Erneuerbare Energie

Ihlows Traum von grünem Strom für Elektroautos

| | 31.01.2022 17:44 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Photovoltaik-Freiflächenanlagen sollen helfen, die Energiewende zu meistern. In Ihlow plant die Gemeinde ein erstes Projekt. Symbolfoto: Archiv
Photovoltaik-Freiflächenanlagen sollen helfen, die Energiewende zu meistern. In Ihlow plant die Gemeinde ein erstes Projekt. Symbolfoto: Archiv
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Seit zehn Jahren hat die Gemeinde Ihlow keine eigenen Photovoltaikanlagen mehr errichtet. Jetzt soll es wieder losgehen. Die Planungen laufen, aber noch fehlt der Fördertopf.

Ihlowerfehn - Es war im Jahr 2011, als die Gemeinde Ihlow die letzte Photovoltaikanlage auf dem Dach eines kommunalen Gebäudes errichtet hat. Seitdem wandeln die vier Anlagen im Zentrum von Ihlowerfehn und die fünfte in der Schmiedestraße in Riepe fleißig Sonnenenergie in Strom um und speisen ihn ins Netz ein: mit einer Leistung von insgesamt 390,76 Kilowatt-Peak. Damit könnten sie 74 Familien versorgen, allerdings nur unter optimalen Bedingungen.

Was und warum

Darum geht es: Nach zehn Jahren stehen in der Gemeinde Ihlow wieder Photovoltaikanlagen auf der politischen Agenda.

Vor allem interessant für: Klimaschützer, Kommunalpolitiker und Investoren

Deshalb berichten wir: Die erste Anlage soll in den aktuellen Haushalt aufgenommen werden.

Die Autorin erreichen Sie unter: n.boening@zgo.de

Inzwischen rechnet es sich nicht mehr, neue Anlagen zu errichten und den Strom ins Netz zu speisen. „Der Grund dafür ist die sinkende Einspeisevergütung“, sagt Friedhelm Saathoff, der für die Gemeindeentwicklung zuständig ist. Momentan gibt es bei neu errichteten Anlagen für jede ins Netz gespeiste Kilowattstunde Sonnenstrom 7,22 Cent, so ist es per Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geregelt. Zum Vergleich: Als die erste Ihlower Anlage 2008 ans Netz ging, lag die Vergütung noch bei 46,75 Cent pro Kilowattstunde – bei kleinen Anlagen.

Solarenergie im Dornröschenschlaf

Nach zehn Jahren möchte die Kommune den solarenergetischen Dornröschenschlaf beenden. Den Anstoß dazu gab ein Antrag der Fraktion der Grünen von Juni 2021. Die Verwaltung hatte daraufhin nach dem Jahreswechsel ein konkretes Projekt in die politischen Gremien eingebracht: In der Gemeinde sollen neue kommunale Photovoltaikanlagen errichtet werden. Vorstellungsrunden in den Ausschüssen folgten im Januar. Ziel: Eine neue Anlage soll noch im aktuellen Haushalt untergebracht werden. „Für den Fall, dass es für Solaranlagen wieder Fördergeld gibt. Dann wollen wir bereit sein und die Chance nutzen“, so Bürgermeister Arno Ulrichs (parteilos). Wenn es so weit ist, sollen im zweiten Schritt Ladestationen für Elektroautos folgen.

Wenn Friedhelm Saathoff (links) und Bürgermeister Arno Ulrichs über Solarenergie sprechen, reden sie auch von einem Gesamtkonzept.
Wenn Friedhelm Saathoff (links) und Bürgermeister Arno Ulrichs über Solarenergie sprechen, reden sie auch von einem Gesamtkonzept.

Aktuell gibt es lediglich Fördermittel für den Energiespeicher, der den Solarstrom für den Eigenbedarf vorhält. 40 Prozent – bis zu 50.000 Euro – werden gezahlt. Das System unterstützt den Zweck, für den die Gemeinde diese Anlagen anschaffen möchte: „Sie rentieren sich momentan nur, wenn die Gebäude diese Energie für den Eigenbedarf nutzen“, so Saathoff. Das ist geplant. Geprüft wurden vier Standorte auf kommunalen Dächern. Drei davon sind grundsätzlich geeignet. Zwei rechnen sich. Ein beauftragtes Unternehmen stellte fest, dass sich eine Solaranlage auf dem Dach der Hermann-Tempel-Schule in Ihlow am schnellsten auszahlt. In nur neun Jahren soll die Anlage ihre Kosten wieder reinholen. In elf Jahren wäre das bei einer auf dem Dach des Rathauses geplanten Anlage der Fall. „Das Dach des Rathauses ist verwinkelter und die Montage deshalb komplizierter und damit teurer“, so Saathoff.

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Starten soll die Schule

Begonnen werden soll mit der Anlage auf der Schule. Laut Kostenvoranschlag liegt der Preis bei 83.000 Euro. Im zweiten Schritt soll diese Anlage eine Ladestation für Elektroautos mit Strom versorgen, die frei nutzbar sein soll. „Je nach Technik dauert der Ladevorgang etwa 30 Minuten bis vier Stunden“, so Saathoff. Diese erste Station könnte den Startschuss für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur in der gesamten Gemeinde abgeben. „Dafür haben wir bereits mit Unternehmen gesprochen und wollen auch noch EWE als Energieversorger ins Boot holen“, so Bürgermeister Arno Ulrichs. Auch für die Ladestationen gibt es Fördergeld.

Wenn Arno Ulrichs und Friedhelm Saathoff über Solarenergie sprechen, reden sie von einem Gesamtkonzept. Dazu gehören neben den Photovoltaikanlagen für die Dachmontage samt Ladestation auch Freiflächenanlagen. „Hier stehen wir bei der Planung noch ganz am Anfang“, so Ulrichs. Ein erster Standort könnte das neue Industriegebiet werden, das zwischen der Oldersumer Straße und der Autobahn, Ausfahrt Riepe, entstehen soll. „Es gibt Flächen im Randbereich, auf denen der Boden schwierig ist. Die könnte man dafür nutzen.“ Sollte ein solcher Park Realität werden, sei eine Bürgerbeteiligung die erste Wahl der Gemeinde.

Warten auf den Fördertopf

„In den Kommunen ist wahrscheinlich die Erkenntnis gereift, dass es ratsam ist, sich von den steigenden Strompreisen unabhängig zu machen“, sagt Christoph Linden von der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen (KEAN). Die Agentur ist eine Einrichtung des Landes Niedersachsen und hat die Aufgabe, den Klimaschutz und die Energiewende in Niedersachsen voranzutreiben. „Kommunen verfügen meist über große Dachflächen, dort bieten sich solche Projekte an“, so Linden: „Hinzu kommt, dass diese Gebäude überwiegend tagsüber genutzt werden. Das sind Zeiten, in denen die Anlagen auch den meisten Strom produzieren.“

Viel Hoffnung auf neue Fördertöpfe für die geplante Solaranlage kann Christian Budde, Pressesprecher des Niedersächsischen Umweltministeriums, nicht machen. „Die bisher aufgelegten Fördertöpfe wurden so gut genutzt, dass das Geld aufgebraucht ist“, so Budde. Im neuen Haushalt seien noch keine Mittel für eine Förderung eingeplant. „Soweit ich weiß, gibt es dazu auch keine Überlegungen.“ Bürgermeister Arno Ulrichs lässt sich davon nicht entmutigen: „Die Bundesregierung hat sich ehrgeizige Ziele für den Klimaschutz gesetzt. Wir sind uns deshalb sicher, dass sich noch etwas tun wird. Ohne uns Kommunen sind die Ziele nicht zu schaffen.“

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