Innenstadt

Viel Geld und noch mehr Ideen für Wittmunds Innenstadt

| | 31.01.2022 16:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Wittmunder Innenstadt soll deutlich attraktiver werden. Dafür stehen erstmal etwa eine Million Euro zur Verfügung. Foto: Oltmanns
Die Wittmunder Innenstadt soll deutlich attraktiver werden. Dafür stehen erstmal etwa eine Million Euro zur Verfügung. Foto: Oltmanns
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Vielerorts verlieren die Innenstädte an Attraktivität, Kunden bleiben aus. Auch Wittmunds Stadtzentrum war schon lebendiger. Nun soll mit viel Geld nachgeholfen werden. Wofür wird es ausgegeben?

Wittmund - Was das Problem mit der Wittmunder Innenstadt ist? Hendrik Schultz hat ein Beispiel parat: Anfang Januar, so schildert er im Gespräch, habe er sich mit einigen anderen lokalen CDU-Politikern vor der Parteigeschäftsstelle in der Wittmunder Fußgängerzone getroffen, um die Innenstadt zu begehen. „Wir wollten gucken, was an Wittmund interessant ist“, berichtet Schultz. Das habe man wohl auch so gesagt beim Losgehen. Das wiederum hätten zwei Teenager aufgeschnappt, die eben an der Politikergruppe vorbeigingen. „Interessant sei in Wittmund gar nichts, haben die dann so unter sich gesagt“, so Schultz. Gehört hat er es trotzdem. Und haften blieb es offenbar auch.

Wie in vielen anderen Städten verändert sich auch in Wittmund die Innenstadt; nicht unbedingt zum Besseren. Kleinere Einzelhändler geben auf, Leerstände entstehen, die Kunden wandern ab. „Insgesamt gesehen ist das in anderen Städten noch schlimmer“, sagt Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen (parteilos). Zurücklehnen dürfe man sich deswegen aber nicht. Und es gibt Hilfe: Aktuell schütten die EU, der Bund und das Land Niedersachsen Fördermittel aus, um das Ausbluten der Innenstädte zu verhindern. Auch in Wittmund steht eine recht ordentliche Summe zur Verfügung: rund 1,1 Millionen Euro. Aber wie soll dieses Geld genutzt werden? Darum geht es jetzt in der Kreisstadt. Und deswegen machten sich auch die CDU-Politiker auf zu ihrer Begehung.

Um wie viel Geld geht es

Bürgermeister Claußen rechnet vor: Die Stadt bekommt 345.000 Euro aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“. Es handelt sich um EU-Fördergelder, die über das Land Niedersachsen an die Kommunen verteilt werden, die sich dafür beworben haben. „Im Großen und Ganzen geht es darum, die Städte und Gemeinden für die Zukunft zu ertüchtigen“, heißt es bei der Landesregierung in Hannover. Das könnten neue Geschäftsmodelle sein, ganz neue Nutzungen der Innenstädte, auch einzelne Projekte, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen (parteilos) vor dem Rathaus. Foto: Oltmanns/Archiv
Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen (parteilos) vor dem Rathaus. Foto: Oltmanns/Archiv

Weitere 517.000 Euro bekommt Wittmund vom Bund, die Mittel stammen aus dem Programm „Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren“. Der Bund möchte damit Konzepte fördern, die Innenstädte und Zentren stärken und weiterentwickeln. Für beide Programme muss die Stadt auch eigene Mittel zusätzlich in den Haushalt einstellen. So kommt man zum Schluss auf die rund 1,1 Millionen Euro.

Was passiert mit dem Geld

„Das ist als Start viel Geld, damit kann man schon mal loslegen“, sagt Bürgermeister Claußen. Doch womit genau? Um möglichst viele Interessen an Bord zu haben, gibt es eine Arbeitsgruppe aus Ratspolitikern, Wirtschaftsvertretern und externen Beratern. Zweimal traf sie sich bisher, im Februar steht das nächste Treffen an. Tatsächlich drängt die Zeit: Für die EU-Mittel müssen die ersten Einzelvorschläge laut Bürgermeister bis Ende März eingereicht werden. Und auch für das Geld vom Bund heißt es, dass alles bis Ende 2024 umgesetzt sein müsse.

Claußen zählt erste Vorschläge auf: Ein neuer Spielplatz am Karl-Bösch-Platz, außerdem sollen drei Plätze in der Fußgängerzone aufgehübscht werden. Die Wittmunder CDU will die Millionenförderung nicht allein der Arbeitsgruppe überlassen. Man überlegte also selbst, befragte Bekannte und Verwandte, und stellte schließlich eine lange Liste mit mehr als 50 Vorschlägen zusammen. Darunter kleine Lösungen wie die Beleuchtung von Giebeln als auch umfangreichere Überlegungen, wie etwa die Rückkehr des Straßenverkehrs in Teile der Fußgängerzone. Die ganze Liste geht nun an die Arbeitsgruppe.

Wittmund und das Imageproblem

„Wir brauchen ein Gesamtpaket mit Erlebnis, Gastronomie, Einzelhandel und Kunsthandwerk“, sagt Schultz. Es gelte, wieder eine positive Grundstimmung zu bekommen. Sein Parteikollege aus dem Wittmunder Rat, Olaf Famler, sekundiert das mit der Vermutung, dass die Wittmunder Innenstadt vielleicht auch ein Imageproblem habe. Aus Wilhelmshaven und Aurich würden die Leute jedenfalls nicht zum Einkaufen herkommen, stellt er fest.

Ein Imageproblem sieht Bürgermeister Claußen zwar nicht. Wohl aber den Mangel an Besuchern. Er setzt auf die Touristen: „Im Sommer haben wir 150.000 Gäste an der Küste“, sagt er. Dazu muss man wissen: Carolinensiel und Harlesiel gehören zur Stadt Wittmund. Diese Gäste sollten über ein Radverkehrskonzept verstärkt in die Wittmunder Innenstadt gelenkt werden, findet Claußen. Und setzt dabei auf ein weiteres Förderprogramm, für das die Stadt schon einen Zuschlag hat: 400.000 Euro von der N-Bank für den Radverkehr in Carolinensiel und Harlesiel.

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