Umwelt

Flächenfraß in Emden: „Wo sollen die Kinder irgendwann noch spielen?“

| | 05.02.2022 10:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
In Emden soll laut Wunsch der Verwaltung und Politik weiter viel gebaut werden. Symbolfoto: Pixabay
In Emden soll laut Wunsch der Verwaltung und Politik weiter viel gebaut werden. Symbolfoto: Pixabay
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Das Emder Jugendparlament hat ein kniffliges Thema auf der Agenda. Bis zur Bundesebene wollen sie auf den Flächenfraß aufmerksam machen. Schon vor 20 Jahren war fast ein Drittel Emdens versiegelt.

Emden - Viele aus dem Emder Jugendparlament hätten sich in der letzten Sitzung „tierisch aufgeregt“. Worüber? Die Abholzung des kleinen Wäldchens namens Janssens Tuun. Das beschreibt Eike Bergmann, der seit Mitte Dezember gemeinsam mit Maurits Fühner nun ein kniffliges Thema angeht: Ausgleichsflächen. Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Fläche, die der Natur beispielsweise für den Bau von Häusern oder Straßen weggenommen wird, an anderer Stelle zurückgegeben wird. Deswegen musste das kleine Wäldchen weichen. Es ist Teil eines Ausgleichs für die Errichtung der Friesland-Umgehungsstraße und das Gelände soll zu einem Wiesenbrüter-Paradies werden.

Das Thema aber hat in ganz Emden für Ärger gesorgt - offenbar auch bei den jungen Menschen. „Man muss das Problem grundsätzlich angehen“, findet Eike Bergmann. Schließlich gehe es insbesondere die Jugend an, wenn immer mehr Fläche zugebaut werde und die Regelung für den Ausgleich vielleicht nicht so sinnvoll sei. Schaut man sich beispielsweise das geplante Mega-Baugebiet Conrebbersweg-West an, dann erscheint es fast absurd, dass ein Großteil der Ausgleichsfläche im Landkreis Aurich geschaffen werden soll. Wird Emden also in Zukunft immer weiter zugebaut und irgendwo „weit weg“ wird kompensiert?

Stand 2004: Fast ein Drittel Emdens versiegelt

2004 war das Emder Stadtgebiet schon zu knapp 18 Prozent bebaut. Rund acht Prozent kamen als Verkehrsflächen dazu. Damit war da schon knapp ein Drittel Emdens versiegelt. Der Großteil des Stadtgebiets - fast 60 Prozent - wurde landwirtschaftlich genutzt. Nur knapp neun Prozent waren Gewässer oder Wald. In den etwa 20 Jahren seitdem hat sich natürlich einiges getan: Es sind Wohngebiete etwa in den Ortsteilen Larrelt, Barenburg und Wolthusen dazu gekommen, ebenso Gewerbe- beziehungsweise Industriebauten wie beim Dollart Center, im Frisia-Park oder im Borssumer Hammrich. Gleichzeitig wuchs der Stadtwald, den es seit 2000 gibt, und ehemalige landwirtschaftliche Flächen wurden zu Vogelgebieten. Mehr als 100 Hektar Ausgleichsfläche betreut das Emder Ökowerk in der Stadt.

Eike Bergmann ist Teil der neu gegründeten AG Ausgleichsflächen vom Emder Jugendparlament. Gemeinsam mit Maurits Fühner will er viele Menschen für das Thema sensibilisieren. Foto: Privat
Eike Bergmann ist Teil der neu gegründeten AG Ausgleichsflächen vom Emder Jugendparlament. Gemeinsam mit Maurits Fühner will er viele Menschen für das Thema sensibilisieren. Foto: Privat

„Es wäre optimal, wenn schon versiegelte Fläche wieder für die Natur hergerichtet werden könnte“, sagt Eike Bergmann für das Jupa. Man sollte beispielsweise in Gewerbe- und Industriegebieten schauen, welche Gebäude schon seit Jahren leer stehen und nicht mehr genutzt werden. Die könnte man wieder für die Natur „entsiegeln“. Oder: Man könnte bereits versiegelte Fläche für neue Wohngebiete nutzen und nicht auf der Wiese neu bauen. Um gut aufgeklärt an die Sache heranzugehen, wollen sich die jungen Menschen jetzt Experten dazu holen.

Dann geht es ihnen um die Reichweite. Vieles zum Thema Bauen und Ausgleichsflächen wird auf Bundesebene entschieden. Die Emder Jugend nimmt Kontakt zu anderen Jugendparlamenten bundesweit auf und will für das Thema sensibilisieren und es verbreiten. „Wir sind einfach stark davon betroffen“, betont der 19-Jährige. Wenn er mit seinen Eltern spreche, berichteten diese noch von Spielflächen, die sie früher hatten, die heute verbaut sind.

„Wo können unsere eigenen Kinder irgendwann noch spielen“, fragt er. Es sei ihre Pflicht, sich jetzt für den Schutz der Umwelt und der grünen Flächen einzusetzen, betont er. Emden hatte im Dezember vom Naturschutzbund Nabu bereits einen Umweltsünderpreis bekommen und wurde als Paradebeispiel für den Flächenfraß und die Bodenversiegelung bundesweit herangezogen.

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