einrichtungen“ – jeweils über einen Sieben-Tages-Zeitraum hinweg betrachtet. Die Stadtverwaltung Emden scheint schon dazu übergangen zu sein, eine Positiv-Liste zu führen: „Eine Schule in Emden ist derzeit nicht von Infektionsfällen betroffen.“ Auf die Frage, ob es besonders von Infektionen betroffene Altersgruppen gebe, antwortet die Verwaltung: „Vor allem bei Schülerinnen und Schülern in allen Altersgruppen verbreitet sich das Virus vornehmlich.“

Welche Rolle spielt Omikron inzwischen?

Auf die Frage, welche Rolle die frühere Delta-Variante bei den Neuinfektionen noch spielt, heißt es aus Emden: „Die Labore führen aufgrund der Vielzahl der Analysen keine Varianten-PCR-Tests zusätzlich mehr durch.“ Das sagt natürlich auch etwas über die aktuelle Pandemie-Lage aus. Die Wittmunder Kreisverwaltung hat noch Varianten-Ergebnisse aus Laboren bekommen: „Omikron ist derzeit die vorherrschende Variante.“ Seit einer Woche werde fast nur noch sie festgestellt.

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Im Landkreis Leer war im Dezember der erste Omikron-Fall registriert worden, wie die Kreisverwaltung erinnert. Diese Mutante mache „mittlerweile weit über 90 Prozent aller Neuinfektionen“ aus. Delta sei „weitestgehend verdrängt“. Das gehe „quer durch alle Altersgruppen“.

Welche Variante führt derzeit zu Todesfällen?

Die Omikron-Variante gilt als ansteckender als die vorher vorherrschende Delta-Variante, aber sie soll tendenziell weniger schwere Krankheitsverläufe auslösen. Bestätigt sich das in Ostfriesland, was die Todesfälle in der jüngeren Vergangenheit betrifft? Die Kreisverwaltung Wittmund berichtet, dass in ihrem Zuständigkeitsbereich noch niemand an einer Omikron-Infektion verstorben sei. Das verhält sich auch im Landkreis Leer so, wie die dortige Kreisverwaltung mitteilt.

Die Stadtverwaltung Emden antwortet uneindeutig: „Grundsätzlich ist zu beobachten, dass die Omikron-Infektionen insgesamt milder verlaufen. Die beiden kürzlich in zeitlichem Zusammenhang mit einer Corona-Infektion Verstorbenen litten jeweils an Vorerkrankungen.“

Welche Rolle spielt der Impfschutz?

Unsere Zeitung wollte von den ostfriesischen Gesundheitsbehörden wissen, wie viele der mit einer Corona-Infektion verstorbenen Menschen – beispielsweise seit Oktober – vollständig geimpft, geboostert oder nicht geimpft waren. Zahlen oder ein grobes Zahlenverhältnis nennt die Stadtverwaltung Emden nicht. Sie weist auf folgendes hin: „Infektionen können – insbesondere bei der Omikron-Variante – auch geimpfte (einschließlich geboosterte) Personen betreffen.“

Die Kreisverwaltung Leer antwortet: „Zum Impfstatus der Betroffenen haben wir uns bislang aus Datenschutzgründen im Einzelfall nicht geäußert. Entsprechend wird hierüber aktuell keine Statistik geführt.“ Die Wittmunder Kreisverwaltung hat hingegen den Überblick: „Seit Monat Oktober 2021 sind vier nicht-geimpfte Personen und eine zweifach geimpfte Person an/mit Corona-Infektion verstorben.“

Und was ist mit dem Landkreis Aurich?

Unsere Zeitung hat die Anfrage an die Gesundheitsämter am Dienstag auch an die Kreisverwaltung Aurich gerichtet. Von dort sind bislang aber noch keine Antworten eingegangen.