Freizeit

Wer Emden zu Wasser besucht, muss viel im Voraus planen

| | 28.01.2022 12:57 Uhr | 1 Kommentar | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Das Ziel der Stadt Emden und des Teams Wassersport Ostfriesland ist es, den Emder Delft mit Bootstouristen zu beleben. Foto: Hanssen/Archiv
Das Ziel der Stadt Emden und des Teams Wassersport Ostfriesland ist es, den Emder Delft mit Bootstouristen zu beleben. Foto: Hanssen/Archiv
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Emden ist attraktiv zu Wasser und soll noch einladender für Bootstouristen werden. Nicht nur die bis mindestens Mai heruntergeklappte Eisenbahnbrücke macht den Besuch aber kompliziert.

Emden - Emden ist die Stadt der Brücken, der Schleusen, der Wasserwege. Es gibt nur aus Sicht der Bootjefahrer mehrere dicke Probleme, wie das Team Wassersport Ostfriesland, das für viele Vereine spricht, schon mehrfach betont hat: Die Schleusenzeiten sind nicht immer optimal. Die Brücken sind mitunter so niedrig, dass ein Hindurchfahren Millimeterarbeit gleicht oder unmöglich ist.

Was und warum

Darum geht es: Emden könnte für Wassersportler und Bootstouristen noch sehr viel attraktiver sein.

Vor allem interessant für: Emderinnen und Emder, die sich für die touristische Entwicklung ihrer Stadt interessieren, Bootjefahrer aus Ostfriesland und darüber hinaus

Deshalb berichten wir: Die Eisenbahnbrücke bleibt noch länger dicht. Wir haben uns gefragt, wie der Emder Delft alternativ erreicht werden könnte.

Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de

Und: Eine der wichtigsten Brücken – die Eisenbahnbrücke, die den Zugang zum touristisch interessanten Delft bildet – wird noch mindestens bis Mai nicht hochklappen können. Um das Dilemma und dessen Auswirkungen besser zu verstehen, haben wir uns die Stadt zu Wasser genau angeschaut und mit Experten gesprochen.

Das Problem

Emden hat knapp 150 Kilometer Wasserwege, die befahren werden können, und könnte damit sehr attraktiv für Bootstouristen sein, betont das Team Wassersport schon seit Jahren. Die Stadt Emden will auch den Delft attraktiver machen: Flusskreuzfahrtschiffe anlocken, durch viele Besucher zu Boot den Alten Binnenhafen belebter machen. Die Reederei AG Ems führt Hafen- und Kanalrundfahrten durch, die auch in Corona-Zeiten nachgefragt waren. Für die Deutsche Bahn aber hat das alles keine Priorität.

Der Knackpunkt für Besuche von Emden zu Wasser: die Eisenbahnbrücke. Foto: Päschel/Archiv
Der Knackpunkt für Besuche von Emden zu Wasser: die Eisenbahnbrücke. Foto: Päschel/Archiv

Seit mehr als zehn Jahren ist die Eisenbahnbrücke immer wieder defekt. Wirtschaftlich ist das eine Katastrophe: Über die Brücke läuft die einzige Zug-Verbindung zum Außenhafen, also ist sie für den Autoumschlag von Volkswagen unersetzlich und wird von Touristen, die zum Borkum-Kai per Bahn anreisen, genutzt. Wichtig für die Bahn ist es also, die Brücke heruntergeklappt zu haben – dass dann Schiffe mit etwas höheren Aufbauten nicht über diesen Weg in den Delft können, spielt eine nebensächliche Rolle. Die Sanierung der Brücke soll erst im März starten und dann nur nachts an wenigen Tagen stattfinden, um den Zugverkehr nicht zu behindern. Ob die Arbeiten im Mai abgeschlossen sind und ab dann wieder der Zugang für Boote über den Weg möglich ist, steht noch in den Sternen. Die Bootssaison beginnt aber Anfang April.

Die Alternativen

Es ist möglich, den Emder Delft von der Ems kommend über eine alternative Route zu erreichen. Die aber ist denkbar kompliziert: In den Binnenhafen kommt man über die Große Seeschleuse oder die Nesserlander Schleuse. Von dort geht es durch den Industriehafen zur Borssumer Schleuse. Deren nutzbare Länge beträgt, wenn beide Kammern geöffnet sind, rund 100 Meter und sie ist zehn Meter breit, erklärt der zuständige Schleusen-Mitarbeiter auf Nachfrage. Im Moment ist die Schleuse in Winterpause. Die Saison beginnt ab 11. April. Dann ist sie von 8 bis 12.45 Uhr sowie von 13.45 bis etwa 17 Uhr auf telefonische Abfrage besetzt. Man muss etwa eine Stunde Vorlauf einplanen, bis die Schleuse bedient wird. Falls aufgrund der Eisenbahnbrücken-Schließung mehr Andrang bei der Borssumer Schleuse sein sollte, könne man dort vielleicht auch einen Mitarbeiter abstellen, heißt es.

Auf dieser Karte sieht man, wie lang der Umweg über die Borssumer Schleuse und den Verbindungskanal ist, wen man trotz Eisenbahnbrücken-Sanierung in den Alten Binnenhafen und Delft gelangen will. Grafik: Imke Reil
Auf dieser Karte sieht man, wie lang der Umweg über die Borssumer Schleuse und den Verbindungskanal ist, wen man trotz Eisenbahnbrücken-Sanierung in den Alten Binnenhafen und Delft gelangen will. Grafik: Imke Reil

Hat man die Borssumer Schleuse passiert, geht es über den Verbindungskanal zum Ems-Jade-Kanal hoch. Aber Achtung: Hier gibt es Brücken und unter der niedrigsten passen nur Boote mit einer Höhe von maximal 2,90 Meter hindurch. Hat man ein Boot in richtiger Größe, kommt man dann über den Ems-Jade-Kanal in die Kesselschleuse, ein in Europa einzigartiges Bauwerk. Die Kesselschleuse ist in der Vorsaison bis Anfang Mai werktags 8 bis 12.30 Uhr und 13.30 bis 16 Uhr sowie samstags von 8 bis 13 Uhr besetzt. Auch hier will das Passieren also gut geplant sein. Hat man die Schleuse hinter sich gelassen, geht es ab in den Delft. Weil man mit einem Boot von maximal 2,90 Metern Höhe unterwegs ist, dürften die drei Brücken auf dem Weg dorthin einfach passiert werden. Will man über den Ems-Jade-Kanal kommend Richtung Ems, muss man entsprechend über den Verbindungskanal zur Borssumer Schleuse und dann über die Große Seeschleuse oder Nesserlander Schleuse raus.

Von der Kesselschleuse kommend muss man noch drei hochklappbare Brücken – hier beim Roten Siel – passieren, um in den Delft zu gelangen. Foto: Hanssen/Archiv
Von der Kesselschleuse kommend muss man noch drei hochklappbare Brücken – hier beim Roten Siel – passieren, um in den Delft zu gelangen. Foto: Hanssen/Archiv

Emden kann von Wilhelmshaven beziehungsweise dem Landkreis Aurich kommend über den Ems-Jade-Kanal angesteuert werden. Vom Knockster und dann Larrelter Tief kommend kann man ebenfalls nach Emden reinfahren, also etwa von der Gemeinde Hinte aus. Von dort gelangt man aber auch über das Hinter Tief in die Seehafenstadt. Übrigens: Über das Knockster Tief kann man nicht von der Ems ins Binnenland gelangen, weil es am Siel- und Schöpfwerk keine Schleuse gibt. Eine weitere Route verläuft aber zwischen Emden und dem Großen Meer in Südbrookmerland über das Trecktief und das Kurze Tief. Bei all den Routen gilt allerdings: Wenn man in den Delft gelangen möchte, geht kein Weg an der Kesselschleuse vorbei. Und: Für Schiffe mit höheren Aufbauten, die beispielsweise vom Ems-Jade-Kanal kommen, müssen drei Brücken – am Schwanenteich, am Roten Siel und am Falderndelft – hochgeklappt werden. Das geht nur auf Anruf und braucht ein wenig Vorlaufzeit.

Konsequenz: Emden zu Wasser braucht viel Planung

Emden zu Wasser zu besuchen, erfordert Planung. Im Gespräch mit dem Schleusen-Mitarbeiter wird aber deutlich: Viele Besucher, die beispielsweise von der Ems kommen, haben sich vorher nicht wirklich informiert. „Dabei steht alles im Internet“, erklärt er. Man sollte sich als Besucher zu Wasser mit dem Gebiet, das man aufsuchen möchte, vorher schon vertraut machen, rät er. So könne man mit Sicherheit entspannter reisen.

Der Besuch Emdens ist häufig mit einer Hafen- oder Grachtenrundfahrt verbunden. Auch in Corona-Zeiten sind diese sehr beliebt. Foto: Hanssen/Archiv
Der Besuch Emdens ist häufig mit einer Hafen- oder Grachtenrundfahrt verbunden. Auch in Corona-Zeiten sind diese sehr beliebt. Foto: Hanssen/Archiv

Corina Habben, Sprecherin der Reederei AG Ems, die die Bootsliegeplätze im Emder Delft im Auftrag der Stadt bewirtschaftet, sieht in dem großen Planungszwang ein Problem. „Viele fahren an Emden vorbei, weil der Aufwand zu groß ist“, sagt sie. Wer auf der Ems unterwegs ist, fahre dann lieber zu den Ostfriesischen Inseln. Da sei die Anreise bedeutend einfacher. Über die Borssumer Schleuse auszuweichen, sei zwar machbar, aber eben ziemlich aufwendig. „Ob das jemand macht, ist die Frage.“ Anfragen von Bootstouristen für Liegeplätze in der kommenden Saison seien für Emden zwar schon da. Dabei handele es sich aber vor allem um Stammgäste.

Insgesamt hielten sich die Anfragen seit Jahren auf einem gleichbleibenden Niveau. Weil „schon sehr viele Liegeplätze“ vorhanden sind – eine genau Zahl konnte sie nicht nennen –, habe man bislang immer alle Anfragenden unterbringen können. Nur zu besonderen Veranstaltungen wie etwa den Matjesfesttagen hätten Boote mal „im Päckchen“ liegen müssen. Sie betont: Wenn Emden besser und leichter erreichbar wäre, würde es auf jeden Fall mehr Nachfrage geben.

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