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Ideenschmiede für Auricher Innenstadt wird Rohrkrepierer

Gabriele Boschbach
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Von Gabriele Boschbach
| 03.02.2022 16:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
So fing alles an: Europaministerin Birgit Honé (Mitte) besuchte im Juni 2021 die Auricher Innenstadt, um die Gewährung von Fördermitteln zu prüfen. Foto: Archiv
So fing alles an: Europaministerin Birgit Honé (Mitte) besuchte im Juni 2021 die Auricher Innenstadt, um die Gewährung von Fördermitteln zu prüfen. Foto: Archiv
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350.000 Euro für einen Inklusionsspielplatz am Auricher Pferdemarkt und andere Vorschläge wurden vom Ortsrat Kernstadt zerrissen. Es herrschte dicke Luft. Der Bürgermeister konnte aber noch atmen.

Aurich - Ein Inklusionsspielplatz für 350.000 Euro am Pferdemarkt, Workout-Spielgeräte am Georgswall und Schließfächer für Fahrradtaschen in der Markthalle − das sind drei von zehn Ideen zur Belebung der Auricher Innenstadt (siehe Grafik). Damit ist die Verwaltung am Mittwoch im Ortsrat Kernstadt krachend gescheitert. Das Konzept von Citymanagerin Vicki Janssen wurde mit den Stimmen von SPD, Linke und CDU abgelehnt. Die Kritikpunkte: Bei den Ideen handele es sich um eine lose Sammlung von Projekten, es fehle die verbindende Klammer, der rote Faden. Sehr fraglich sei auch der Nutzen für die Kaufleute. „Wie soll ein Spielplatz Umsatz generieren?“, fragte ein Ratsmitglied. Kritisiert wurde außerdem, dass der Spielplatz an einer verkehrsumtosten Kreuzung angelegt werden soll. Kinder seien dadurch gefährdet, hieß es.

GFA, Grüne und AWG konnten den Plänen etwas abgewinnen und sprachen sich dafür aus. Besonderen Anklang fand eine groß angelegte Social-Media-Kampagne, mit der der Einzelhandel vor Ort und die Online-Kaufwelt zusammengeführt werden sollen. Dafür sind alleine 170.000 Euro veranschlagt. Die Stadt kann insgesamt rund eine Million Euro ausgeben. 90 Prozent davon stammen aus EU-Mitteln und fließen als Zuschüsse des Landes aus dem Sofortprogramm „Perspektive Innenstadt“. Damit will Hannover die Folgen der Corona-Pandemie für die Stadtzentren abmildern.

Unterschiedliche Vorstellungen

Es ist Druck auf dem Kessel: Die Projekte müssen bis Ende März 2023 umgesetzt und auch abgerechnet werden. Deswegen sei die Auswahl der Projekte sehr eingeengt gewesen, gab Vicki Janssen in ihrem Vortrag zu bedenken. „Außerdem mussten wir sehen, dass die Pläne nicht mit der derzeitigen Sanierung der Fußgängerzone kollidieren“, ergänzte Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos). Im Verlauf der zweistündigen Debatte wurde deutlich, dass die Vertreter der Kaufleute ganz andere Vorstellungen von einer attraktiven Innenstadt haben als die Verwaltung.

Kurz vor Beginn der Sitzung hatte Udo Hippen, der Vorsitzende des Kaufmännischen Vereins (KV), Bürgermeister Horst Feddermann (parteilos) ein Papier mit konkreten Vorschlägen übergeben. Diese Ideen konnten allerdings nur kurz mündlich vorgetragen werden, es gab keine Power-Point-Präsentation wie bei Vicki Janssen. Die Stoßrichtung: mehr Grün für die Innenstadt, Konzentration auf die Gestaltung der Fläche am Marktplatz, Einbeziehen der Beschicker. Die Verwaltung verfolgt einen ganz anderen Plan. Bespielt werden soll nach ihrem Willen der ganze Geltungsbereich für das Förderprogramm „Perspektive Innenstadt“ (siehe Grafik).

Stühle sind zu rot

Dieser umfasst ein Gebiet, das vom Pferdemarkt bis zum Einkaufszentrum Caro, von der Stiftsmühle bis zum Hafen reicht. Um die Achse durch die Stadt zu betonen, sollen nach dem Willen von Vicki Janssen rote, zusammenklappbare und fest montierte Stühle in Tulpenform vom Pferdmarkt bis zum Einkaufszentrum Caro aufgestellt werden. „Das wäre vielleicht eine gute Idee für die Niederlande. Dort gibt es einen Bezug zu Tulpen“, kommentierte Udo Hippen diesen Vorstoß. Ein weiterer Kritikpunkt: Wegen des Plastik-Materials und der grellen Farbe passten die Stühle nicht in die neue Fußgängerzone, in der gedeckte Töne dominieren.

Horst Feddermann sieht indessen keine große Diskrepanz zwischen den beiden Entwürfen: „Wir sind nicht weit auseinander von dem, was der Kaufmännische Verein möchte.“ Es gehe schließlich darum, die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu heben. In das Konzept seien Vorschläge von vielen „Akteuren“ eingeflossen, von Gastronomen, Einzelhändlern und Mitgliedern des Verkehrsvereins. Dutzende Anregungen habe man aufgenommen. Jetzt geht die Debatte über das Konzept in die nächste Runde: Am Montag, 7. Februar, werden sich die Mitglieder des Sanierungsausschusses ab 17 Uhr in der Stadthalle damit beschäftigen.

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