Justiz
Auricher soll mit falschen Goldbarren betrogen haben
Ein 59-jähriger Auricher bekam von einem Bekannten 18.500 Euro. Als Sicherheit lieh er ihm im Gegenzug Goldbarren. Die waren jedoch nicht echt. Nun steht der Auricher wegen Betrugs vor Gericht.
Aurich - Geld gegen falsche Goldbarren: Mit dieser Masche soll ein 59-jähriger Auricher einem Bekannten 18.500 Euro abgenommen haben. Jetzt muss er sich wegen Betrugs vor dem Auricher Strafrichter verantworten. Am Montag bestritt er die Tat.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, sich im Mai 2020 von dem gleichaltrigen Geschädigten aus Aurich unter dem Vorwand von Steuerschulden 6000 Euro, 2500 Euro und 10.000 Euro geliehen zu haben. Im Gegenzug soll er ihm Goldbarren übergeben haben, die sich als wertlos herausstellten.
„Da weiß ich nichts von“
Der Angeklagte – ein ungelernter Mann, geboren in Osnabrück – ließ sich ausführlich zu dem Vorwurf ein. Er berichtete von einem Schmuckgeschäft, das er im Tatzeitraum mit dem Zeugen gemacht habe. Er habe ihm einen Brillantring für 600 Euro verkauft. Weiter habe er den Kontakt zu seinem Cousin hergestellt, der dem Zeugen zwei Goldbarren verkauft habe. Dafür habe er 500 Euro Provision erhalten.
Auf die Frage von Staatsanwalt Lars Maibaum, was es mit den 18.500 Euro auf sich habe, äußerte der Angeklagte, er habe sie nie bekommen: „Da weiß ich nichts von.“
Geschädigter wollte Bekanntem helfen
Der Geschädigte führte einen Stapel Papiere mit sich, die er vor seiner Aussage sortierte. „Ich habe mir Stichpunkte gemacht, weil es eineinhalb Jahre her ist“, erklärte er. Auf die Aufforderung, er möge zunächst allein aus seinen Erinnerungen berichten, legte er los.
Er kenne den Angeklagten seit 15 Jahren, es sei eine lose Bekanntschaft gewesen, die sich nach einer Erkrankung intensiviert habe. „Ich wollte ihm helfen“, sagte der Geschädigte. Der Beschuldigte habe ihm schließlich ein amtlich erscheinendes Dokument gezeigt. Bei ihm wäre eine Hausdurchsuchung durchgeführt worden, habe er berichtet, sie hätten ihm alles genommen. Nun wäre er mittellos. Er bräuchte Geld.
„Es war meine Altersvorsorge“
„Da habe ich ihm in drei Etappen 18.500 Euro geliehen“, berichtete der Geschädigte. Als Sicherheit habe er Gold erhalten – „das war eingesiegelt, das dürfe man nicht ohne Wertverlust aufmachen“. Die Übergabe der drei Summen habe auf seinem Grundstück stattgefunden. Er habe die Transaktion vor seiner Frau verheimlicht. Weitere Zeugen gebe es keine, auch keine Auszahlungsbelege der Bank. Das Geld habe er bei sich zu Hause gelagert: „Es war meine Altersvorsorge“, so der Opferzeuge. Der Angeklagte habe ihm im August das geliehene Geld aus einer fälligen Lebensversicherung im Rücktausch mit dem Gold zurückbezahlen wollen.
Als ihm Bedenken gekommen sind, hat der Geschädigte die in Folie eingeschweißten Goldbarren – flache Stücke, vielfach geprägt mit dem Namen eines Schweizer Geldinstituts – von drei Auricher Goldankäufern untersuchen lassen. Säuretests hätten sie als Falschgold entlarvt. „Jeder Barren ist nur drei Euro wert“, sagte der Geschädigte. „Da war mir bewusst, dass ich einem Betrug aufgesessen bin.“ Dem Angeklagten habe er daraufhin Anfang Juni 2020 per Einschreiben eine Zahlungsaufforderung mit Zahlungsziel 7. Juli geschickt. Erfolglos: „Zurückerstattet bekommen habe ich nichts.“
Weitere Opfer vermutet
Im Nachhinein hat der geschädigte Auricher vielen Personen von dem Vorfall erzählt. Er hat eine Liste mit „40 oder 50 Personen“ zusammengestellt, die ebenfalls von dem Angeklagten übers Ohr gehauen worden seien – mit falschen Goldbarren oder Dachdeckerarbeiten. Eine davon saß im Zuschauerraum, ein Mann aus Remels.
Wie der Staatsanwalt feststellte, ist diese Liste nicht zu den Akten gelangt. Weitere Ermittlungen sollen geführt werden. Das Verfahren wird an einem späteren Termin neu begonnen.